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Fleischwirtschaft

Rotenburg: Kritik vom Landvolk für Absage eines Schlachthofs

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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
26.10.2017

Rotenburg möchte offenbar keinen Schlachthof im Stadtgebiet. Die Anfrage eines italienischen Fleischproduzenten wurde abgelehnt. Das Landvolk kritisiert das.

Im Rotenburger Gewerbegebiet Hohenesch sollte nach Angaben von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) auf einer Fläche von insgesamt 100.000 Quadratmetern ein Großschlachthof entstehen.

Nachdem bereits andere Kommunen in Norddeutschland entsprechende Pläne abgelehnt hatten, haben sich auch die Verwaltung und der Verwaltungsausschuss dagegen entschlossen (Rotenburger Kreiszeitung vom 22. Oktober).

Die Anfrage war im Rathaus in der vorigen Woche eingegangen, so Weber. Der Verwaltungsausschuss habe sich dann einstimmig gegen den Verkauf der Flächen entschieden. Der Fleischkonzern Bresaole Pini hegt nach Branchenangaben schon länger den Wunsch, sich in Deutschland anzusiedeln.

Landvolk würde Schlachthof begrüßen

Das Landvolk Rotenburg-Verden kritisierte die Absage heute (26. Oktober) in einer Stellungnahme. Von den Landwirten werde immer mehr Tierwohl und kurze Transportwege zu den Schlachtereien gefordert, die durch Schließung von Vion Ende April hinfällig geworden seien.

"Ein neuer Schlachthof in der Region ist aus unserer Sicht zu begrüßen“, sagen die beiden Vorsitzenden Jörn Ehlers (Holtum-Geest) und Christian Intemann (Bothel).

Für die beiden Ehrenamtlichen ist es außerdem unverständlich, dass im April noch ein Schrei durch die Reihen der Politik ging, als Vion seine Schließung verkündete und der Wegfall der rund 300 Arbeitsplätze gefordert wurde.

„Für die Schlachtung von rund 720.000 Mastschweinen aus den Landkreisen Rotenburg und Verden sowie unsere Nachbarlandkreisen mussten nach Ende der Ära Vion neue Betriebe gesucht und längere Fahrzeiten in Kauf genommen werden“, sagt Ehlers, selbst Schweinemäster.

Landvolk: Verbraucher fordern mehr Regionalität

Der Vorsitzende führt nicht nur die weiteren Strecken für die Tiere an, die höhere Kosten mit sich bringen würden: „Die Verbraucher fordern ja nicht nur mehr Tierwohl, sondern setzten vermehrt auf Regionalität."

In den Kreisen Rotenburg und Verden gibt es nur noch sehr wenige kleine Schlachtereien, von denen nur wenige Landwirte profitieren und nur geringen Stückzahlen verarbeitet werden. Vion hatte eine ideale, leistungsfähige Größenordnung für diese Region.“ Darüber hinaus würde sich ein zusätzlicher Schlachtbetrieb eher positiv auf die Preisregulierung im Schweinemastbereich auswirken.

Auch Cloppenburg gegen Schlachthofbau

Erst im September hatte sich der Landkreis Cloppenburg gegen den Bau eines Großschlachthofs der Italiener dort ausgesprochen. In Rotenburg hätten laut Weber bis zu 26.000 Schweine täglich geschlachtet werden sollen. Der Konzern habe von rund 1000 Arbeitsplätzen gesprochen.

„Wir waren uns über alle Fraktionen hinweg einig, dass wir das auf keinen Fall machen wollen“, so Weber. Ein solcher Betrieb hätte nicht zu Rotenburg gepasst. Vielmehr setze man auf die Ansiedlung kleinerer, mittelständischer Betriebe.

In Cloppenburg hatte Landrat Johann Wimberg (CDU) auf die schon großen Herausforderungen in Sachen Integration von Beschäftigten aus dem Ausland verwiesen. Es sei zu erwarten, dass die überwiegende Zahl der Mitarbeiter über Werkverträge beschäftigt würde.

Die Unterbringung der neuen Mitarbeiter sei schwierig. Der Schlachthof sei aber auch wegen der landwirtschaftlichen Entwicklung und der Wasser- und Abwasserthematik ein Problem.

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