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Düngeverordnung

Herbstdüngung: Was die Ackerbauern stört

Herbstduengung
am Freitag, 31.08.2018 - 10:48

Wirtschaftsdünger aus Veredlungsregionen könnte in Ackerbauregionen sinnvoll verwertet werden. Doch genau daran hapert es seit Inkrafttreten der Düngeverordnung.

Aus Angst vor Strafe bei Fehlern im komplizierten Verfahrensablauf und wegen geringer Düngewirkung auf den schweren Böden ziehen viele Ackerbaubetriebsleiter die Mineraldünger mit ihrer verlässlichen Nährstoffverfügbarkeit dem tierischen Dünger vor.

Ackerbauern wollen im Herbst ihre Zwischenfrüchte mit Stickstoff und die Folgefrüchte mit Grundnährstoffen versorgen. Beides gelingt ihnen zunehmend nicht mehr:

  • Die absolute Grenze zur Herbstdüngung liegt bei 60 kg N gesamt bzw. 30 kg NH4. Die Gefahr von Ammoniumverlusten bei der Ausbringung ist sehr hoch und mindert die Wirksamkeit. Zu Weizen darf nicht mehr gedüngt werden.
  • Hohe Strohmengen binden Stickstoff. Hohe Gehalte an DreischichtTonmineralien in den Böden der Hildesheimer Börde nehmen legen zusätzlich Ammonium vorübergehend pflanzenunverfügbar fest. Auf schweren Böden ohne langjährige organische Düngung ist die herbstliche Mineralisierung sehr unterschiedlich. Man sieht oft verhungerte Zwischenfruchtbestände.
  • 60 kg N als Mineraldünger sind zuverlässiger für die Pflanzenentwicklung. Gute Senf oder Ölrettichbestände nehmen durchaus bis 100 kg N/ha auf und schützen vor Verlagerung im Boden.
  • Tierische Nebenprodukte werden in der Regel nur mit Nährstoffgehalten nach Tabellen der Düngebehörden gehandelt. Biogasanlagen müssen dagegen ihre Gärreste auf Nährstoffe untersuchen lassen.
Herbstdüngung-Probe

Nach neuen Richtwerten dürfen im Herbst z.B. nur noch 60/30 kg N über:

  • 2,7 to. Hühnertrockenkot (HTK, Standard 22,2 kg N/to) oder
  • 2,2 to. Hähnchenmist (Standard 27 kg N/to) oder
  • 11 m³ Schweinegülle (im Schnitt 5,5 kg N gesamt)
  • 9 m³ Schweinegülle (im Schnitt bei 3,3 Kg NH4) ausgebracht werden.


Damit werden zeitgleich lediglich

  • 53 kg P2O5 + 48 kg K2O bei 2,7 t HtK oder
  • 46 kg P2O5 + 43 kg K2O bei 2,2 t Hähnchenmist oder
  • 24 kg P2O5 + 32 kg K2O bei 9 m³ Schweinegülle im Durchschnitt ausgebracht.
  • Lohnunternehmer verlangen hohe Mindermengenzuschläge für die Ausbringung. Der Landwirt muss zusätzlich noch die Grunddüngerergänzung dazu kalkulieren.
  • Nach betriebswirtschaftlicher Bewertung entsteht ein Vorteil nach Ausbringung von 10 bis 12 €/t Geflügelmist (25 bis 30 €/ha).  Die Landwirte handeln sich Nachteile in der Nährstoffbilanzierung, der Teilnahme an der Verbringungs und Meldeverordnung sowie Rechenschaftspflichten im Prüfungsfall ein. Es müssen immerhin hohe 83% des Stickstoffs in der Düngebilanz berücksichtigt werden.

Das fordern Ackerbauern deshalb:

  • Abgeber von Wirtschaftsdünger müssen dringend verlässlichere Nährstoffgehalte liefern. Stoffstrombilanzen dieser Betriebe müssen plausibel sein und sollten von der Düngebehörde ausgewertet werden.
  • Auf schweren Böden reichen 60 kg N/30 kg NH4 aus Organik zur Zwischenfrucht nicht aus. Es besteht kaum Auswaschungsgefahr und 60 kg wirksamer Stickstoff wie bei Mineraldünger wären anzustreben.
  • Alternativ wären organische Dünger mit sehr wenig Stickstoff und viel Phosphor und Kali vorteilhaft.
  • Strohausgleichsdüngung auf schweren Böden zu Stoppelweizen wäre fachlich begründbar. 60/30 kg N dürften dazu ausreichen (analog zur Wintergerste).
  • Im Boden gebundene Nährstoffe durch Humusanreicherung sind in der Bilanzierung zu berücksichtigen wie jetzt bei Kompost möglich.
  • Bei nachweislich eingehaltener Düngebilanz sollten Betriebe von den umfangreichen Meldepflichten und Stoffstrombilanzierungen freigestellt werden.
  • Die Mistlagerung am Ackerrand sollte über längere Zeit möglich sein.
  • Biogasanlagen dürfen aufgrund nicht nachweisbarer Nährstoffmengen nicht verurteilt werden, Missbrauch zu betreiben oder Verwertungskonzepte nicht anerkannt zu bekommen.