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Wirtschaft & Unternehmen

KWS gewährt Einblick in die Züchtungsarbeit

von , am
24.08.2015

Wohl bei kaum einer anderen Kultur ist der Zuchtfortschritt in den vergangenen Jahrzehnten so enorm gewesen wie bei der Zuckerrübe.

Allein seit Anfang der 1980er Jahre hat sich die Produktivität je Einheit Zuckerrübensaatgut von 4,5 t Zucker (BZE) je Einheit auf 12,3 t knapp verdreifacht, so Dr. Alexander Coenen, Regionenleiter Deutschland/Österreich bei der KWS. Oder anders gesagt: rund 200 kg Zucker pro Einheit mehr. Und die Entwicklung geht weiter: 20 t Zucker pro Hektar, so lautet das ambitionierte Ziel der KWS, sollen bis 2020 pro ha durchschnittlich geerntet werden. In Deutschland, so belegen es aktuelle Zahlen des Instituts für Zuckerrübenforschung, wurden in den vergangenen Jahren ein züchterischer Fortschritt von 1,6 bis 2,8 % erreicht, je nach Ausstattung der Sorte mit Toleranz- und Resistenzeigenschaften.
 
Doch wie ist solch ein Zuchtfortschritt möglich, während bei anderen wichtigen Kulturen wie etwa Weizen die Entwicklung eher schleppend läuft? Antworten darauf versprach der Infotag "Schaufenster moderne Zuckerrübenzüchtung - unser Weg zu 2020", der kürzlich bei der KWS in Einbeck stattfand. Um es vorwegzunehmen: Nur mit einem bunten Strauß an Züchtungsmethoden, verbunden mit dem für die Forschung und Entwicklung notwendigen Kapitalrückfluss durch den Verkauf von hochwertigem Saatgut, sind diese Ertragsfortschritte zu erzielen.
 
Einen Einblick in die umfassende Züchtungsarbeit gaben Dr. Andreas Loock, Leiter der Zuckerrübenzüchtung sowie Mitarbeiterin Dr. Ann-Katrin Münnekhoff. Sie beschrieben anschaulich den langen Weg von der Gensequenz zur verkaufsfertigen Hochleistungssorte - und welche Schritte dafür notwendig sind. Zuvor stehen aber zunächst die zu definierenden Zuchtziele im Fokus - sowie die äußeren Einflüsse, die das Wachstum der Zuckerrübe beeinflussen. Denn Zuchtziele wie etwa hoher Zuckergehalt, Rübenertrag, Blattgesundheit und Nematodentoleranz stehen Einflüsse wie Hitze, Trockenheit und neuen Krankheiten gegenüber.
 
Da die Entwicklung einer Sorte rund zehn Jahre dauert und weit mehr als eine Million Euro kostet, müssen die Forscher bereits heute - einem Blick in die Glaskugel gleich - an den Sorten von 2024 arbeiten. Ein Beispiel: Während 2004 die nicht toleranten Zuckerrübensorten weltweit noch über die Hälfte des Bedarfs ausmachten, wird dieser Anteil bis 2020 auf unter zehn Prozent sinken - stattdessen werden die mehrfach toleranten Sorten rund 70 % des Marktes ausmachen.
 
Dabei kommt gleich eine ganze Reihe von Züchtungsverfahren zur Anwendung, wie die Teilnehmer auch auf der anschließenden Exkursion erfahren konnten. "Pflanzenzüchtung heißt Methodenvielfalt", machte Loock deutlich: Angefangen bei der klassischen Handkreuzung und Selektion über die Hybridzüchtung bis hin zu biotechnologischen Verfahren wie die Arbeit mit Zell- und Gewebekulturen, der DNA-Diagnostik und der Genomanalyse.
 
Eine besondere Bedeutung kommt dabei den so genannten molekularen Markern und genomischen Tools zu, die die Forscher bei ihrer Arbeit unterstützen und zu schnelleren Ergebnissen führen. Als Basismaterial dient den Züchtern unter anderem auch das genetische Potenzial von Wildrübenarten. Chefzüchter Loock stellte heraus, dass dies alles konventionelle Züchtungsverfahren seien, mit denen man viel erreichen könne und die nichts mit der Gentechnik zu tun hätten: "Exotische Arten enthalten viele interessante Eigenschaften zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit. Diese und die bessere Kenntnis der Ertragsphysiologie sind zukünftig essentiell für den wettbewerbsfähigen Zuckerrübenanbau in Deutschland."
 
Die KWS Saat SE mit Sitz in Einbeck ist einer der weltweit größten Saatgutunternehmen mit Schwerpunkt in den Kulturen Mais, Zuckerrüben, Getreide, Raps und Energiepflanzen und beschäftigt an 70 Standorten über 4800 Mitarbeiter, 1750 davon in Deutschland. Weltweit sind knapp 38 % aller Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung tätig. Der Umsatz des Unternehmens im Geschäftsjahr 2013/2014 lag bei 1,1 Mrd. Euro.
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