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Kommentar

Wolfsmanagement in Niedersachsen: Blockierer sitzen im eigenen Haus

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
05.11.2018

Der Umweltminister will den Wolf schützen, indem er Sorgen der Menschen ernst nimmt. Das gefällt nicht allen.

Erst sollte es nur eine Informationsveranstaltung für Tierhalter geben, dann wurden es zwei. Und es kamen alle. Um Tierhaltung ging es nur noch am Rande. Was in der vorigen Woche in Steimbke und Linsburg im Landkreis Nienburg zum Thema Wolf ablief, muss man als denkwürdig bezeichnen.

Seit Sommer mehren sich Nutztierrisse durch Rodewalder Wolfsrudel

Zur Vorgeschichte: Die Dörfer zwischen Rodewald und Heemsen im Lichtenmoor gehören zum Streifgebiet des Rodewalder Wolfsrudels. Seit dem Sommer mehren sich die Nutztierrisse. Spätestens, seit am Waldkindergarten ein Alpaka gerissen wurde, ist die Stimmung in der Bevölkerung sehr aufgeheizt.

Die offizielle Seite versuchte bis zuletzt, dem mit Routine zu begegnen: Einladung an Tierhalter, Informationen über Herdenschutz, Hinweise auf fallweise mögliche Entschädigung. Die übliche Taktik des Beschwichtigens und Kleinredens der Sorgen Betroffener reichte in der Vergangenheit überwiegend aus.

Wolfspolitik: Abwiegeln funktionierte nicht mehr

Am Lichtenmoor funktionierte das Abwiegeln jedoch nicht mehr. Bei vielen Dorfbewohnern hatte sich in den letzten Monaten das Gefühl breitgemacht, von den Offiziellen nicht ernst genommen zu werden.

Wenn es eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass die derzeit praktizierte "Wolfspolitik" des Landes an den Menschen vor Ort vorbeigeht, dann wurde er an diesem Dienstagabend unwiderlegbar geliefert.

Obergrenzen für Wölfe einführen

Zumindest geahnt haben muss so etwas der zuständige Umweltminister, der das Problem eigentlich anders angehen möchte. Olaf Lies reiste in die Region, um den Scherbenhaufen zusammenzukehren, den Mitarbeiter seiner Behörden hinterlassen hatten. Er hörte zu, nahm ernst und baute wieder so etwas wie Vertrauen auf.

Erst in der vorigen Woche hatte Lies im Bundesrat die niedersächsische Initiative für einen konsequenteren Umgang mit dem Wolf vorgestellt. Mit ihr soll es möglich werden, Obergrenzen für Wölfe einzuführen, ohne den Artenschutz auszuhebeln. Ein lebensnaher Vorschlag, der dem Raubtier auch bei der Landbevölkerung einschließlich der Tierhalter zu mehr Akzeptanz verhelfen kann.

Informationen über Wolfsvorfälle zurückgehalten

Wie groß der Widerstand dagegen selbst in seinem Ministerium und den nachgeordneten Behörden immer noch ist, wurde ebenfalls sichtbar: Wichtige Informationen über Wolfsvorfälle in der Region wurden auf dem Dienstweg aufgehalten, kamen nicht beim Hausherren an. Die Frage, ob ein neuer Umgang mit den Wölfen mit den bisherigen Strukturen und Köpfen überhaupt gelingen kann, steht seit voriger Woche offen im Raum.

Unsere Onlinemeldung zum Thema finden Sie hier.

Weitere Informationen gibt es in der LAND & Forst Ausgabe 44/18.

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