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Wirtschaft & Unternehmen

Rübe erfreut Anbauer und Aktionäre

von , am
04.06.2013

Die Nordzucker freut sich über das beste Jahr in der Geschichte des Unternehmens: Im Geschäftsjahr 2012/13 wurde ein Jahresüberschuss von 360 Mio. € erwirtschaftet.

Die Nordzucker setzt zukünftig große Hoffnungen auf die Vermarktung von Produkten mit dem alternativen Süßungsmittel Stevia. Damit sollen nicht Marktanteile im Zuckersegment, sondern bei den Nichtzuckerstoffen erobert werden. Foto: Raupert © Raupert
Nur drei Jahre nach dem Tiefpunkt, als der Konzern aufgrund der prekären finanziellen Lage keine Dividende ausschütten konnte, erwirtschaftete die Nordzucker im Geschäftsjahr 2012/13 einen Jahresüberschuss von 360 Mio. €, das ist ein Plus von 152 Mio. € gegenüber dem Jahr 2011/12.
 
Nach den Rübenanbauern profitieren nun auch die Aktionäre vom Höhenflug. So soll die Dividende von 1,00 €/Aktie in 2011/12 auf jetzt 1,80 €/Aktie ansteigen. Nach dem guten Vorjahr konnte der Konzern also noch einen draufsetzen. Der Vorstandsvorsitzende der Nordzucker AG, Hartwig Fuchs, führte im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch vergangener Woche den erneuten Erfolg vor allem auf die gute Marktlage für Quotenzucker, den guten Absatz von Nichtquotenzucker und die langfristig wirkenden Maßnahmen zur Effizienzsteigerung zurück. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2012/13 (Stichtag 28.2.) ein Plus im Konzernumsatz von 21 % auf 2,443 Mrd. €, im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 2,018 Mrd. €. Der Umsatz verteilt sich laut Fuchs zu 44 % auf Zentraleuropa (Vorjahr 47 %), zu 40 % auf Nordeuropa (40 %) und zu 16 % (13 %) auf Osteuropa. Der Umsatzanstieg ist wie bereits oben erwähnt auf das gestiegene Preisniveau bei Quotenzucker und den höheren Nicht-Quotenzuckerabsatz zurückzuführen.
 
Eigenkapitalquote steigt
 
Das operative Ergebnis (EBIT) legte von 315 Mio. € in 2011/12 auf 507 Mio. € zu. Der Konzernjahresüberschuss konnte in den vergangenen drei Jahren von 91 Mio. € auf 208 Mio. € und jetzt nochmals auf 360 Mio. € gesteigert werden. Wie Fuchs ergänzte, trägt zu diesem hervorragenden Ergebnis auch das seit drei Jahren laufende Programm "Profitabilität plus" bei, mit dem wesentliche Einsparungen in Produktion und Verwaltung realisiert werden konnten. Dieser Erfolg kommt nun auch den Aktionären zugute. Insgesamt will der Vorstand für das abgelaufene Geschäftsjahr 86,9 Mio. € (Vorjahr 48,3 Mio. €) an Dividende ausschütten, was rund 24 % des Jahresüberschusses entspricht. Rund 76 % des Überschusses verbleiben laut Fuchs somit im Unternehmen und stärken das Eigenkapital sowie die finanzielle Ausstattung, sodass auch Chancen zum Wachstum in Angriff genommen werden können.
 
Die Anteilseigner können mit einer Dividende von 1,80 €/Aktie rechnen, wenn die Hauptversammlung dem zustimmt. Dies wäre die höchste Dividende seit der Gründung des Unternehmens, betonte Nordzucker-Finanzvorstand Dr. Michael Noth. Mit der positiven Entwicklung von Umsatz und Ergebnis ist auch eine Steigerung des Eigenkapitals um ein Drittel von 999 Mio. € auf 1,316 Mrd. € verbunden. Die Eigenkapitalquote steigt laut Noth somit von 44,2 % auf 55 % und liegt damit deutlich über der konzernweiten Zielmarke von 30 %. Gleichzeitig sinkt die Nettoverschuldung im Geschäftsjahr 2012/13 von 249 Mio. € auf 59 Mio. €.
 
Nach dem Kauf von Nordic Sugar hatte die Nettoverschuldung im Jahr 2009/10 noch bei 783 Mio. € gelegen. Mit Hilfe des gewachsenen Eigenkapitals sollen laut Fuchs Wachstumschancen im Zuckergeschäft in und außerhalb Europas wahrgenommen werden. "Wir werden aber nicht investieren, um zu investieren", stellte er klar. "Dann sitzen wir lieber auf unserem Eigenkapital, als das wir das Geld falsch anlegen". Konkrete Ziele gebe es noch nicht, man schaue sich aber jetzt um. Bedingung sei, das das Investment zur Nordzucker passe.
 
Umschwung eingeleitet
 
Nach diesem Ausnahmejahr stehen die Vorzeichen wieder auf Normalität. Fuchs schloss es weitgehend aus, diesen einmaligen Erfolg zu wiederholen. Ein Grund sei, dass auch die Nordzucker nach zwei Rekordernten Lagerbestände aufgebaut habe und vor sich herschiebe. Dies gehe nicht nur allen deutschen Unternehmen so, auch EU- und weltweit seien die Lagerbestände angewachsen. Die Nordzucker erwartet auch aufgrund der guten Ernten in Brasilien, Thailand, Indien Russland und China eine über dem Verbrauch liegende Weltzuckerproduktion. Das drückt bereits auf die Zuckerpreise. Sie sind auf dem Weltmarkt in den letzten zwei Monaten von 460 auf 370 €/t Zucker abgesunken.
 
Laut Fuchs schlägt dies aber nicht voll auf den EU-Markt durch. Dort sind die Preise von 740 auf zurzeit etwa 725 €/t gesunken. In Verbindung mit den hohen Auszahlungspreisen für den Rohstoff Zuckerrüben werden sich diese Faktoren auch auf das laufende Geschäftsjahr 2013/14 auswirken. "Ein Rückgang im Umsatz und Ergebnis ist nicht auszuschließen," kündigte Fuchs in seiner Ergebnisprognose an. Dennoch befürchtet er kein schlechtes Jahr, meinte er optimistisch.   Bei Futtermitteln und Melasse rechnet Fuchs ebenfalls mit stabilen Preisen, auch wenn das größere Angebot an Futtergetreide dort zu rückläufigen Notierungen geführt habe.
 
Für Bioethanol sei der Markt nicht vorhersehbar. Zurzeit liegen die Preise aufgrund des Wegfalls der subventionierten Importe auf einem guten Niveau. Die eigene Bioethanolanlage fuel 21 schreibe dieses Jahr wiederum nur eine schwarze Null. Die Anlage sei zwar gut ausgelastet, von einer Amortisation der Millioneninvestition könne jedoch keine Rede sein. Grund seien die hohen Einkaufspreise für den Rohstoff Rüben und die Tatsache, dass die Mineralölindustrie weitgehend den Ethanolpreis bestimme. Dennoch werde das Projekt nicht in Frage gestellt, es soll weiter als Ventil für die Rübenverwertung genutzt werden.
 
Effizienz steigern
 
Die Rückgänge im Zuckerpreis will das Unternehmen auch durch Effizienzsteigerungen in Produktion und Verwaltung teilweise auffangen. Positiv hob Finanzvorstand Noth hervor, dass das ursprüngliche Einsparziel in Höhe von 67 Mio. € konzernweit durch das Programm "Profitabilität plus" schon vorzeitig im laufenden Geschäftsjahr mit wahrscheinlich über 70 Mio. € erreicht werde. Hierbei handele es sich Maßnahmen, die vom Einkauf bis zur Energieeinsparung vor allem in den Werken reichen. Verantwortungsvoll und nachhaltig soll nach Aussage von Produktionsvorstand Axel Aumüller die Investitionspolitik ausgerichtet werden. Seinen Angaben nach sollen die Investitionen von 74 Mio. € in 2012/13 auf 80 Mio. € in 2013/14 gesteigert werden. 50 % sollen davon auf Zentraleuropa, 37 % auf Nordeuropa und 13 % auf Osteuropa entfallen. In Uelzen soll z. B. ein neues 80.000 t großes Zuckersilo gebaut werden, in anderen Werken sollen neue, Energie einsparende Verdampfungstrockner installiert werden.
 
Rübenanbau stärken
 
Um profitabel zu arbeiten, müsse es die Nordzucker zudem schaffen, den Rübenanbau attraktiv zu erhalten. Zum nachhaltigen Erfolg gehören deshalb auch Ertragssteigerungen im Zuckerrübenanbau. Die Initiative 20∙20∙20 soll erfolgreich weiter geführt werden, berichtete der Vorstand Landwirtschaft, Dr. Niels Pörksen. Klares Ziel bleibe, dass die ertragsstärksten 20 % der Rübenanbauer bis zum Jahr 2020 die Schallmauer von 20 t/ha Zuckerertrag erreichen. Geeignete Mittel könnten hierzu Frühsaaten, die Unterfußdüngung, die beschleunigte Jugendentwicklung durch Rüben unter Vlies oder auch Entwicklungsvorsprünge durch Anziehen im Gewächshaus sein. Intensiv beschäftigt sich die Nordzucker auch mit der Frage, ob die Zuckermarktordnung am 30.9.2015 endet oder bis 2017 bzw. 2020 verlängert wird.
 
Letzte Meldungen sprechen von einer Verlängerung bis 2017. Eine Entscheidung in dieser Sache erwartet Fuchs noch in diesem Monat. Nach dem Auslaufen müsse auf jeden Fall die Wettbewerbsfähigkeit durch z.B. die Aufhebung von Exportrestriktionen gesichert werden. Die Zuckerbranche werde sich bis zur Entscheidung für die Fortsetzung der ZMO bis zum Jahr 2020 einsetzen.
 
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