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Düngung

Was Sie vor der Gülleausbringung beachten müssen

Güllewagen mit Schleppschlauch
Jelko Djuren, Tim Eiler, LWK Niedersachsen
am
31.01.2019

Keine Düngung auf wassergesättigten, gefrorenen oder schneebedeckten Böden, das gilt auch in diesem Jahr. Was Sie beachten müssen.

Die Güllelager sind auf einigen Betrieben wieder gut gefüllt. Betriebe, die auf Antrag die Sperrfrist verschoben haben, sind bereits seit dem 16. Januar berechtigt, auf Grünland organische Dünger aufzubringen.

Am 1. Februar endet auch für alle anderen Landwirte die allgemeine Sperrfrist für Stickstoff(N)-haltige Düngemittel.

Befahrbarkeit und Bodenschonung unbedingt beachten

Bei günstigen Bodenverhältnissen können ab diesem Datum Grünland, Ackergras, Wintergetreide und Winterraps mit Stickstoff versorgt werden. Grundsätzlich sollte die erste N-Gabe so erfolgen,  dass der Stickstoff zum Vegetationsstart zur Wirkung kommt. Dies gilt für mineralische wie auch organische Dünger.

Allerdings sind Aspekte der Befahrbarkeit und Bodenschonung unbedingt zu beachten. Neben den fachlichen Gesichtspunkten sind rechtliche Vorschriften zu befolgen.

Düngeverordnung: Regeln zur Aufbringung von Düngern

Bereits seit vielen Jahren sind in der Düngeverordnung Regeln zur Aufbringung von Düngern auf nicht aufnahmefähigen Böden enthalten. Mit der 2017 in Kraft getretenen Novellierung wurden diese Bedingungen konkretisiert:

Grundsätzlich dürfen nach  § 5 Abs. 1 der Düngeverordnung stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel, worunter neben Mineraldüngern auch Gülle, Jauche, Gärreste, Mist und Kompost fallen, nicht aufgebracht werden, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist.

Diese Regelung gilt für Grünland und Ackerland gleichermaßen und soll der Abschwemmungsgefahr durch nachfolgende Niederschläge oder Tauwetter vorbeugen.

Regelung für Grünland und Ackerland

Überschwemmte oder wassergesättigte Flächen dürfen nicht gedüngt werden. Eine Wassersättigung ist daran erkennbar, dass

  • auf freier, ebener Fläche (nicht Fahrspuren) Wasserlachen sichtbar sind oder
  • beim Formen des Bodens (außer Sand) Wasser austritt bzw.
  • die Befahrbarkeit bei frostfreiem Boden nicht möglich ist.
  • Das Ausbringverbot gilt auch für Flächen, bei denen Schmelzwasser bedingt durch Frost im Untergrund nicht versickern kann.

Dank Reifendruckregelanlagen und Verschlauchungstechnik können mittlerweile auch kaum tragfähige Böden befahren werden. Dennoch kann das technisch Mögliche nicht als Legitimation für verbotene Düngung dienen.

Gefrorener Boden: Fünf Bedingungen einhalten

Die Düngung bei gefrorenem Boden ist bei Landwirten beliebt, da sie aus produktionstechnischer Sicht Vorteile bietet:

  • In der Regel sind die gasförmigen N-Verluste gering,
  • es werden keine Spurschäden verursacht und
  • zudem werden die Straßen nicht oder kaum verschmutzt.

Gemäß der neuen Verordnung ist eine Düngung bei gefrorenem Boden allerdings nur zulässig, wenn folgende fünf Bedingungen gleichzeitig eingehalten werden:

  1. Der Boden wird durch Auftauen am Tag des Aufbringens aufnahmefähig. Damit ist gemeint, dass die oberste Bodenschicht soweit auftaut, dass ein Einsickern des Düngers in den Boden gewährleistet ist.

  2. Ein Abschwemmen in oberirdische Gewässer oder auf benachbarte Flächen ist nicht zu befürchten.
    Damit scheiden hängige Flächen nahezu aus, denn der Landwirt muss dafür Sorge tragen, dass auch bei einsetzendem Tauwetter und Niederschlägen kein oberflächiger Abfluss passieren kann. Vor allem, wenn Gülle oder Gärreste mit geringen Trockensubstanzgehalten aufgebracht werden und der Getreidebestand nur schwach entwickelt ist (Spätsaaten), ist ein Abfließen kaum zu verhindern.
  3. Der Boden trägt durch Einsaat einer Winterkultur oder einer winterharten Zwischenfrucht eine Pflanzendecke oder es handelt sich um Grünland. Durch diese Bedingung soll ebenfalls einer Abschwemmung vorgebeugt werden. Mit Pflanzendecke ist eine wachsende Kulturpflanze gemeint, die einen Düngebedarf hat. Abgefrorene Zwischenfrüchte gelten nicht als Pflanzendecke.

  4. Wenn durch das Befahren bei frostfreiem Boden die Gefahr einer Bodenverdichtung und von Strukturschäden nicht besteht. Damit hat der Gesetzgeber die Argumente der Landwirte bzgl. einer bodenschonenden Aufbringung aufgenommen.
  5. Bei gefrorenem Boden dürfen nicht mehr als maximal 60 kg Gesamt-N je ha ausgebracht werden. Durch die Begrenzung soll verhindert werden, dass bei ungünstigen Bedingungen nach der Ausbringung die N-Verluste in die Umwelt zu groß sind. Die Beschränkung auf 60 kg N/ha gilt für die gesamte Dauer der Frostperiode, bis der Boden einmal komplett frostfrei ist. Eine Düngung von jeweils 60 kg N/ha z.B. am Montag und nochmal am Dienstag wäre damit nicht zulässig.

Bei Dauerfrost: Düngung nicht zulässig

Wenn diese fünf Bedingungen eingehalten werden, sind Düngungen zulässig, die die Tragfähigkeit nachts gefrorener Böden ausnutzen, wenn

  • die Flächen im Tagesverlauf aufgrund positiver Temperaturen in den Nachmittagsstunden oberflächig auftauen und
  • die ausgebrachten Düngemittel vom Boden aufgenommen werden können.
  • Bei Dauerfrost, also an Tagen, an denen der Boden tagsüber an der Bodenoberfläche nicht auftaut, ist eine Düngung nicht zulässig.

Informationen über die zu erwartenden Temperaturen sowie Frost- und Auftautiefen können den Agrarwetter-Internet-Seiten des Deutschen Wetterdienstes entnommen werden. Letztlich ist zu beachten, dass ein Boden nicht aufnahmefähig ist, wenn nach dem Auftauen eine Wassersättigung vorliegt.

Keinerlei Düngung bei Schnee

Bei Schneeauflage war eine Düngung bisher nur dann verboten, wenn die Schneedecke mehr als 5 cm hoch war. Diese Höhenbeschränkung ist komplett entfallen, so dass nunmehr auch bei geringer Schneeauflage keinerlei Düngung mehr zulässig ist. Als Richtschnur für die Praxis kann gelten, dass eine Düngung verboten ist, sobald die Bodenoberfläche wegen Schnee nicht mehr zu erkennen ist.

Da eine Düngung auf schneebedeckten Flächen zu Unverständnis in der Bevölkerung führt und nicht geeignet ist, das Image der Landwirte zu verbessern, muss auch aus diesen Gründen darauf verzichtet werden. Pflanzenbaulich sinnvoll ist es so gut wie nie. Bei nur teilweiser Schneebedeckung (Nordhang, Waldschatten) sind diese Teilflächen bei der Aufbringung auszunehmen.

Jeder Landwirt hat die Pflicht, vor einer Aufbringung von Gülle und anderen stickstoffhaltigen Düngemitteln die Aufnahmefähigkeit des Bodens zu prüfen. Im Zweifel und bei Grenzsituationen (Tageshöchsttemperaturen um 0° C) muss auf die Ausbringung verzichtet werden.

Ausreichender Sicherheitsabstand zu Gewässern

Ein ausreichender Sicherheitsabstand zu Gewässern ist in jedem Fall einzuhalten:

  • Bei Breitverteilung der Gülle beträgt dieser mindestens 4 m bis zur Böschungsoberkante. 
  • Werden bodennahe Ausbringtechniken (Schleppschlauch, Schleppschuh, Schlitztechniken) eingesetzt, muss ein 1 m breiter Streifen an der Böschungsoberkante völlig frei bleiben, denn auf diesem Streifen herrscht ein völliges Ausbringverbot.
  • Zwar sind die in Grünlandregionen verbreiteten Entwässerungsgrüppen keine Gewässer in diesem Sinne, dennoch darf auch in die Grüppen keine Gülle gelangen, denn diese würde mit Niederschlägen in die Vorfluter abgeschwemmt werden.
  • Verstöße gegen die Regelungen sind bußgeldbewehrt und Cross-Compliance relevant.

Weitere Informationen geben die Mitarbeiter der örtlichen Dienststellen der Landwirtschaftskammer.    

Mehr zum Thema Düngung mit organischen Düngern lesen Sie in der LAND & Forst 05/19.

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