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Düngeverordnung

Grunddüngung strategisch planen

Gülleausbringung mit Schleppschlauch
Ulrich Lehrke, LWK Niedersachsen
am
27.09.2017

Die Herbstdüngung mit organischen Düngern ist durch die Düngeverordnung stark begrenzt. Es gilt, die Grundnährstoffversorgung neu zu überdenken.

Die neue Düngeverordnung schreibt die Reduktion der Wirtschaftsdüngergaben im Herbst auf die noch erlaubten Stickstoffmengen von maximal 60 kg/ha Gesamt- N bzw. 30 kg/ha Ammonium-N vor. Dadurch werden mit den eingesetzten Wirtschaftsdüngern nur noch geringe Grundnährstoffmengen gedüngt.

Die Möglichkeiten, die Wirtschaftsdünger in das Frühjahr zu bringen, sind jedoch begrenzt:

  • Einerseits dürfen bei Frost auch nur 60 kg/ha Gesamt-N ausgebracht werden.
  • Andererseits lassen viele Böden das Befahren im Frühjahr nicht zu. In diesen Fällen müssen die fehlenden Nährstoffe mineralisch ergänzt werden.

Nährstoffentzüge der Ackerkulturen berechnen

Die Entzüge wichtiger Ackerkulturen können berechnet werden. Eine Übersicht bietet die Tabelle, die sie nachfolgend herunterladen können.

Die Berechnung der Entzüge ergibt sich in diesen Beispielen aus den durchschnittlichen Nährstoffgehalten, multipliziert mit dem jeweiligen Ertrag. Die Erträge der Nebenprodukte (Stroh, Blatt) werden mit Hilfe des Korn/Stroh-Verhältnissen (HNV) berechnet.

Fruchtfolgepaare für die Düngung

Viele Betriebe haben in den letzten Jahren den Anteil an Blattfrüchten vor allem durch die Zunahme des Maisanbaus sowie auch durch die Ausweitung der Zuckerrüben deutlich gesteigert und konnten dadurch den Getreideanteil begrenzen. Im günstigsten Fall wird der Fruchtwechsel – die Abfolge von Blattfrucht und Halmfrucht - durchgeführt.

Dadurch ergeben sich für die Düngung Fruchtfolgepaare z. B. Zuckerrüben – Getreide, Raps – Getreide oder Mais – Getreide. Daneben wird jedoch immer noch ein Teil Getreide nach Getreide angebaut. Hier muss eine gesonderte Betrachtung vorgenommen werden.

Grunddüngung bisher häufig durch Wirtschaftsdünger abgedeckt

Nährstoffentzüge wichtiger Fruchtfolgepaare zeigen, dass die Fruchtfolgen mit Mais und Zuckerrüben einen hohen Bedarf an Kalium aufweisen (250 bis 300 kg/ha). Die Abfuhr bei Raps ist dagegen deutlich geringer (100 kg/ha). Die Entzüge bei Phosphat sind dagegen relativ vergleichbar und schwanken zwischen 150 bis 160 kg/ha.

Eine Tabelle zum Nährstoffentzug verschiedener Fruchtfolgepaare (Zusatz zur Printausgabe) können Sie nachfolgend herunterladen:

In der Praxis wird häufig die Grunddüngung durch Wirtschaftsdünger wie z.B. Putenmist, HTK, Gülle oder Gärreste abgedeckt. Die Wirtschaftsdünger werden in den Ackerbauregionen meist im Herbst auf die Stoppel vor Raps und Zwischenfrüchten ausgebracht. Daneben werden organische Dünger im Frühjahr vor allem vor Mais eingesetzt.

Herbstdüngung nicht ausreichend

Die neue Düngeverordnung begrenzt jedoch, wie oben bereits erwähnt, die Möglichkeit der Herbstdüngung erheblich. In der nachfolgenden Tabelle sind die Nährstofffrachten dargestellt, die im Herbst ausgebracht werden können.

Die Zahlen zeigen, dass die Mengen, die im Herbst noch ausgebracht werden dürfen, nicht ausreichen, um den Entzug bzw. den Bedarf der Pflanzen zu decken.

Die Phosphatdüngung beträgt dadurch lediglich 25 bis 50 kg/ha. Die Düngung mit Kalium schwankt zwischen 30 bis 50 kg/ha. Für den Ersatz der Abfuhr fehlen damit je nach Fruchtfolgepaar etwa 100 bis 140 kg/ha Phosphat sowie 70 bis 250 kg/ha Kalium.

Um die Grunddüngung auch weiterhin mit organischen Düngern im Schwerpunkt durchführen zu können, bleibt der Praxis nur der Weg in das Frühjahr.

Phosphatlücke bei Raps mit mineralischem Dünger ausgleichen

Durch die Vorgaben der neuen Düngeverordnung sind  die Möglichkeiten des Einsatzes von Wirtschaftsdüngern besonders für den Raps jedoch stark begrenzt.

Sofern die Erntereste auf dem Feld verbleiben, kann dann nur der Kalibedarf des Fruchtfolgepaares Raps/Getreide gedeckt werden. Es verbleibt eine Lücke bei Phosphat von 100 kg/ha, die mineralisch ausgeglichen werden muss.

Größere Spielräume bei Zuckerrüben und Mais

Bei den anderen Fruchtfolgepaaren ergeben sich größere Spielräume im Frühjahr. Allerdings hängt hier sehr viel von den Böden bzw. ihrer Bearbeitungsfähigkeit ab. Besonders auf Tonböden sind die Möglichkeiten begrenzt.

Vor Zuckerrüben lassen sich dort kaum organische Dünger vor der Saat ausbringen. Auf schluffigen Lehmböden sowie auf Sand ergeben sich demgegenüber auch im Frühjahr noch Chancen zur Düngung. Dies gilt grundsätzlich auch für den Mais.

Bei Getreide ist Wirkungsgrad des Stickstoffs ein Problem

Flüssige Wirtschaftsdünger werden im Frühjahr auch im Getreide ausgebracht. Die größten Probleme liegen hier im Wirkungsgrad des Stickstoffs. Die Düngeverordnung fordert eine verbindliche Anrechnung (etwa 50 bis 60 %).

Ein intensiver Einsatz von Wirtschaftsdünger muss jedoch in Hinblick auf die Einhaltung der maximalen N- und P-Salden genau kalkuliert werden und wird nur dann erfolgreich sein, wenn die Mineraldüngeräquivalente durch eine optimale Technik und Terminierung über die gesetzlichen Normen hinausgehen.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 39/17 ab Seite 18. Eine Auflistung aller Artikel zur Düngeverordnung, die  bisher in der LAND & Forst erschienen sind, finden Sie hier...

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