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Sonstiges

Trotzdem bauen

von , am
08.10.2013

Vor sechs Monaten ist in Niedersachsen der "Filtererlass" in Kraft getreten. Mit einer Abluftreinigung, egal in welcher Größenordnung, wird die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast zusätzlich belastet.

Bei einer Modul- bzw. Containerbauweise muss in den meisten Fällen nur noch Strom und Wasser bereitgestellt werden, nach Lieferung per Tieflader kann der Wäscher in Betrieb gehen. © Bönsch
Möchte ein Landwirt seinen Betriebszweig Schweinemast erweitern, ist das nach dem niedersächsischen "Filtererlass" nur noch begrenzt ohne Abluftreinigung möglich. Schon bei einem Neubau ab 1.500 Mastplätzen können Keimgutachten gefordert werden, wenn der Antragsteller keine Abluftreinigungsanlage vorgesehen hat. Diese Gutachten kosten zwischen 10.000 € und 30.000 Euro.

Gesamtemissionen

Sollen 2.000 oder mehr Schweinemastplätze neu errichtet werden, ist dies grundsätzlich nur noch in Verbindung mit einem Abluftfilter möglich. Noch ärgerlicher kann es für Betriebe werden, die an einem vorhandenen Standort eine Erweiterung planen und danach insgesamt über 2.000 Plätze kommen. Dort kann eventuell gefordert werden, dass auch die vorhandenen Ställe nachträglich mit einem Filter ausgestattet werden müssen.

Die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast  wird durch eine Abluftreinigung verschlechtert, weil die Kosten steigen.  Zum einen sind es die reinen Investitionskosten. Diese setzen sich aus Bauhülle, Lagerraum und Filtertechnik zusammen. Wenn Vergleiche zwischen den Herstellern angestellt werden sollen, muss unbedingt darauf geachtet werden, welche Arbeiten noch durch den Landwirt selbst zu entrichten sind. Einige Firmen bieten nur die Technik, aber nicht die Bauhülle sowie den dazugehörigen Lagerraum an. Andere Hersteller wiederum haben "schlüsselfertige" Anlagen oder Containerbauweisen im Angebot. Das muss unbedingt bei Vergleichen bedacht werden. Das Angebot mit "nur" der reinen Technik ist natürlich auf den ersten Blick wesentlich günstiger als die schlüsselfertigen Varianten.

Bei der zu erstellenden Bauhülle oder dem benötigten Lagerraum ist Eigenleistung nicht überall empfehlenswert. Vor allem beim Anfall von säurehaltigem Abschlämmwasser sollten erfahrene Firmen bzw. Fachleute die Beschichtungen auf die Betonwanne aufbringen. Es handelt sich zwar nur um eine schwache Ammoniumsulfat-Lösung, aber in der Praxis zeigen die ersten Betonwannen bereits Schwachstellen.

Neben den Investitionskosten fallen laufende Betriebskosten an - für Strom (Pumpen und Ventilatoren), Wasser, Schwefelsäure, Wurzelholz oder Hackschnitzel, Reparatur und Wartung sowie für die Reinigung der gesamten Anlage. Auch sollte der Arbeitsaufwand für die tägliche Kontrolle nicht unterschätzt werden. Zehn Minuten pro Tag bedeuten eine zusätzliche Belastung von 60 Stunden pro Jahr. Vergütet mit 15 €/Stunde sind das 900 €.
Ein großer Kostenpunkt neben den Stromkosten ist das Waschwassers bzw. dessen Lagerung. Das Waschwasser fließt durch die Filteranlage und bindet Staub, Geruch, Keime und Ammoniak. Ist es gesättigt, wird es je nach System entweder komplett durch neues Wasser ersetzt oder in einen kontinuierlichen Prozess abgeführt.

Waschwasser aus einer biologischen Stufe kann direkt dem Güllelager zugeführt werden. Dafür muss aber dementsprechend mehr Lagerraum vorgehalten werden. In der Praxis werden Mengen von 0,4 bis 1,5 m³ pro Mastplatz und Jahr angegeben. Bei einem 2.000er Maststall und einem Anfall von 0,8 m³/Mastplatz müssen zusätzlich 1.200 m³ Lagerraum bei neunmonatiger Lagerdauer vorgehalten werden. Hinzu kommen dann noch die Kosten für die Ausbringung des Waschwassers.

Abschlämmwasser

Wird bei einer Anlage eine Säurestufe eingesetzt, fällt weiteres Waschwasser an. Dieses Abschlämmwasser darf nicht mit der Gülle zusammen gelagert werden. Es darf erst kurz vor der Ausbringung mit Gülle vermischt werden. Die mögliche Bildung von Schwefelwasserstoff muss unbedingt verhindert werden. Der separate Lagerraum muss, wenn er aus Beton erstellt werden soll, eine besondere Epoxidharzbeschichtung erhalten. Bei diesem Abschlämmwasser handelt es sich nämlich um eine Ammoniumsulfat-Lösung, die den Beton angreifen würde. Es können aber auch Hochbehälter aus GFK-Materialien eingesetzt werden. Der Anfall an Abschlämmwasser beläuft sich je nach Hersteller und System auf ca. 0,1 m³ bis 0,3 m³ pro Mastplatz und Jahr.
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