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Düngeverordnung

Raps hat Appetit auf Stickstoff

Blühender Raps
Lüder Cordes, Landwirtschaftskammer Niederachsen
am
14.02.2018

Die erste Düngergabe zu Raps steht an. Doch dieses Jahr ist vieles neu. So muss vorab eine Düngebedarfsermittlung durchgeführt werden. Worauf kommt es jetzt an?

Die Düngung der Ackerkulturen steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der neuen Düngeverordnung. Bevor die erste Düngergabe zu Raps erfolgen kann, muss daher eine Düngebedarfsermittlung durchgeführt werden.

Dabei darf der kritische Blick in die Kultur nicht vernachlässigt werden, denn die Rapsschläge sind zurzeit sehr unterschiedlich entwickelt.  Hohe Niederschlagsmengen haben zur Verlagerung von Stickstoff und Schwefel geführt. Auf eine schlechte N-Versorgung deutet die Vergilbungen der älteren Blätter hin. Ende Februar sollte die startbetonte, erste N-Gabe erfolgen.

Aktuelle Situation 2018

  • Die Rapsbestellung und besonders die Wachstumsphase im Herbst waren vielerorts durch die extreme Nässe geprägt.
  • Auf den leichteren, durchlässigeren Böden traten weniger Probleme auf, hier konnte sich der Raps oft noch relativ gut entwickeln.
  • Auf den sandigen Standorten wurde das Wachstum eher durch die knappe Stickstoffmenge bzw. den verlagerten Stickstoff begrenzt. Häufig sind hier die älteren Blätter aufgrund des Stickstoffmangels vergilbt.
  • Besonders auf den schluffigen und schweren Böden erfolgte die Bestellung vielerorts unter schwierigen Bedingungen, Verdichtungen ließen sich kaum vermeiden.
  • Betrachtet man aktuell die Wurzeln der Rapspflanzen, findet man häufig nur sehr flach verlaufende Pfahlwurzeln oder die Hauptwurzel weicht den Verdichtungen zur Seite hin aus.
  • Die schlechte Bodenstruktur führte dazu, dass das Niederschlagswasser in den Böden schlechter abgeleitet werden konnte. Infolge dessen wurden die Bodenporen im stärkeren Umfang zugespült, sodass sich die Wassersättigung weiter verstärkte.
  • Es kam und kommt immer noch zu Sauerstoffmangel im Boden. Die schlechte Bodenstruktur und zeitweilige Übernässung hat insgesamt dazu beigetragen, dass die Durchwuchstiefe geringer war und ein Teil der Feinwurzel durch die fehlende Bodenluft wieder abgestorben ist.
Raps-Mangelsymptome

Grundsätzlich ist unter nassen Bedingungen die Nährstoffaufnahme der Pflanzen stark eingeschränkt, eine aktive Aufnahme von Kationen ist so kaum möglich. Eine schlechte Bodenstruktur und die zeitweilige Übernässung der Flächen führen auch zu schlechten Mineralisierungsbedingungen. Inwieweit sich diese in den nächsten Wochen und Monaten noch auswirken, wird der weitere Verlauf der Vegetation zeigen.

Nährstoffe verlagert

  • Die starken Niederschläge haben Auswirkungen auf den Nährstoffgehalt in den Böden insgesamt.
  •  Mit Stickstoff- und Schwefelverlagerungen muss gerechnet werden.
  • Auf den leichteren Böden werden wahrscheinlich schon wesentliche Stickstoffmengen den durchwurzelbaren Raum verlassen haben.
  • Inwieweit dies auch für die schweren Böden zutrifft, werden die aktuellen Nmin-Untersuchungen zeigen.
  • Die häufig jetzt auf den Rapsfeldern zu beobachtenden Vergilbungen der älteren Blätter weisen bereits auf eine knappe Stickstoffversorgung hin.
  • Neben der Reduktion der älteren Blätter besteht die Gefahr, dass auch die Anlagen von Seitentrieben oder auch Blütenanlagen reduziert werden.
  • Unter diesen Bedingungen sollte versucht werden, den Pflanzen eine noch möglichst intensive Wachstumsphase unter Kurztagsbedingungen im Frühjahr zu ermöglichen.
  • In dieser Phase werden noch Seitentriebe und die Ertragsorgane angelegt. Mit dem Übergang zum Langtag (Ende März) streben die Pflanzen in die Streckung, etwa Mitte April ist die Anlage der Seitentriebe beim Raps weitgehend abgeschlossen.
  • Sollte die Witterung einen frühen Vegetationsstart ermöglichen, sollte dieser besonders in schwachen Beständen durch eine kräftige Andüngung unterstützt werden.

Pflanzenbedarf und Düngerecht in Einklang bringen

Zukünftig müssen aber die dargestellten pflanzenbaulichen Aspekte mit den Anforderungen des aktuellen Düngerechtes in Einklang gebracht werden. Ein wesentlicher Punkt ist dabei, dass vor dem Ausbringen von Düngemitteln der Düngebedarf an Stickstoff und Phosphor zu ermitteln und schriftlich zu dokumentieren ist. Dies ist für jeden einzelnen Schlag durchzuführen.

Im Einzelfall können mehrere Schläge bei gleichen Ausgangsbedingungen (Vorfrucht, Bodenart, etc.) zu Bewirtschaftungseinheiten zusammengefasst werden. Die Düngebedarfsermittlung für Phosphor entspricht den bisherigen Empfehlungen und ist anhand von Bodenanalysen entsprechend den Vorgaben der LWK Niedersachen zu erstellen.

Stickstoff-Düngebedarf

Ausgangspunkt für die Ermittlung des N-Düngebedarfs ist ein Kultur-spezifischer N-Bedarfswert, der in Abhängigkeit vom Ertrag festgesetzt wurde.

  • Bei Raps beträgt dieser Wert bei einem mittleren Ertragsniveau von 40 dt/ha 200 kg N/ha.
  • Von dem N-Bedarfswert sind gegebenenfalls Zu- und Abschläge aufgrund von abweichendem Ertragsniveau im Durchschnitt der letzten drei Jahre vorzunehmen und zwar pro 5 dt/ha Mehrertrag 10 kg/ha N-Zuschlag und pro 5 dt/ha Minderertrag 15 kg/ha N-Abschlag vom Bedarfswert 200 kg N/ha.

Darüber hinaus werden

  • Abschläge in Höhe des aktuellen Nmin-Wertes, vom Humusgehalt des Bodens (bei Werten größer als 4 % sind 20 kg N/ha abzuziehen), der N-Nachlieferung aus organischer Düngung des Vorjahres (10 % des Gesamt-N aus der organischen Düngung des Vorjahres) sowie der N-Nachlieferung in Abhängigkeit von Vor- und Zwischenfrüchten gemacht.

Bei den aufgeführten Empfehlungen wurde ein Stickstoffbodenvorrat (Nmin) auf leichten Böden (S, lS, SL) von 10 bis 15 kg N/ha und auf besseren Standorten von 15 bis 25 kg N/ha unterstellt. Liegen Nmin-Ergebnisse vor oder werden andere Werte erwartet, so sind die Düngeempfehlungen entsprechend zu korrigieren.

Nach der Planung kommt die Verteilung

Wurde der Düngebedarf ermittelt, geht es an die Planung der Düngeverteilung:

Da das Wachstum beim Raps sehr zeitig und bereits bei niedrigen Bodentemperaturen einsetzt, wird auch die erste N-Gabe zeitig zum Vegetationsbeginn ab Ende Februar gegeben.
Der optimale Termin für die zweite Düngergabe liegt in der frühen Streckungsphase. Ist witterungsbedingt eine frühe Startgabe nicht möglich, kann besonders auf schweren und kalten Standorten die gesamte N-Menge in einer Gabe gedüngt werden.

Auch in schwachen Beständen und etwas schweren Standorten kann es sinnvoll sein, die gesamte N-Menge schon zum Vegetationsbeginn zu düngen.

Tipps für üppige Bestände

  • Überwachsene Rapsbestände sollten vorsichtiger angedüngt werden.
  • Die starke vegetative Entwicklung dieser Bestände vor dem Winter mit einem verstärkten Blattaufbau wirkt sich sonst negativ auf Knospenausbildung und Standfestigkeit aus.
  •  In üppigen Beständen sollten in erster Linie N-Dünger mit Schwerpunkt Ammonium-N oder Harnstoff erfolgen.
  • Mögliche N-Reduktionen aufgrund der üppigen Herbstentwicklung sollten genutzt werden (bei üppigen Beständen lassen sich 20 bis 30 kg N/ha einsparen).
  • Bei gut entwickelten Pflanzen sollte diese Reduktion gleichmäßig auf die erste und zweite Gabe angerechnet werden.
  • Verlieren die Pflanzen aufgrund weiterer Fröste noch mehr Blätter oder es beginnen die älteren und mittleren Blätter zu vergilben bzw. sich stärker violett zu verfärben, sollten mögliche N-Reduktionen aufgrund der üppigen Herbstentwicklung ausschließlich bei der zweiten Gabe berücksichtigt werden.

Tipps für schwache Bestände

  • In solchen Beständen sollte die Düngung des Rapses startbetont erfolgen. Die Rapspflanzen sollten in der relativ kurzen vegetativen Wachstumsphase, in der Ertragsorgane angelegt werden, möglichst optimale Wachstumsbedingungen haben.
  • Die zweite Gabe N-Gabe eventuell vorziehen. Eine frühe zweite N-Gabe kann dazu beitragen, mögliche Reduktionsprozesse in der frühen Streckungsphase zu begrenzen.
  • Nitrathaltige Dünger verwenden: Schwache Bestände reagierten in Versuchen positiv auf den Einsatz nitrathaltiger Dünger wie ASS oder KAS. Gerade, wenn das Wurzelwerk aufgrund phasenweiser Übernässung und schlechter Bodenstruktur geschwächt ist, sollte die Startgabe einen höheren Nitratanteil enthalten.
  • Startgabe eventuell mit DAP kombinieren: wasserlösliches Phosphat (P) kann die Regeneration der Pflanzen fördern, insbesondere wenn die P-Versorgung des Standortes knapp ist. Auf der anderen Seite ist einzelbetrieblich zu prüfen, ob dies im Rahmen der vorgegebenen P-Salden noch möglich ist. Phosphat in organischen Düngern ist im Wesentlichen organisch gebunden und damit zur Förderung der Regeneration geschwächter Pflanzen weniger geeignet.
  • Auf ausreichende Versorgung mit Kalk und Grundnährstoffen achten (P, K, Mg): Die leichten, tonarmen Böden verfügen über eine relativ geringe Kationenaustauschkapazität. Hier kann es nach den hohen Regenmengen auch zu Verlagerungen von Kalium, Magnesium und Kalk gekommen sein. Die Versorgung mit Grundnährelementen sollte kontrolliert werde. Auch der pH-Wert sollte zu Vegetationsbeginn beobachtet werden. Bei leichteren Böden kann es auf Flächen mit relativ niedrigen pH-Werten zu einer weiteren Verschlechterung des Kalkzustandes gekommen sein.

Organische Dünger

Ausbringung von Gülle im Raps im Frühjahr

Raps ist in der Lage, im Herbst gedüngte organische Dünger gut zu verwerten. Im Frühjahr ist die Effektivität organische Dünger im Raps deutlich ungünstiger, da der organisch gebundene Stickstoff oft zu spät verfügbar wird. Unter günstigen Witterungsbedingungen können je nach Standort und Düngerart etwa 50 bis 60 % des Gesamtstickstoffgehalts aus der organischen Düngung zur Stickstoffversorgung berücksichtigt werden.

Die unterdurchschnittliche Ausnutzung organisch gebundenen Stickstoffs belastet die N-Bilanz des Betriebes. Der Anteil der organischen Düngung zu Raps sollte daher eher begrenzt ausfallen (z.B. 12 bis 15 m³ Schweinegülle). Sollen organische Dünger zu Raps gegeben werden, sollte dies möglichst zeitig zu Vegetationsbeginn, gefolgt von einer vorgezogenen mineralischen Schossgabe, erfolgen.

Schwefel nicht vernachlässigen

Neben Stickstoff hat der Raps einen hohen Schwefelbedarf (S). Die extremen Niederschläge werden auch die Schwefelvorräte im Boden vermindert haben. Wenn in normalen Jahren 30 bis 40 kg S/ha empfohlen werden, sollten in diesem Jahr mindestens 40 kg Schwefel je ha ausgebracht werden.
Der Schwefel sollte dabei zu Vegetationsbeginn gegeben werden.
Für die Kombination von Stickstoff- und Schwefeldüngung bieten sich z.B. die Kombinationsdünger Piamon (33 % N + 12 % S), Ammonsulfatsalpeter (26 % N + 14 % S) oder Schwefelsaures Ammoniak (21 % N + 24 % S) an. Die üblichen Wirtschaftsdünger eignen sich nicht dazu, die Schwefelversorgung sicherzustellen. Ihr Schwefelgehalt ist sehr gering (etwa 0,5 %) und liegt in organisch gebundener Form vor.

  • Hilfestellung bei der Düngebedarfsermittlung kann ein kostenloses von der LWK Niedersachsen entwickeltes Excel-Programm bieten, dass unter www.lwk.niedersachsen.de herunter geladen werden kann (Webcode 01032563).
  • Für weitergehende Informationen stehen Ihnen die Berater der LWK an den Bezirksstellen zur Verfügung.
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