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Geflügelgrippe

Vogelgrippe: Ab heute mehr Schutz auch in kleineren Betrieben

Legehenne am Auslauf
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
21.11.2016

Wegen der Vogelgrippe-Gefahr müssen auch kleinere Betriebe ab heute Sicherheitsmaßnahmen treffen. Unterdessen gibt es neue Fälle der Geflügelgrippe.

Die Schutzvorkehrungen zur Eindämmung der Vogelgrippe in Deutschland werden ausgeweitet. Von heute an müssen auch kleinere Betriebe Sicherheitsmaßnahmen treffen. Dann tritt eine Eilverordnung von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) in Kraft, wie ein Sprecher bestätigte

Konkret geht es etwa darum, keine Unbefugten in die Ställe zu lassen. Tierhalter müssen Schutzkleidung tragen und Hände sowie Stiefel desinfizieren können. Bisher gelten die Vorgaben nur für Betriebe mit mehr als 1.000 Tieren. Je nach Risikolage können die Länder weitere Maßnahmen anordnen.

Bundesministerium plant bundesweite Stallpflicht

Das Bundesagrarministerium nimmt zur Eindämmung der Vogelgrippe eine bundesweite Stallpflicht für Geflügelbetriebe in den Blick. Ressortchef Christian Schmidt (CSU) habe entschieden, alle notwendigen Maßnahmen dafür vorzubereiten. Das sagte Ende vergangener Woche ein Sprecher des Ministeriums nach einer Sitzung des zentralen Krisenstabs.

"Wir sind in Sorge, was die aktuelle Ausbreitung der Vogelgrippe angeht." Das Friedrich-Loeffler-Institut mit seinem nationalen Referenzlabor werde in den nächsten Tagen eine neue Risikobewertung vorlegen. Dann soll der Krisenstab erneut tagen.

Schleswig-Holstein: 8.800 Gänse müssen gekeult werden

In Schleswig-Holstein wird wegen der Geflügelpest die Tötung von insgesamt 8.800 Gänsen vorbereitet. An zwei Standorten eines Geflügel-Betriebes im Kreis Dithmarschen sind nach Angaben des Umweltministeriums in Kiel Vogelgrippe-Viren bei den Tieren festgestellt worden. Die Aktion könne frühestens am Dienstag beginnen, sagte ein Kreissprecher am Sonntag. "Wir sind in Kontakt mit Fachleuten, die eine entsprechende Keulung durchführen können", sagte er. Die Tötung solle vor Ort stattfinden.

Die Behörden in Schleswig-Holstein sperrten die verseuchten Standorte am Samstagabend ab. Die Feuerwehr baute an einem der Ställe Fahrzeugschleusen mit Desinfektionsmittel auf, wie der Kreissprecher sagte. Bislang ist nach Ministeriumsangaben noch unklar, ob es sich um den hochpathogenen Erreger H5N8 handelt. Weitere Untersuchungen beim Friedrich-Löffler-Institut liefen bereits. Die Tötung soll aber in jedem Fall stattfinden.

Insgesamt in zehn Bundesländern infizierte Vögel gefunden

Erst vor einer Woche hatten 30.000 Hühner in einer von der Vogelgrippe betroffenen Massentierhaltung in Grumby nahe Schleswig getötet werden müssen. In Deutschland wurde die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie erstmals am 8. November nachgewiesen. Seitdem sind in 10 Bundesländern infizierte Wildvögel gefunden worden. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind auch Betriebe betroffen. Der Erreger gilt als ungefährlich für Menschen, ist aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel.

Eine Ende der Epidemie ist bislang nicht in Sicht. Am Sonntag teilte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit, dass das Virus nun auch in Nürnberg, Ingolstadt und sechs Landkreisen bei Wildvögeln nachgewiesen wurde. In Bayern gilt seit Freitag eine allgemeine Stallpflicht für Haus- und Nutzgeflügel.

In Mecklenburg-Vorpommern stellten die Behörden am Wochenende zwei weitere Vogelgrippefälle bei Nutztierhaltern fest. Wie der Kreis Vorpommern-Rügen am Sonntag mitteilte, handelt es sich um kleinere Bestände, in denen der Erreger H5N8 festgestellt wurde.

    Niedersachsen: Immer mehr Landkreise verordnen Stallpflicht

    Im Kampf gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe weiten die Bundesländer die Stallpflicht immer stärker aus. In Niedersachsen haben mehrere Landkreise auf Basis der Geflügelpest-Verordnung die Stallpflicht für Geflügel im ganzen oder in Teilgebieten der Kreise angeordnet. Bund und Länder sind sich einig, dass eine Aufstallung in diesen Risikogebieten eine wichtige Maßnahme ist.

    Das sogenannte Aufstallungsgebot gilt in folgenden niedersächsischen Landkreisen oder in Teilen davon:

    • Emsland,
    • Cloppenburg,
    • Grafschaft Bentheim,
    • Landkreis Ammerland,
    • Aurich,
    • Vechta,
    • Friesland,
    • Wittmund,
    • Wesermarsch,
    • der kreisfreien Stadt Wilhelmshaven,
    • Cuxhaven,
    • Diepholz,
    • Harburg,
    • Leer,
    • Lüneburg,
    • Nienburg,
    • Oldenburg,
    • Osnabrück,
    • Osterholz,
    • Rotenburg (Wümme),
    • Stade,
    • Verden,
    • in Teilbereichen im Zweckverband Jade-Weser,
    • Lüchow-Dannenberg,
    • Kreis Celle,
    • Gifhorn,
    • Raum Hannover,
    • Peine.

    Besondere Hygienemaßnahmen einhalten

    Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer wies darauf hin, dass Bund und Länder eine risikobasierte Aufstallung mindestens in avifaunistisch bedeutsamen Gebieten empfehlen. „Wir erwarten, dass dies nun auch in Niedersachsen so umgesetzt wird.“

    Das Ministerium appelliert an alle Geflügelhalter, strikt die Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten:

    • Das gilt insbesondere für Hygienevorkehrungen etwa durch Schleusen, Desinfektionsmatten, Handwaschbecken und Schutzkleidung.
    • Zutritt zu den Beständen sollten allein die Tierhalter haben.
    • Ratsam sei gleichfalls eine präzise Buchführung über eintreffende und ausgehende Lieferungen.

    Bund und Länder seien in enger Abstimmung. Es herrsche unter anderem Einigkeit darüber, dass aus Restriktionsgebieten Geflügel nur nach vorheriger Untersuchung auf das Vogelgrippevirus transportiert werden darf.

    Meyer fügte hinzu, es seien alle Vorkehrungen getroffen, „um im Ernstfall schnell zu agieren“. Niedersachsen habe als weitere Schutzmaßnahme landesweit alle überregionalen Geflügelschauen abgesagt.

    Das Ministerium empfiehlt:

    • eine verstärkte Vorsorge gegen sogenannte Schadnager, darunter insbesondere Ratten und Mäuse. In der kalten Jahreszeit wanderten solche Schadnager auch gern in die Ställe und könnten also dort das Vogelgrippe-Virus einschleppen.
    • Jeder Kontakt des Bestandes mit Wildvögeln, zum Beispiel an Futterstellen, Gewässern, durch Fahrzeuge und anderes, ist zu vermeiden.
    • Geflügelhalter sollten unklare Krankheits- und Todesfälle von Tieren im Bestand schnellstmöglich durch Untersuchungen auf Geflügelpest durch einen Tierarzt abklären lassen.
    • Falls es einen Verdacht gibt, muss dieser sofort beim jeweils zuständigen Veterinäramt gemeldet werden.
    Mit Material von dpa, Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium
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