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Wirtschaft & Unternehmen

Weiteres Wachstum mit Risiken

von , am
07.10.2013

Pressekonferenz des BLU In Lohnunternehmen ist der Trend zu größeren und leistungsstärkeren Betrieben ungebrochen. Dies ist mit hohen Investitionen und entsprechenden Risiken verbunden. Wer bisher voll auf Wachstum gesetzt hat, verspürt derzeit die Auswirkungen der eingeschränkten Auslastungsentwicklung bei der Liquidität.

Nach den Erhebungen gibt es 3.250 Unternehmer, die im klassischen Sinne von landtechnischen Dienstleistungen leben, so Klaus Pentzlin, Präsident des Bundesverbandes Lohnunternehmen (BLU) auf einer Pressekonferenz bei Würzburg. Die Fluktuation sei erheblich. "Viele Neueinsteiger geben nach den ersten teuren Erfahrungen wieder auf. Andere agieren geschickter und suchen sich lukrative Nischen", erklärte er.
 
Laut einer Statistik der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft gibt es in Deutschland 22.500 Betriebe, die aus versicherungstechnischer Sicht einen Nebenbetrieb als Dienstleister angemeldet haben. Drei Viertel dieser Betriebe arbeiten im Rahmen der Nachbarschaftshilfe mit dem Privileg der steuerlichen Freigrenzen. BLU-Geschäftsführer Alfred Schmid: "Echte Wettbewerber der Lohnunternehmer sind die organisierten Maschinengemeinschaften, die komplette Häckselketten zusammenstellen und nicht selten im gewerbe- und umsatzsteuerfreien Bereich agieren. Hier wird mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen, was nur zum Teil durch eine höhere Professionalität aufgefangen werden kann."
 
Im Jahre 2012 hätten Lohnunternehmer unerwartet stark in neue Technik investiert. Insgesamt sei von einem Gesamtvolumen von rund 750 Mio. Euro auszugehen. Damit seien die meisten Betriebe für die nächsten Jahre technisch hervorragend ausgestattet. Für die Landtechnikindustrie zählen Lohnunternehmer schon seit Jahren zu einer der wichtigsten Kundengruppen.
 
Schmid weiter: "Ein wichtiger Investitionsschwerpunkt ist die Verbesserung von logistischen Verfahrensketten. Derzeit gibt es viele Überlegungen, Transporte aus Kostengründen auf den LKW zu verlagern."
 
Hohe Investitionen seien auch im Bereich Gülle inklusive der Direkteinbringung festzustellen. Hier erfolge in vielen Betrieben eine komplette Verfahrensumstellung. Andere Unternehmen hätten ihr Geschäftsmodell auf die Vermittlung und Verteilung von Nährstoffen ausgerichtet.
 
"Lohnunternehmer vertreten eine besonders kapitalintensive Branche. Wer bisher voll auf Wachstum setzt und über den normalen Rahmen hinaus investiert, ist zum Ausgleich der hohen Kapitalkosten auf ständig steigende Umsatzzahlen angewiesen. Hier haben einige Lohnunternehmer angesichts des Stillstands beim Bau neuer Biogasanlagen die Entwicklungschancen und den finanziellen Spielraum zu euphorisch eingeschätzt", sagte der Geschäftsführer. Dies kurzfristig durch den Verkauf überzähliger Kapazitäten zu korrigieren sei nicht einfach, denn bei Neumaschinen sei der Wertverlust zu Beginn viel zu hoch. Ein vorübergehender Investitionsstopp sei ein probates Mittel, um die Finanzen wieder in den Griff zu bekommen. Der Versuch vieler Betroffener mehr Umsatz durch Preisunterbietungen zu machen, sei selten eine gute Idee.
 
Aber es gebe auch andere Gründe für die angespanntere Situation vieler Unternehmen. Die Kosten beim Einkauf von Maschinen, bei Ersatzteilen oder beim Personal und Diesel seien seit Jahren überproportional gestiegen. Schmid: "Den meisten Lohnunternehmern ist es im starken Wettbewerb nicht gelungen, die eigenen Preise der Kostenentwicklung anzupassen."
 
Der Bundesverband Lohnunternehmen habe sich in den vergangenen Jahren angesichts der wachsenden Aufgaben stark entwickelt. Heute werden von der Zentrale in niedersächsischen Riehe aus im Verbund mit den Landesgruppen und -verbänden (Bayern, Hessen, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz/Saarland und Sachsen-Anhalt) 70 Prozent aller ordentlichen und 85 Prozent der Fördermitglieder (Firmen) betreut. Bundesweit seien dem BLU und den Verbänden rund 2.400 Mitglieder angeschlossen. Durch die Beschäftigung von 18 festangestellten Fachkräften konnten die Leistungen für die Mitglieder ständig optimiert und erweitert werden. Seit 2005 konnte die Anzahl der ordentlichen Mitglieder in der Bürogemeinschaft um 67,3 % erhöht werden.
 
"Weitere Schwerpunkte sind die Organisation und die Betreuung von Veranstaltungen, Arbeitsgruppen, Seminaren und Fachtagungen, bis hin zur DeLuTa, die komplett vom Büro aus organisiert wird. Der bundesweite Aufbau des Jungen BLU ist die neueste Aktion des BLU. Seit Juli können Nachwuchskräfte der Lohnunternehmer und  junge Mitarbeiter Direktmitglied im BLU werden. Die Förderung der Mitarbeiter wird in Zukunft einen noch höheren Stellenwert im BLU einnehmen", erklärte Schmid.
 
Eine einheitliche Dienstleistungspauschale in Höhe 205 Euro pro Mitglied und Jahr sorge seit 2012 in der Bürogemeinschaft für finanziellen Gleichstand. Diese Summe werde in Ergänzung zum Grundbeitrag an den BLU (110 € pro Mitglied und Jahr) pro Mitglied berechnet. Enthalten seien in diesen Pauschalen sämtliche Kosten der Geschäftsstelle, inklusive aller Personal- und Reisekosten, unabhängig vom jeweiligen Beitrag des Mitgliedsbetriebes und unabhängig von der Entfernung der Bundesländer. "Dadurch wird nicht nur eine erhebliche verwaltungstechnische Vereinfachung realisiert, sondern auch eine Gleichbehandlung aller Mitglieder im Haus erreicht", so Schmid weiter.
 
Parallel zur Neuregelung der Dienstleistungspauschalen wurden auch die Mitgliedsbeiträge in Riehe vereinheitlicht. Sie seien nach Umsätzen der Betriebe gestaffelt. Abgedeckt seien über die Beiträge alle typischen übergeordneten Verbandsleistungen wie Öffentlichkeitsarbeit,  Ausstellungen, Versammlungen, inklusive der fachlichen Beratung durch die Fachreferenten der Geschäftsstelle, der kostenfreie Bezug von LU aktuell, die Berechtigung zur Teilnahme an der DeLuTa oder der Zugang zum internen Mitgliederbereich der BLU-Homepage. Für die Ceettar (Europäischer Verband) zahle jedes Mitglied eine Umlage von 24 €/Jahr.
 
Um den Mangel an qualifizierten Fachkräften zu begegnen, habe der BLU den Beruf "Fachkraft Agrarservice" (FAS) ins Leben gerufen. 2005 konnte mit der Ausbildung begonnen werden. Das Ziel sei die Gewinnung junger, motivierter und gut ausgebildeter Mitarbeiter für den Eigenbedarf. Aktuell befänden sich in den drei Jahrgängen 650 junge Leute in der Ausbildung zur FAS. Seit 2005 wurden rund 1.300 Mitarbeiter von Lohnunternehmen zur FAS ausgebildet. Dies decke den Bedarf nur zum Teil. Nach den BLU-Erhebungen würden mindestens die doppelte Anzahl an Fachkräften in Lohnunternehmen benötigt.
 
Folgerichtig würden aufgrund des großen Erfolgs der Ausbildung zur FAS seit 2010 Kurse zum Agrarservice Meister (ASM) angeboten. 80 ASM hätten bereits den Abschluss geschafft. Im kommenden Frühjahr stellen sich weitere 40 Kandidaten der Prüfung. Allerdings schätze der BLU den jährlichen Bedarf an ASM auf 120 bis 150 ein. "Dies zu realisieren ist ein hoher Anspruch", sagte Schmid.
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