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Wirtschaft & Unternehmen

Aufs Greening optimierte Fruchtfolgen

von , am
10.03.2015

Der Agrarantrag 2015 steht vor der Tür und damit auch die spannende Frage: Wie erfülle ich mein Greening? Das Thema stand bei der KWS anlässlich ihrer traditionellen Winteragrarforen, die an 27 Standorten in Deutschland stattfanden, recht häufig auf der Tagesordnung.

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So auch in Einbeck, wo Berater und Landwirt Cort Brinkmann vom LBB über das Thema berichtete. Sein Tipp für die Ermittlung der betriebsindividuellen, aufs Greening optimierte Fruchtfolge ist folgende Checkliste:
 
1. Alle antragsfähigen Landschaftselemente ermitteln, die an Ackerland angrenzen und über die der Landwirt die Verfügungsgewalt besitzt (ÖVF-Faktor 1,0 – 2,0).
 
2. Die individuellen Deckungsbeiträge der angebauten Kulturen berechnen.
 
3. Auf den schlechtesten Standorten (Splitterflächen, Nordhänge, Waldschatten, schwache Standorte) eine freiwillige Teilnahme an Agrarumweltprogrammen prüfen – entweder bei gleichzeitiger Anerkennung als Ökologische Vorrangfläche (ÖVF, dann nur anteilig AUM-Prämie) oder dort die volle AUM-Prämie beantragen und dafür andere schlechte Flächen einfach brach legen (ÖVF-Faktor: 1,0).
 
4. Die restliche ÖVF über Zwischenfrüchte (ÖVF-Faktor 0,3) erfüllen. "Wenn Sie bisher keine Sommerungen im Anbau haben, sollten Sie die Vermarktung von Silo- oder Körnermais prüfen, um Zwischenfrüchte anzubauen, alternativ auch den Anbau von Zuckerrüben, etwa für eine Biogasanlage", so Brinkmann. Und falls weder Mais noch Zuckerrüben infrage kommen, sollten Landwirte.
 
5. Den Direktverkauf von Leguminosen (ÖVF-Faktor 0,7) prüfen, denn deren Futterwert beim Veredelungsbetrieb sei in der Regel deutlich höher als der Marktpreis beim Handel. Brinkmann abschließend: "Überprüfen Sie diese Checkliste jedes Jahr aufs Neue."
  
 
Welternährung
 
Einen spannenden Einblick in die Situation der Welternährung gab Prof. Dr. Matin Qaim von der Uni Göttingen. Sein Fazit: Die Ernährung von zehn Milliarden Menschen sei möglich, auch ohne die Ressourcen zu überstrapazieren. Die dafür notwendige Produktionssteigerung bis 2050 stelle aber eine große Aufgabe dar. Zu den technologischen Herausforderungen – etwa die nachhaltige Steigerung der Produktivität auch in Europa sowie mehr Forschung und Innovation inklusiver neuer Technologien – kämen die gesellschaftlichen Herausforderungen: zum einen die Sensibilisierung für globale Zusammenhänge sowie das Überwinden von falschen romantischen Vorstellungen.
 
Dirk Gerstenkorn von der KWS Mais GmbH mahnte in seinem Vortrag, sich beim Saatgutkauf nicht von der Optik einer Tüte täuschen zu lassen. Es seien Fälle bekannt, bei denen Saatgut eine ähnliche Aufmachung wie ein KWS-Saatgutsack hätte, jedoch wiederverpackte und nachbehandelte Ware enthielten, die nicht den KWS-Qualitätsstandards genügten. Zugleich rechnete er an einem Beispiel vor, wie das Sparen am Saatgut in die Sackgasse führe, da das Ertragspotenzial des Standortes nicht ausgeschöpft werde: "Unter Umständen ist das Saatgut schwacher Sorten geschenkt noch zu teuer", so Gerstenkorn.
 
Derzeit gebe es 712 verschiedene Maissorten im deutschen Markt, unter den Top 20 sei die KWS mit sieben Sorten dabei, die zusammen etwa 20 Prozent des Marktes ausmachen. Schließlich kündigte Gerstenkorn an, dass das für den Mais bereits etablierte Beratungsinstrument "Cultivent" (Internetseiten, Broschüren, Apps, Spezialberatung zu ausgewählten Themen) sich etabliert habe und künftig auch für Zuckerrübe und Getreide eingesetzt werden solle.
 
ISOBUS Lösungen
 
Den langen Weg zu einer herstellerübergreifenden ISOBUS-Systemlösung zeichnete Carsten Hühne von Kveneland, zugleich Projektleiter der AEF (Agricultural Industries Electronics Foundation), nach. Die mangelnde Kompatibilität von Anbaugeräten und Terminals habe nicht selten zum Verdruss von Landwirten geführt. ISOBUS, 2001 und 2003 zur Agritechnica eingeführt, sei die Lösung, damit die Systeme einfach, sicher und herstellerübergreifend miteinander sprechen – bis zu 30 Terminals und 120 Geräte seien so möglich. Heute sitzen 170 Firmen weltweit am Tisch von AEF und verbessern und erweitern permanent die Anwendungspalette, die Effekte seien bei Düngung und Pflanzenschutz groß – und bei der Aussaat durch die vermiedene Überlappung auch besonders gut sichtbar. "Die Technik kann eine qualitativ hochwertigere Leistung erbringen als es der Mensch kann", so Hühne. Und die Entwicklung gehe weiter: "Derzeit bestimmt der Mensch, wie schnell ein Traktor auf dem Acker fährt." Ein Zukunftsszenario sei, dass das Gerät und die dort ermittelte Arbeitsqualität die Arbeitsgeschwindigkeit bestimme. Auch das Thema "High Voltage", also die Elektrifizierung von Anbaugeräten statt Antrieb über Wellen, stehe ganz oben auf der Agenda.
 
Coach und Trainer Gerhardt Schmidt ermutigte zum Abschluss in seinem launigen Vortrag die Landwirte zu einem offenen Umgang mit der Gesellschaft und ermahnte sie, sich angesichts der immer wieder aufkommenden Kritik, nicht abzuschotten: "Solange Sie Vorschriften und Gesetze beachten und eine gute Arbeit leisten, müssen Sie sich für nichts entschuldigen." Aber um sich offensiver und erfolgreicher zur Wehr zu setzen, brauche es zwei wichtige Eigenschaften: Positives Selbstbewusstsein und Mut.
 
Alle Vorträge können unter www.cultivent.de/agrarforen nachgelesen werden.
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