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Geflügelgrippe

Vogelgrippe: In den Niederlanden werden 190.000 Enten getötet

Entenmast im Stall
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
28.11.2016

Nun ist die Vogelgrippe in den Niederlanden angekommen. Wegen des Erregers H5 werden in einem Betrieb in Biddinghuizen im Nordosten des Landes 190.000 Enten getötet.

Wegen der Vogelgrippe müssen in den Niederlanden 190.000 Enten getötet werden. Das teilte das Wirtschaftsministerium am Samstag in Den Haag mit. In einem Betrieb in Biddinghuizen im Nordosten des Landes war der Virus H5 gefunden worden. Die Enten dort und die Tiere von vier Höfen in der Nähe würden getötet.

Auch wenn es sich nicht um die sehr ansteckende Variante H5N8 handele, müsse die Verbreitung verhindert werden, erklärte das Ministerium. Es ist der erste Vogelgrippe-Fall bei gehaltenem Geflügel in den Niederlanden. Bislang waren dort nur infizierte Wildvögel gefunden worden.

Vogelgrippe auch bei Reiherente in Region Hannover

Die Vogelgrippe ist in der Region Hannover angekommen. Bei einer toten Reiherente wurde das Virus H5N8 nachgewiesen. Weitere Verdachtsfälle seien zunächst nicht bekannt geworden, teilte eine Sprecherin der Region am Sonntag mit.

Das tote Tier war am Hufeisensee in Isernhagen gefunden worden. Die Bestätigung für H5N8 hatte es am Samstag gegeben. Es ist der erste Vogelgrippe-Fall in der Region Hannover während derzeitigen Epidemie.

Einschränkungen durch die Vogelgrippe auch für Hunde- und Katzenhalter

Von Dienstag an werden bei Hannover in einem Radius von mindestens zehn Kilometern um den Fundort ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet eingerichtet. Das betrifft auch Teile der Landeshauptstadt. Dort gelten besondere Auflagen: Gehaltene Vögel dürfen nicht aus ihren Betrieben weggebracht werden, auch Bruteier, Fleisch und Fleischerzeugnisse von Federwild müssen am Ort bleiben. Betriebsfremde Personen dürfen die Ställe und sonstige Standorte von gehaltenen Vögeln und Geflügel nicht betreten.

"Hunde und Katze dürfen grundsätzlich weder im Sperrbezirk noch im Beobachtungsgebiet frei herumlaufen", teilte eine Sprecherin mit. Sie könnten das H5N8-Virus nach dem Kontakt mit verendeten Vögeln weiter verbreiten. Für das Beobachtungsgebiet in Hannover soll es aber eine Ausnahmegenehmigung für Hunde- und Katzenhalter geben.

Bisher einzige Infektion von Nutzgeflügel im Landkreis Cloppenburg

Im Landkreis Cloppenburg war das hochansteckende Virus am Mittwoch in einem Mastbetrieb nachgewiesen worden. Daraufhin wurden alle 16.000 Puten des Betriebs sowie 92.000 Hühner von zwei benachbarten Höfen getötet. "Bislang gibt keine neuen Verdachtsfälle bei Nutzgeflügel", sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums am Sonntag. Wegen der Vogelgrippegefahr muss Geflügel inzwischen in mehr als der Hälfte der niedersächsischen Landkreise im Stall gehalten werden.

Seit Anfang November häufen sich in Deutschland bestätigte H5N8-Fälle. Inzwischen sind zwölf Bundesländer betroffen.

NGW: Breite Aufstallung als wirksamste Prävention

Die Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW) wies unterdessen in einer Pressemitteilung nochmals auf die Gefahren für die Branche durch die Vogelgrippe hin. Vorbeugende Impfstoffe oder wirksame Therapeutika zur heilenden Behandlung erkrankter Tiere stehen nicht zur Verfügung. Nur zwei Quarantänemaßnahmen seien im Kampf gegen die Vogelgrippe sinnvoll: die Aufstallung und die sogenannte Biosicherheit.

Die breite Aufstallung von Hobby-, Kleintier- und großen Nutztierbeständen ist nach Ansicht des Verbandes die wirksamste Präventionsmaßnahme. Wenn im Freiland Lebensgefahr für das eigene Geflügel bestehe, sollte auch niemand zögern, die Aufstallung freiwillig zu praktizieren. Die Stallpflicht fordere vielen Tierhaltern Einsicht und Einsatz ab. Das gelte vor allem dann, wenn sie keine ausreichende Stallkapazität hätten oder eine übliche Freilandhaltung wie bei Gänsen. Das sei keine Selbstverständlichkeit und dennoch in Solidarität und Verantwortung unumgänglich.

In Ländern mit hoher Geflügeldichte wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen komme nicht nur der Aufstallung über alle Haltungsformen, sondern vor allem auch der geographisch lückenlosen Aufstallung über das ganze Land sehr hohe Präventionsbedeutung zu.

Ripke: Immer noch große Lücke im Präventionssystem

Der Präsident des Zentralverbandes der Geflügelwirtschaft (ZDG) und der NGW Friedich-Otto Ripke forderte: „Neben den betroffenen Tierhaltern müssen deshalb auch beide Landesregierungen ihrer hohen Verantwortung für den Schutz von Höfen und Tierbeständen vor tödlicher Infektion gerecht werden!“

Es bleibe nun mal eine zu große Lücke im Präventionssystem, wenn argumentiert werde, in Niedersachsen gelte die auf Kreisebene angeordnete Stallpflicht bereits für 97 % der Geflügelbestände. Die restlichen 3 % sind real rund 3 Millionen Tiere, die im Freiland direkt infiziert und zur weiteren Ausbreitung des Virus beitragen können.

Mit Material von dpa, Pressemitteilung Niedersächsische Geflügelwirtschaft
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