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Sonstiges

Das Weidemanagement optimieren

von , am
22.05.2013

Um das Wachstumspotenzial von Gehegewild auszuschöpfen, ist eine ausgeglichene Futterration erforderlich. Während der Weidesaison ist die Besatzdichte dem Aufwuchs ständig anzupassen.

Brennesselhorste werden von den Alttieren gerne angenommen, um ihre Damwildkälber dort abzulegen. © Wahl

Auf der Mitgliederversammlung der niedersächsischen Wildhalter berichtete Ionel Constantin von Haus Riswick über neue Versuchsergebnisse zur Fütterung von Gehegewild im Frühjahr und Sommer. Für die Jungtiere aus dem Vorjahr beginnt im Frühjahr die zweite Wachstumsperiode. Dies sowie die Steigerung der Bewegungsaktivität, der Haarwechsel und bei den männlichen Tieren die Geweih(neu)bildung haben eine Steigerung des Eiweißbedarfs um 30 bis 50 % und des Energiebedarfs von 40 bis 50 % gegenüber dem Winterwert zur Folge. Die Futterration im Frühjahr muss somit 20 bis 22 % Rohprotein und 10,5 bis 10,6 MJ umsetzbare Energie kg/TM aufweisen.

Auf Haus Riswick wurden Versuche mit der Winterbeweidung von Grünlandflächen gemacht. Dies Flächen kommen durch den ständigen Verbiss im Frühjahr nur verzögert in Gang. Daher sollten die Weiden, die den Tieren im Frühjahr den ersten Aufwuchs bieten sollen, ab Mitte November des Vorjahres nicht mehr beweidet werden. Der junge Weideaufwuchs weist zwar einen hohen Energie- und Proteingehalt auf, der aber in einem ungünstigen Verhältnis vorliegt. Der Proteinüberschuss muss über die Leber energieintensiv entgiftet werden. Der noch dazu vorhandene geringe Rohfasergehalt muss durch die Zufütterung von Heu oder Stroh ausgeglichen werden, um den Pansenstoffwechsel zu stabilisieren.

Die hohen Kaliumgehalte im jungen Weidegras verhindern die Aufnahme anderer wichtiger Mineralstoffe wie Magnesium, was z.B. das Auftreten von Weidetetanie begünstigt. Die angebotenen Mineralstoffleckmassen sollten daher Magnesium enthalten. Damit die Weiden im Frühjahr zügig in Gang kommen, wird eine Gabe von 50 kg Kalkammonsalpeter/ha empfohlen, was 12 kg Rein-N entspricht.

Der Grünlandfutterbedarf je Produktionseinheit Damwild (PED) beträgt 2,75 kg TM/Tag inkl. Weiderest. Daraus ergibt sich die Anpassung der Besatzdichte im Jahresverlauf. Unter den Weidenutzungssystemen hat die Standweide zwar arbeitswirtschaftliche Vorteile, durch die einfachere Anpassungsmöglichkeit des Futterangebots an den Bedarf wird die Koppelnutzung aber stark favorisiert. Sie bietet darüber hinaus die Möglichkeit zur Weidepflege nach jeder Beweidung und wirkt sich positiv hinsichtlich der Unterbrechung von Parasitenzyklen aus. Zudem ist die Schnittnutzung des Futterüberschusses im Frühjahr nur mit der Koppelnutzung vernünftig machbar.

Bei der Schnittnutzung ist darauf zu achten, dass die Setzkoppeln nur teilweise gemäht werden, damit für die Kälber ein Sichtschutz stehen bleibt. Der gemähte Teil der Setzkoppel kommt dem Bedarf der säugenden Alttiere nach energie- und proteinreichem Futter entgegen. Als Sichtschutz werden auch Brennesselhorste sehr gut angenommen, die allerdings an ihren Rändern mit Wuchstoffmitteln eingegrenzt werden sollten.

Der optimale Grünlandbestand besteht zu 60 bis 80 % aus Gräsern, 10 bis 15 % aus Kräutern sowie zu 10 bis 25 % aus Klee. Der Klee hat allerdings auf den Standweiden mit dem ständigen Verbiss kaum Überlebenschancen. Eine Neuansaat bzw. Nachsaat sollte nur mit geprüften Qualitätsmischungen erfolgen, und zwar für die Neuansaat mit G II und für die Nachsaat mit G V.

Eine Neuansaat sollte aufgrund der hohen Kosten nur auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben, wenn schwer bekämpfbare Unkräuter überhand nehmen oder sich überwiegend minderwertige Gräser ausgebreitet haben. Zur Bestandsverjüngung wird eine jährliche Übersaat mit 5 kg/ha G V während der Vegetationszeit empfohlen. Die Übersaat sollte nur in kurze Bestände bei ausreichender Bodenfeuchte erfolgen. Anschließend sollte die Fläche durch Beweidung kurz gehalten werden, um die Bestockung der Nachsaat anzuregen.
Damwildweiden haben das "Problem", dass aufgrund des geringen Entzugs über das Fleisch die Böden recht gut mit Stickstoff versorgt sind und dadurch viel Bodenleben aufweisen. Das Abschleppen der Flächen mit der Reifenschleppe oder der Zinkenegge sollte daher zum Standartprogramm der Weidepflege gehören. Ein Walzen ist nur dann angezeigt, wenn die Grasnarbe beim darüber Laufen spürbar nachgibt. Die Nachmahd sollte nach jeder Beweidung erfolgen.  
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