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Molkereibranche

Milchbauern von B.M.G.-Pleite kalt überrascht

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
15.03.2018

Erst wollte die Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft trotz Insolvenz weiter Milch abholen. Nun kommt es doch anders. In Niedersachsen trifft das 25 Betriebe.

Ab sofort holt die Berliner Milcheinfuhr-Gesellschaft mbH (B.M.G.) keine Milch mehr bei den Erzeugern ab. Das haben die Milchlieferanten am späten Dienstagabend erfahren, berichtet agrarheute.com.

Offenbar hat sich bei der Gesellschafterversammlung am Dienstag herausgestellt, dass die B.M.G. das operative Geschäft nicht länger aufrechterhalten kann. Die Banken sollen dem Unternehmen das Vertrauen entzogen haben.Ende vergangener Woche hieß es, das Milchgeld für Februar könne der Milchhändler noch auszahlen, wenn auch nicht den vereinbarten Preis.

In Niedersachsen 25 Betriebe betroffen

In Niedersachsen sind etwa 25 Betriebe, die bisher an die B.M.G. verkauften, von der Unternehmenspleite betroffen. „Unsere Milchviehbetriebe dürfen nicht unter dem Missmanagement einer Molkerei beziehungsweise der Geschäftsführung leiden“, forderte der CDU-Agrarsprecher im niedersächsischen Landtag, Helmut Dammann-Tamke.

Die anderen Molkereien auf dem Markt sollten sich für eine schnelle Hilfe für die Betriebe offen zeigen. Der Fall zeige ganz klar, dass Abnahmesicherheit neben einem marktgerechten Preis einen ganz wichtigen Pfeiler für die Milchbauern darstelle. „Vom Erzeuger bis zum Verbraucher sind alle Ebenen aufgefordert, ihre Verantwortung für eine sichere heimische Milchversorgung aus regionaler Produktion wahrzunehmen“, stellte der CDU-Politiker fest.

DBV: Milchbauern nicht im Regen stehen lassen

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) warnt davor, die von der B.M.G.-Insolvenz betroffenen Milchbauern im Regen stehen zu lassen. DBV-Milchpräsident Karsten Schmal appellierte an die deutschen Molkereien, ihrer Gesamtverantwortung für den Milchmarkt nachzukommen und Möglichkeiten zur kurzfristigen Aufnahme von Milchbauern einzurichten.

Die Ursache für die B.M.G.-Pleite sieht Schmal in einem „gewagten Geschäftsmodell, gepaart mit unternehmerischen Fehlentscheidungen“. Nun müsse es kurzfristig darum gehen, „dass dies nicht auf dem Rücken der Milchbauern ausgetragen wird, die bislang zur B.M.G. geliefert haben“.

Andere Molkereien sieht Schmal nicht zuletzt auch deshalb in der Pflicht, weil sie zum Teil ebenfalls von der Flexibilität des Rohmilchhandels profitiert hätten.

B.M.G. als größter Milchhändler Deutschlands

Die B.M.G. war der größte Milchhändler in Deutschland. Insgesamt hat das Unternehmen vor allem im Osten und Norden der Republik rund 950 Mio. kg Rohmilch im Jahr abgenommen. Das entspricht etwa drei Prozent der Milchanlieferung. Annähernd ein Drittel der Menge wurde zuletzt über den Spotmarkt abgesetzt.

Die betroffenen Erzeugergemeinschaften bemühen sich, die Milch teilweise auf eigene Rechnung zu den Molkereien zu fahren. Bei vielen ist momentan noch offen, welchen Milchpreis die Landwirte bekommen. Ein Drittel der erzeugten Milchmenge soll derzeit noch in der Luft hängen.

Mit Material von agrarheute.com, DBV und AgE
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