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Agrarpolitik

Verzicht auf Agrarspekulationen

von , am
29.05.2013

Die genossenschaftliche DZ Bank und ihre Tochter, die Fondsgesellschaft Union Investment, ziehen sich aus Spekulationsgeschäften mit Agrarrohstoffen zurück. Was Sie dazu wissen sollten, lesen Sie hier.

Noch blüht der Raps, der Preis der zukünftigen Ernte aber weckt schon jetzt großes Interesse. © landpixel
Wie die DZ Bank als Zentralinstitut von mehr als 900 Volks- und Raiffeisenbanken jetzt in einem Schreiben an die Verbraucherorganisation Foodwatch mitteilte, werden entsprechende Produkte mit Agrarrohstoffen von ihr nicht mehr angeboten und auch nicht mehr neu aufgelegt. Nach solchen Produkten werde derzeit keine Nachfrage verzeichnet, heißt es in dem Brief von Lars Hille aus dem Vorstand der DZ-Bank. Diese Tatsache sei in die Entscheidung eingeflossen. Alle Produkte mit Agrarrohstoffen aus dem Wertpapierangebot für Privatkunden, die über ein festes Laufzeitende verfügen, laufen 2013 aus.
 
Nachfolgeprodukte würden nicht emittiert. Die Union Investment arbeitet im Rahmen einer Kooperation mit dem Entwicklungsforscher Prof. Joachim  von Braun an der weiteren Erforschung der Auswirkungen von Agrarrohstoffinvestitionen. Befürwortet werden von der DZ Bank alle Anstrengungen, Derivate - wie zum Beispiel auch Futures auf Agrarrohstoffe - grundsätzlich über zentrale Clearing-Plattformen abzuwickeln, um so für mehr Transparenz zu sorgen. Als positiv wertet sie die Absicht von EU-Kommission, Rat und Parlament, den Erwerb von Warenderivaten ohne Absicherungszweck einer Positionslimitierung zu unterstellen.

Nach Berechnungen der Verbraucherorganisation Oxfam betrug der Gewinn aus der Verwaltung der Agrarfonds bei der Union Investment im vergangenen Jahr 50.000 Euro. Die FAZ berichtet dazu, die DZ Bank habe bei einer Bilanzsumme von 407 Mrd. Euro lediglich 6,82 Mio. Euro in das Geschäft mit Agrarrohstoffen investiert. Allianz-Versicherung und Deutsche Bank als größte Anbieter von Agrarrohstofffonds in Deutschland sollen elf Mrd. Euro in Agrarmärkten investiert haben, weltweit gehen Schätzungen von 54 Mrd. Euro aus. Kritiker sehen die Finanzprodukte zur künftigen Preisentwicklung der Rohstoffe, der Futures, als einen Auslöser für spekulative Preisspitzen bei Lebensmitteln. Befürworter dagegen betonen die Funktion der Papiere zur Preissicherung.

Der Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums begrüßte die Entscheidung der DZ Bank als "klares Signal". Es sei wichtig, dass ein klarer Trennstrich gezogen werde zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich seien im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen verstärken könnten. Solche Transaktionen hätten auf den Agrarrohstoffmärkten nichts zu suchen, hieß es aus dem Ministerium. Die Deutsche Bank dagegen lehnt es bislang ab, auf die umstrittenen Agrar-Geschäfte zu verzichten. Es gebe kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung, dass die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten für Preissteigerungen oder erhöhte Preisschwankungen verantwortlich sei. Sie seien im Gegenteil nützlich, erklärte Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen im Januar. Der Hunger könne nur abgestellt werden, wenn es gelinge, Kapital auf intelligente Weise in diese Bereiche zu lenken
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