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Agrarpolitik

Tierwohl: Rolle rückwärts vom Ringelschwanz

von , am
10.06.2015

Ab 2016 sollte vollständig auf das Kupieren der Schweineschwänze verzichtet werden. Am Montag wich Landwirtschaftsminister Christian Meyer jedoch von seiner harten Linie ab.

Medienrummel bei der Unterzeichung der Eckpunkte im Ministerium. Foto: Hildebrandt © Hildebrandt
Eine neue Eckpunkteregelung zur Tierwohlförderung soll es mit Forschung, Prüfung, Beratung und Vernetzung richten. Die Eckepunkteregelung wurde gemeinsam mit  der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) sowie vom Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF) unterzeichnet. Das ist umso erstaunlicher, da sich ISN und Ministerium in der Frage "Schwänze kupieren und Ringelschwanzprämie" zwei Jahre heftig gestritten haben.
 
Im März beurteilte die ISN die Linie des Landes noch als "Unfug" und die Prämie als "Spiel mit dem Feuer". ISN-Vorsitzender Heinrich Dierkes wies auf die hohe Bereitschaft der Landwirte hin, sich zu engagieren. Dennoch sei es nicht möglich, den Schalter einfach umzulegen, um etwas per Ordnungsrecht zu erzwingen: "Es bestand die Angst, dass wir von den Forderungen überrollt werden. Trotz vieler Bemühungen, auf das Schwänzekupieren bei Schweinen zu verzichten, gibt es hierfür noch keine Patentlösung." Uwe Bartels wies als Vorsitzender der AEF auf die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Schweinehaltung hin. "Es ist eine Überlebensfrage für die Agrar- und Ernährungswirtschaft. Deshalb wollen wir Teil der Lösung sein", so Bartels.

Es geht um mehr Tierschutz im Stall

Der grüne Minister zeigte sich vor der Presse einsichtig: "Wir können kein Ordnungsrecht verhängen, wenn es wirtschaftlich und tierschutzrechtlich nicht zu vertreten ist." Er möchte deshalb auch seine Rolle rückwärts vom Ringelschwanz-Diktat nicht so interpretiert wissen. Vielmehr gehe es ihm insgesamt um mehr Tierschutz im Stall und  nicht alleine um die Förderung des Ringelschwanzes. Dierkes sprach gar von "ganzheitlicher Tierwohlförderung", warnte aber vor falschen Erwartungen der Verbraucher. "Wir machen hier keine Heile-Welt-Show sondern probieren etwas und transportieren es in die Öffentlichkeit.

Was sieht die neue Eckpunkteregelung vor?

Bis 2020 sollen rund 28 Mio. Euro EU-Mittel für mehr Tierschutz im Stall zur Verfügung stehen, ein geringer Teil davon wird auch auf Legehennen-Programme entfallen. Landwirte können an dem Förderprogramm teilnehmen und werden nach einem Punktesystem (wie bei AFP) bewertet. Positiv wirken sich zum Beispiel Faktoren wie Stallklima, geschlossenes System oder die Qualifikation als Bioland oder Naturland-Betrieb aus. Die Teilnehmer müssen sich durch eine Fortbildung (bei der LWK oder der Landberatung) qualifizieren. Außerdem verpflichten sie sich zu einer umfangreichen Dokumentation ihrer Daten. Details gibt das Ministerium erst in zwei Wochen bekannt.
 
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