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LWK-Fachtagungen

Düngeverordnung: Jetzt Fakten checken

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen.

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Gülleausbringung mit Zunhammer-Technik © Werkbild
von , am
11.10.2017

Die Düngeverordnung zwingt die meisten Betriebe zur Anpassung. Doch welche Strategie passt zum eigenen Umfeld? Hier wichtige Anregungen durch LWK-Experten.

Wie können Betriebe auf die Vorgaben der neuen Düngeverordnung (DüVO) reagieren? Diese Frage beantworteten Futterbau-, Landtechnik- und Ökonomieberater der LWK Niedersachsen derzeit auf verschiedenen Infoveranstaltungen. Hier die wichtigsten Ergebnisse der Veranstaltung in Friedeburg (Wittmund).

Frerich Wilken, Fachbereich Grünland und Futterbau der LWK, stellte die für den Futterbaubetrieb wesentlichen Regelungen vor. Das sind:

  • die Begrenzung durch die 170-kg-N-Regelung,
  • die plausibilisierte Nährstoffbilanz, die Düngebedarfsermittlung und
  • die Stoffstrombilanz (Beschluss liegt noch nicht vor).

Wilken rechnete vor, dass die meisten Betriebe mit den in der DüVO festgelegten Stickstoff(N)-Bedarfswerten für Grünland (245 kg N minus Abzüge) und Ackergras (400 kg N minus Abzüge) durchaus „leben“ können.

Sehr eng wird es auf Niedermoorgrünland für eine mineralische N-Düngung. Hier sind u. a. hohe Abzüge (80 kg N/ha) für N-Nachlieferung aus dem Boden vorzunehmen.

In Zukunft wird in Futterbaubetrieben trotz Einhaltung der 170-kg-N-Grenze die Nährstoff-Bilanzierung vor allem beim Phosphor Probleme bereiten.  Hier muss mit entsprechender Produktionstechnik reagiert werden.

Verbesserte Nährstoffbilanz durch weniger Verluste

Wilken zeigte Ansatzpunkte bei den Stoffströmen im Milchviehbetrieb auf: „Vor allem beim Milchleistungsfutter, Mineralfutter und Mineraldünger bewegt sich was“. Hier hält der Betriebsleiter den Hebel in der Hand, um die Nährstoffbilanzen in Ordnung zu bekommen.

Innerbetrieblich muss zukünftig durch weniger Verluste die Nährstoffbilanz verbessert werden.

Für Futterbaubetriebe sind folgende Fakten relevant:

  • Die Färsen haben im Vergleich zu den Kühen eine bessere Nährstoffbilanz. Deshalb sollte die Auslagerung der Färsenaufzucht auch vor diesem Hintergrund betrachtet werden.
  • Grundsätzlich muss im Futterbaubetrieb frühjahrsbetont gedüngt, im Maisanbau auf mineralisches P möglichst verzichtet und über zusätzlichen Güllelagerraum (Zupacht?) nachgedacht werden.

Handlungsdruck durch Düngeverordnung

Referent Mathias Schmidt, LWK-Bezirksstelle Ostfriesland, ging das Thema ökonomisch an. Handlungsdruck entsteht

  • beim Flächenbedarf,
  • beim Tierbestand,
  • bei der Fütterung,
  • bei Gülleabgabe  und -lagerraum.

Nach der Düngeverordnung fallen bei einer 8.000-Liter-Kuh statt 20 m³ jetzt 29 m³ Gülle/Platz und Jahr an, bei einer 10.000-Liter-Kuh 30 m³ statt 21m³.

Der „Handelswert“ der Gülle hängt überwiegend ab von

  • den Berge-, Transport- und Ausbringungskosten
  • sowie eventuell auch den Lagerungskosten.

Neuer Lagerbedarf für Gülle

Verwertungsgesellschaften verbringen Gülle im Schnitt mit

  • 8,50 €/m3 für Transport,
  • 3 bis 4 €/m3 für Lagerkosten und
  • 0,35 €/m3 für die Dokumentation.

Gibt ein Betrieb die Gülle in Eigenregie ab, muss er zurzeit mit Kosten von 4 bis 5 €/m3 rechnen, Tendenz steigend. 

Wer mehr Lagerraum zubauen muss, kommt bei 100 Kühen auf einen neuen Lagerraumbedarf von gut 2.000 m³. Das belastet den m³ Gülle mit 3 bis 5 € jährlichen Investkosten.

 Eine Abdeckung des Güllesilos (z.B. Zeltdach, AFP-Förderung unter bestimmten Voraussetzungen) erhöht die Kosten abhängig von der Grundfläche des Lagerbehälters. 

Durch Flächenzupacht auf Düngeverordnung reagieren

Will ein Betrieb durch Flächenzupacht auf die Düngeverordnung reagieren, hängen die Kosten je Kubikmeter Gülle

  • vom Pachtpreisniveau und
  • der Nutzung (Grünland, Mais) der Zupachtfläche ab. 

Bei 450 € Pacht und Grünlandnutzung wird der Kubikmeter Gülle mit 10,33 € belastet, bei 1.000 € Pacht und Maisanbau mit 9 €.

Versucht ein Betrieb, durch Bestandsabstockung seine Güllemenge (Nährstoffmenge) zu reduzieren, muss er mit den höchsten Kosten je Kubikmeter Gülle rechnen:

  • 22 €/m3 bei 1.500 DB/Kuh bzw.
  • 39 €/m3 Gülle bei 2.000 € DB/Kuh.
  • Werden dagegen Färsen abgestockt, liegen die Kosten je Kubikmeter Gülle bei 9 €. 

Eine proteinreduzierte Fütterung der Kühe muss vor dem Hintergrund der Tierleistung und Tiergesundheit gesehen werden. Untersuchungen zeigen, dass 160 g XP und nXP pro Kuh und kg Trockenmasse ausreichen, auch bei Milchleistungen über 45 kg (optimale Milchharnstoffgehalte von 180 bis 220 mg/l).

Phosphorüberschüsse resultieren in Betrieben nicht selten aus P-Ergänzungen im Mineralfutter, die nachweislich aber nichts Positives bewirken, und bei GVO-freier Fütterung aus Rapsschrot.

Düngeverordnung auf einen Blick: Eine Auflistung aller Artikel zur Düngeverordnung, die  bisher in der LAND & Forst erschienen sind, finden Sie hier...

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Die Vorträge der LWK-Fachtagung zu den Neuerungen der Düngeverordnung finden Sie im Internet unter www.lwk-niedersachsen.de             

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