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Wirtschaft & Unternehmen

BASF: Auf der Suche nach neuen Wirkstoffen

von , am
02.10.2014

Geht dem landwirtschaftlichen Pflanzenschutz die Wirkstoffvielfalt verloren? Angesichts der immer komplexer werdenden Zulassungsverfahren auf EU-Ebene und zudem Entscheidungen, die nicht nur fachlich sondern auch politisch beeinflusst werden, sorgt sich nicht nur die Pflanzenschutzindustrie, sondern auch die Landwirtschaft um ihre Wirkstoffe.

 
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">Auf der Pressekonferenz der BASF kürzlich auf Burg Warberg machte Pflanzenschutz-Geschäftsleiter Michael Hess deutlich, wie fatal die Auswirkungen des Verzichts auf Pflanzenschutzmittel wären: So würden ohne diese mit etwa zwölf Millionen Tonnen weniger als bisher nur rund 46 Prozent des Weizens in Deutschland geerntet werden, ohne Fungizideinsatz müsse man zudem auf zwei Millionen Tonnen deutscher Kartoffeln verzichten.
 
Jährlich investiere die BASF 26 % ihres gesamten Forschungsetats oder 469 Mio. Euro in die Pflanzenschutzforschung; jährlich werden 100.000 Moleküle auf Wirkungssicherheit, Verträglichkeit für Kulturpflanzen und Nützlinge, Umweltpofil, Wirtschaftlichkeit, Anwenderfreundlichkeit und Wirkungsdauer getestet. "Bis ein marktfähiges Produkt entsteht, vergehen acht bis zehn Jahre Entwicklungszeit, werden 200 Mio. Euro Kosten verursacht und durchschnittlich 140.000 Substanzen getestet", so Hess.
 
Die Einführung einer neuen Regulierungsvorschrift im Juni 2011 brachte einen Paradigmenwechsle bei der Bewertung mit sich: weg vom risiko-, hin zum gefahrenbasierten Ansatz. Im Umkehrschluss werde man zahlreiche Wirkstoffe verlieren und dadurch eine deutliche Einschränkung bei Pflanzenschutzmitteln haben. Eine große Wirkstoffvielfalt sei aber unabdingbar – auch für effektives Resistenzmanagement und den Gewässerschutz. "Der Landwirt braucht innovative und bewährte Pflanzenschutzlösungen – und um diese bereitstellen zu können, benötigen wir Planbarkeit und Zuverlässigkeit im Zulassungsprozess", sagte Hess. Durch immer neue, hochkomplexe Anforderungen werde diese Planbarkeit in der EU fast unmöglich gemacht. Die Risiko-Nutzen-Betrachtung müsse daher Grundvoraussetzung bei jeder Zulassungsentscheidung sein, so Hess.
 
Auf den Wirkstoff Pendimethalin ging Dr. Alfons Schönhammer, Herbizid-Entwickler bei der BASF, ein. Als heute einer der wichtigsten Herbizidwirkstoffen wurde Pendimethalin bereits 1971 entdeckt und kam 1976 als Stomp zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz, Windhalm und Unkräutern in der Wintergerste im Vorauflauf zum Einsatz. Heute umfasst die Zulassung über 70 Kulturen. Neben Stomp wird der Wirkstoff auch in Malibu und Picona eingesetzt; zudem warten die Mittel Corello und Spectrum Plus schon seit längerem auf ihre Zulassung – ein Musterbeispiel für die heutige Komplexität und Dauer des Zulassungsprozesses.

Großer Vorteil von Pendimethalin sei die sehr geringe Mobilität im Boden und Pflanzen: "Pendimethalin haftet so stark an Bodenpartikeln und organischer Masse, dass eine Verlagerung vom Anwendungsort weg auch bei sehr hohen Niederschlagsmengen auszuschließen ist – es sei denn, der Boden oder organische Masse wird abgeschwemmt", so Dr. Schönhammer. Deshalb finde man es praktisch nie im Grundwasser.
 
Auch wegen des breiten Kultur- und Unkrautspektrums sei Pendimethalin einzigartig. Mit Stomp Aqua brachte BASF 2007 eine verbesserte Rezeptur auf dem Markt, bei dem der Wirkstoff in mikroskopisch kleinen Kapseln untergebracht ist; das macht es lagerstabiler und die Handhabung einfacher. Erst in Verdünnung mit Wasser platzen die kleinen Kapseln durch den osmotischen Effekt auf.
 
Eine besondere Bedeutung im Rahmen der Umsetzung des Greenings könnte dem Wirkstoff Bentazon zukommen. Experten rechnen mit einem deutlichen Anstieg der derzeit 93.000 Hektar Körnerleguminosen in Deutschland, da Pflanzenschutz in diesen greeningfähigen Kulturen entgegen erster Befürchtungen nun doch möglich sein wird. Mit Basagran hat BASF ein Produkt mit Blattwirkung im Portfolio, das im Nachauflauf in Körnerleguminosen wie Erbse, Ackerbohne und Sojabohne bis 5 cm Wuchshöhe der Kultur eingesetzt wird und gegen Samenunkräuter sowie Erdmantelgras wirkt. Auch vor dem Hintergrund von reduzierter Bodenbearbeitung, Resistenzen, Trockenheit und integriertem Pflanzenschutz sei Basagran nach BASF-Angaben sehr gut aufgestellt, eine Kombination mit Stomp Aqua führe zur höchsten Sicherheit.
 
Dr. Schönhammer ging zudem auf Biathlon 4D ein, der BASF-Innovation bei den Getreideherbiziden, das eine verlässliche Wirkung gegen alle wichtigen Unkräuter bieten soll und in allen Getreidearten einsetzbar ist. Bereits ab Vegetationsbeginn im nächsten Frühjahr ist das Getreideherbizid in einem langen Anwendungsfenster von ES 13 bis 39 zugelassen; Biathlon 4D wirkt dabei weitestgehend temperaturunabhängig. Es wird schnell in die Pflanze aufgenommen und ist nach kurzer Zeit regenfest, der Nachbau aller Kulturen ist problemlos möglich.
 
Vor dem Hintergrund von Funden von Metazachlor im Oberflächen- und Grundwasser stellte Dr. Folkert Bauer von der BASF ein Gemeinschaftsprojekt mit der ADAMA (ehemals Feinchemie Schwebda) vor, das zum Ziel hat, Einträge in Gewässer zu vermeiden.
 
Erhältlich ist die Broschüre über die Internetseiten beider Unternehmen, z.B. www.agrar.basf.de/go/gewaesserschutz
Christian Mühlhausen
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