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Wirtschaft & Unternehmen

Claas: Eine Frage der Ähre

von , am
20.08.2013

Der technische Fortschritt in der Landwirtschaft war allein in den vergangenen 50 Jahren enorm: Deutlich wurde das beim Mähdruschwettbewerb "Drei gegen Einen", den Claas anlässlich seines 100. Firmenjubiläums kürzlich in Nörten-Hardenberg (bei Northeim) veranstaltete.

Wie bereits einige Tage zuvor in Würzburg traten drei Oldtimer der Marke Claas gegen einen nagelneuen Lexion an, diesmal ein 780 Terratrac, in Würzburg war es ein Lexion 760. Weil die für den Einsatz geplante neue Maschine des Lohnunternehmens Schmidt aus Erbsen (bei Göttingen) im Druscheinsatz war, wurde diese kurzfristig durch eine Vorführmaschine aus Harsewinkel ersetzt. Die spannende Frage lautete: Wer schafft mehr Fläche in einer Stunde?
 
Knapp 3000 Besucher verfolgten, wie zeitgleich die Oldtimer gegen den lindgrünen Lexion im reifen Weizen auf den Flächen der Betriebsgemeinschaft ADG Leinetal antraten. Bei den Oldies handelte es sich übrigens um einen SF-Drescher von 1963, einen Matador von 1965 und einen Dominator 100 von 1973.
 
Das Ergebnis überraschte nicht völlig: Der Lexion erntete in einer Stunde 4,62 Hektar und dabei 45,3 Tonnen Weizen – mit zugeschaltetem Strohhäcksler. Die älteren Mähdrescher kamen zusammen auf 3,88 Hektar Flächenleistung (SF: 0,86 ha, Matador 1,13 ha, Dominator 1,89 ha) in Schwadablage sowie 38 Tonnen. Die Oldtimer hatten dabei zusammen jedoch nur 10,10 Meter Schnittbreite, der Lexion zwölf Meter. 800 Hektar Druschfläche sind nach Angaben des Kommentators Karlheinz Köller (Uni Hohenheim) mindestens nötig, damit solch ein Drescher (Preis: eine halbe Million Euro) wirtschaftlich arbeiten kann.
 
Bei nicht ganz idealen Erntebedingungen in Würzburg – kurz vor Beginn hatte ein Regenschauer den Weizen kräftig angefeuchtet - zeigte der Lexion, was in seinem neun Meter breiten Schneidwerk und in seinem fast 500 PS Dieselmotor stecken. Obwohl er kurz vor Ende der Stunde einen Boxenstopp einlegen musste, erntete er in dieser Zeit 3,6 Hektar – auch mit zerhäckselter und ausgeworfener Spreu. Die drei älteren Mähdrescher kamen zusammen auf 3,3 Hektar Flächenleistung in Schwadablage.
 
Den Beifall und die Sympathie der Landwirte, die trotz eigener Erntearbeit auf den Höfen zu den Schauen der Agrarmaschinen gekommen waren, erhielten jedoch gleichwohl die Fahrer und Besitzer der alten Mähdrescher. "In ihrer Zeit galten die Maschinen als das Nonplusultra in der Landtechnik", erläuterte Köller. Gegenüber den Standmähdreschern auf den Höfen sei das von August Claas 1953 entwickelte mobile Mähdreschen in einem Arbeitsgang auf dem Feld eine kleine Revolution in der Landwirtschaft gewesen.
 
Der erste selbstfahrende Mähdrescher-Typ Europas der Claas SF (mit eigenem Motor und Getriebe) nahm als älteste Maschine an dem Wettbewerb teil. Sein Besitzer Hauke Nahnsen aus dem nordfriesischen Niebüll hatte die silberne Claas-Maschine mit 2,6 Meter-Schneidwerk und 60 PS Motor vor einigen Jahren in Süddeutschland gekauft.
 
Der zweite Oldie-Wettbewerber war ein Matador Gigant (drei Meter Schneidwerk und 87 PS) aus den 1960er Jahren und sein Besitzer, der Lohnunternehmer Franz Meis aus dem münsterländischen Borken. Noch in jeder Erntesaison mäht Meis mit seinem alten Schätzchen "ein bisschen zum Spaß Weizen, Triticale oder Roggen".
 
Der jüngste Oldtimer-Mähdrescher, ein Dominator 100 von 1973, gehört Gotthard Kloker aus Emeringen am Fuß der schwäbischen Alb in Baden Württemberg. Der Dominator (übrigens der meistverkaufte Mähdrescher Europas), besaß immerhin schon ein Schneidwerk von 4,50 Meter Breite und hatte einen 170 PS Dieselmotor unter seiner hellgrünen Haube.
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