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Wirtschaft & Unternehmen

Agrar-Markt Deppe und Zuidberg: Der große Grüne mit Raupenketten

von , am
03.06.2014

Was passiert, wenn sich ein John Deere-Landmaschinenhändler und ein Hersteller von Raupenlaufwerken zusammensetzen? Dann entsteht daraus ein "grüner Quadtrac" - auch wenn Sven Deppe, Geschäftsführender Gesellschafter der Agrar-Markt Deppe GmbH in Barbis (Bad Lauterberg am Harz) und Jeroen Overvelde, Vertriebsingenieur bei der niederländischen Firma Zuidberg Tracks, ihren gemeinsam auf Raupen gestellten Knicklenker John Deere 9560 R niemals so nennen würden.

Sven Deppe, dessen Unternehmen neben Südniedersachsen, Nordthüringen und im südliches Sachsen-Anhalt tätig ist, sagt: "Der Bedarf an solch einer Maschine mit der Anforderung "500 PS und unter drei Meter Außenbreite" kam aus den Reihen unserer Kunden." Dort in der Region sind nicht nur die Betriebe, sondern auch die Flächen groß und verlangen nach einer gewissen Zugleistung. Doch sowohl die John Deere Raupe 8 RT und 9RT als auch der Knicklenker kommen mit Außenmaßen von 3,80 Meter deutlich über die auf den meisten deutschen Straßen maximal möglichen drei Meter bei Schleppern. „Das ist in den meisten Regionen in Deutschland ein Problem und funktioniert außerhalb arrondierter Gutsbetriebe meist nur mehr schlecht als recht über Ausnahmegenehmigungen“, erläutert Deppe. Ein Schlepper mit hoher PS-Zahl und gleichzeitig einer Außenbreite von weniger als drei Metern wäre die Lösung.
 
Mit der niederländischen Firma Zuidberg, die Deppe bereits mit Fronthubsystemen und Frontzapfwellen beliefert, war er schon länger im Gespräch. Parallel dazu hatte Zuidberg in Großbritannien mehrere 7280 R-Schlepper auf Raupe umgebaut. Auf der Agritechnica 2013 wurden die Gespräche intensiviert und die Zusammenarbeit beschlossen. "Zuidberg hatte eine bereits lange Erfahrung mit Raupenlaufwerken, sonst wären wir diese Zusammenarbeit nicht eingegangen", so Deppe. Im Februar kamen Zuidberg-Mitarbeiter in den Harz, um den umzurüstenden 9560 R in 3-D-Technik zu vermessen. Anschließend wurde entwickelt und gearbeitet, im Mai schließlich die Laufwerke fertig am Schlepper in Barbis montiert und erste Testfahrten absolviert.
 
Neben dem großen Antriebsrad, in dessen Aussparungen die Zähne des Raupenbandes greifen und dadurch angetrieben werden, verfügt jedes Laufwerk über vier Umlenkrollen sowie sechs Stützrollen, die in sich neigen können und dadurch sowohl Kurvenfahrten unterstützen und einen höheren Fahrtkomfort bedeuten als auch Gegenstände wie etwa Steinen begrenzt ausweichen können. Ein Neigungsbegrenzer auf der Innenseite der Nabe beschränkt den Neigungswinkel nach links und rechts auf etwa zehn Grad. Bei einer Raupenbreite von je 76 Zentimetern und einer aufliegenden Länge von 1,60 Metern kommt jedes Laufwerk auf eine Bodenaufstandsfläche von 1,216 Quadratmetern, etwa drei Mal so viel wie ein gleich breiter Reifen. 
 
"Wir haben Erfahrung mit dem Bau von Raupenlaufwerken und bieten diese auch für andere Hersteller und sowohl für Traktoren als auch Feldhäcksler, Kartoffelroder, Rübenroder und Mähdrescher an. Dennoch konnten wir nicht einfach in die Schublade greifen und ein Produkt herausnehmen, sondern mussten das Laufwerk genau an den Schlepper anpassen. Zum einen wegen der gewünschten maximalen Außenbreite. Zum anderen, weil die Laufwerke länger sind als ein Reifen und bei einem Knicklenker auch bei maximalen Lenkbewegungen nirgendwo am Schlepper anstoßen dürfen", beschreibt Overvelde die besonderen Herausforderungen. Weil die Laufwerke über Steckachsen aufgesteckt werden, sind diese auch flexibel einsetzbar. So ist es zum Beispiel denkbar, dass die Laufwerke auf einem Schlepper montiert sind, in der Ernte auf einen Mähdrescher umgesteckt werden und nach der Ernte zur Stoppelbearbeitung wieder auf den Schlepper kommen. John Deere selber bietet einen Teil seiner Mähdrescher mit Raupenlaufwerk an, diese sind fest und dauerhaft montiert.
 
Nachdem am vergangenen Wochenende beim 20. Südharzer Bauernmarkt beim Agrar-Markt Deppe in Barbis mehrere Tausend Besucher den umgerüsteten Schlepper bestaunt haben, soll dieser nach der Ernte zu Demonstrationszwecken auf mehreren Betrieben zur Stoppelbearbeitung eingesetzt werden . Im Auge hat Deppe besonders die Betriebe, die derzeit mit 300 bis 400 PS ihre Bodenbearbeitungsgeräte von sechs Metern ziehen und für die Umstellung auf acht Meter breite Technik straßenverkehrstaugliche Zugmaschinen bis 500 PS benötigen.
 
Wird der 9560 R, der mit 25 km/h eingetragen wird, mit Raupenlaufwerken statt mit Rädern bestellt, liegt der Mehrpreis bei 75.000 Euro. Der Markt in seinem Geschäftsgebiet für 500 PS Schlepper - egal ob Raupe oder Rad - liege pro Jahr bei fünf bis zehn Einheiten, so Deppe.
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