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Düngeverordnung

Pferdemist wertvoll für eigenen Acker

Strohmanagement im Laufstall
am Montag, 22.10.2018 - 11:08

Die Düngeverordnung macht genaue Vorgaben für den Umgang mit Mist, auch für Pferdebetriebe. Wir stellen den Weg der Kleemeyer GbR aus Wehye bei Bremen vor.

Wohin mit dem Pferdemist? Das hat sich so mancher Pferdebetrieb seit Inkrafttreten der neuen Düngeverordnung auch schon gefragt. Denn es ist nicht mehr selbstverständlich, dass andere Betriebe Pferdemist abnehmen.

Harm und Dirk Kleemeyer aus dem niedersächsischen Wehye bei Bremen betreiben einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit Pferdezucht. Mistlagerung und Verwertung haben sie seit Jahren gut in die landwirtschaftlichen Betriebskreisläufe eingebunden. Im Jahr 1983 wurde der Betrieb konsequent von Hermann Kleemeyer zu einem Pferdezucht- und -ausbildungsbetrieb weiterentwickelt. Andere Tierarten wie Schweine und Rinder gingen vom Hof, ein Pensionsstall für Pferde wurde gebaut.

Strohbedarf aus dem eigenen Ackerbau

Heute versorgt die Kleemeyer GbR um die 130 Pferde, neben eigener Zucht auch Pferde für Kunden aus dem In- und Ausland. Der Hof wurde über die Jahre um Einrichtungen speziell für Pferde erweitert. Eingestreut werden die Boxen und Laufställe mit etwa 1.000 Ballen Roggen- und 200 Ballen Haferstroh im Jahr. Der Betrieb kann dabei seinen kompletten Strohbedarf aus dem eigenen Ackerbau decken und daher auf die Stroh-Qualität selber Einfluss nehmen.

Kornerträge auch in Niedersachsen stark eingebrochen

Harm Kleemeyer: "Auf unseren 125 ha Ackerflächen bauen wir wegen unseres Strohbedarfs Roggen und als Futter Hafer an". Durch die Trockenheit sind in diesem Jahr die Kornerträge auf den lehmig-sandigen Böden (bis 60 Bodenpunkte) um 50 Prozent eingebrochen. Nur nicht bei dem Hafer, den der Landwirt in diesem Frühjahr noch auf Frost gesät hatte. "Doch Stroh hatten wir genug", ergänzt er.

Mistplatten als Mistlagerstätten

Zwei Mistplatten (je 12 x 12 x 3m = 432m³) an den Ställen dienen als Mistlagerstätten. "Hinzu kommen auch die Tiefstreuställe zur Pferdeaufzucht, teilweise mit einer Tiefe von 80 cm, die auch als Mistlager zählen", ergänzt Dirk Kleemeyer. Ein Großteil der Laufflächen der Ställe kann direkt mit dem Gummischieber am Teleskoplader auf die Mistplatten abgeschoben werden.

Auch sämtliches Oberflächenwasser, das mit Mist in Kontakt kommen kann, wird vorschriftsmäßig aufgefangen. Dazu dient ein Güllebehälter mit einem Fassungsvermögen von 1.300 m3. "Hier werden auch 700 bis 900 m3 Schweinegülle gelagert", so Dirk Kleemeyer.

Düngeverordnung und Mistmanagement

Strohmanagement im Laufstall

Als Mitarbeiter beim Landvolk Mittelweser hat er sich intensiv mit dem Thema Düngeverordnung und Mistmanagement beschäftigt. Zur Mistbilanz gehören auch noch kleinere Mengen Pferdemist, die der Hof Kleemeyer von umliegenden Hobbypferdehaltungen aufnimmt bzw. der Mist, den Kleemeyer abgeben kann.

Laut niedersächsischer Verordnung über die Meldepflicht bei Wirtschaftsdüngern müssen auch Kleinstmengen an Mist, die von anderen Betrieben aufgenommen werden, monatlich von dem aufnehmenden Betrieb per Internet in das Meldeprogramm bei der Düngebehörde gemeldet werden.

Da es hier keine Bagatellgrenze mehr gibt, hat so mancher Pferdebetrieb erfahren müssen, dass sein Nachbar den Mist, unter anderem wegen dieser Meldepflicht, nicht mehr abnehmen will.

Pferdemist: Als Substrat an Pilzzuchtbetrieb

Der Betrieb Kleemeyer hat Glück: Ein Viertel seines Pferdemistes kann er als Substrat an einen Pilzzuchtbetrieb abgeben. Den übrigen Pferdemist lässt Kleemeyer mit 5 bis 10 t je ha von einem Dienstleister im Frühjahr zu Hafer und Mais und im Herbst zu Raps ausbringen. Danach wird er eingegrubbert. Der Mist in Ackernähe wird ohne Zwischenlager direkt von der Mistplatte geholt, der übrige Mist muss kurz auf dem Feld zwischengelagert werden.

Nährstoffe und bodenverbessernde Wirkung von Mist nutzen

"Auch vor der neuen Düngeverordnung haben wir den Mist bedarfsgerecht ausgebracht, denn wir wollten die Nährstoffe und die bodenverbessernde Wirkung von Mist schon immer für unseren Acker optimal nutzen", bekräftigt der Landwirt. Der Betrieb Kleemeyer liegt im Wasserschutzgebiet Ristedt und nimmt an der freiwilligen Wasserschutzberatung durch das Ingenieurbüro Ingus (Syke) teil. 

Nur die 50 ha Weiden und Mähgrünland bekommen als Schutz vor Parasiten keinen Mist. Diese werden überwiegend mit Gärrest gedüngt, der aus dem Maisanbau für eine Biogasanlage resultiert.

Mit wieviel Mist Sie je nach Art der Pferdehaltung rechnen müssen, lesen Sie in der LAND & Forst 42/18.

LAND&Forst

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