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Wesermarsch

Weidehaltung: Jeder Zentimeter Gras zählt

Wenn die Kühe ins kurze junge Gras sollen, ist damit eine sehr intensive Weideführung verbunden.
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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
25.08.2017

Seit einem längeren Aufenthalt auf einem irischen 90-Kuh-Betrieb setzt Milchviehhalter Theis Jansen aus Schwei (Wesermarsch) auf ein besonderes Weidemanagement.

Vier Monate Aufenthalt auf einem 90-Kuh-Betrieb in Irland haben Theis Jansen aus Schwei inspiriert. Zuhause auf dem elterlichen Betrieb von Insa und Arnold Jansen nutzt er die Weide seitdem noch intensiver.

„In Irland ist alles auf ein reines Weidesystem abgestimmt“, erzählt er. Es regnete dort, wo Jansen gewesen ist, gut 1.100 mm im Jahr. „Der Regen ist übers Jahr gleichmäßig verteilt, die Temperaturen liegen im Winter kaum unter Null und ansonsten kaum über 20° C“, so Jansen. Gute Voraussetzungen für einen frühen, gleichmäßigen Grasaufwuchs und einen frühen Weideaustrieb der Kühe. Die irischen Milchfarmer streben an, die Grundlage Gras so kostengünstig wie möglich in Milch umzusetzen. Denn Mais gibt es dort kaum.

In der Wesermarsch ist der Grünlandaufwuchs ungleichmäßiger

Auch in Schwei sind die Bedingungen gut: Dieses Jahr wachsen auf den Marsch- und Moorflächen von Jansen wieder vier Schnitte und mehr heran. Jede Fläche wird möglichst einmal im Jahr beweidet, mit Jungvieh und trockenstehenden Kühen. „Der Grünlandaufwuchs ist bei uns ungleichmäßiger als in Irland“, vergleicht Jansen. Das liegt an der anderen Niederschlagsverteilung und den stärkeren Temperaturschwankungen.

Weidehaltungssystem an Standortverhältnisse angepasst

Trotzdem passt Jansen seit zwei Jahren das irische Weidesystem auf seine Standortverhältnisse an. Warum? Er ist davon überzeugt, dass sich die Kühe das Gras selber holen sollen und dass sie bei entsprechend energiereichem Grasaufwuchs die Weide in mehr Milch umsetzen und damit Kosten für Kraftfutter, Silagebereitung, -lagerung sowie Fütterung, Gülleausbringung, Einstreu, Strom und Wasser sparen können.

Bei 9.000 l abgelieferter Milch mit 4,00 % Fett und 3,48 % Eiweiß erreicht Jansen hohe Leistungen je Kuh. Darauf will er nicht verzichten.

Vorausplanen für eine erfolgreiche Weidehaltung

Für ein erfolgreiches Weidemanagement ist das Vorausplanen der wichtigste Baustein. Folgende Punkte bezieht Jansen mit ein:

  • Um den Kühen täglich schmackhaftes Gras mit 15 bis 20 cm Wuchshöhe anzubieten, plant Jansen ein bis zwei Wochen im Voraus, wo die Kühe weiden sollen.
  • Weil die Höhe des täglichen Zuwachses stark wetterabhängig ist, gelingt das nicht immer perfekt. Zwischenzeitlich müssen auch Flächen mit  höherem bzw. kürzerem Gras beweidet werden.
  • Bei guten Bedingungen und  schmackhaftem Gras sind die Weideparzellen bis zu 3 ha groß.
  • Die Kühe kommen zwei, maximal drei Tage auf dieselbe Fläche.
  • Ist das Gras durch schlechtes Wetter für die Kühe weniger attraktiv oder werden die Weidereste zu groß, bekommen die Kühe täglich 1 bis 1,5 ha Gras dazu. Das sichert eine gute Futteraufnahme und reduziert Weidereste.
  • Bei Dauerregen bleiben die Kühe zur Not im Stall.
  • Zum Ende der Weidesaison ist jede Fläche fünf-/sechsmal beweidet worden. Dann wird ausgemäht und Lücken werden im Spätsommer mit einer Nachsaatmischung geschlossen.
  • Weideparzellen, wo das Gras der Weidereife entwachsen ist, werden möglichst bald gemäht, damit  sie schnell wieder zur Beweidung  zur  Verfügung stehen.
  • Bei kleineren Futtermengen werden Siloballen gemacht.

Im Mai und Juni wächst viel schmackhaftes Gras auf und die Kühe liefern viel Milch aus der Weide. In diesen Monaten füttert Jansen immer am wenigsten Kraftfutter, etwa 6 kg/Kuh/Tag. Ab August nimmt die Weideleistung ab. Es wird dann zugefüttert, um die Milchleistung zu halten.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 34/17 ab Seite 18. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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