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Verschärfte Düngeregeln: Womit Ackerbauern rechnen müssen

Stoppeldüngung-Kali
Dr. Gerhard Baumgärtel, LWK Niedersachsen
am
10.04.2019

Niedersachsens Landwirte diskutieren viel über die geforderte schärfere Düngeverordnung. Hier mögliche Änderungen für Ackerbauern.

Bis heute steht noch nicht im Detail fest, wann und in welcher Form die Vorschläge für eine Verschärfung der Düngeverordnung umgesetzt werden. Nachfolgend ein vorläufiger Überblick über die geplanten wesentlichen Änderungen der Düngeverordnung (DüV). Sie beziehen sich auf drei Bereiche:

  • Nährstoffvergleiche
  • Generelle Maßnahmen
  • Verbindliche Maßnahmen in Roten Gebieten (Grundwasserkörper in einem schlechten chemischen Zustand).

Nährstoffvergleiche gestrichen

Die Nährstoffvergleiche in der DüV sollen gestrichen werden. Künftig ist nur noch der Düngebedarf zu ermitteln. Diese maximal erlaubte Solldüngung wird dann mit der auf Schlagebene aufzuzeichnenden Ist-Düngung (mineralische und organische N-und P-Düngermengen) verglichen.

Die vorgeschlagene Protokollierungspflicht der Düngungsmaßnahmen innerhalb von zwei Tagen würde lediglich zu mehr Bürokratie führen. Die Stoffstrombilanzierung bleibt.

Kommentar: Vereinfachung, entscheidend wird sein, wie hoch künftig der Stickstoff aus organischen Düngern bei der Deckung des N-Düngebedarfs anzusetzen ist.

Definition für "emissionsarme Ausbringungsverfahren" fehlt

  • Bei Gülle und flüssigen Gärresten sind in Verbindung mit der Anwendung von emissionsarmen Ausbringungsverfahren um 10 % höhere verfügbare Stickstoffmengen im Jahr des Aufbringens anzurechnen. Kommentar: Es fehlt die genaue Definition für „emissionsarme Ausbringungsverfahren“.
  • Die im Herbst zu Winterraps und Wintergerste aufgebrachte Stickstoffmenge ist in Höhe des verfügbaren Stickstoffs bei der Düngebedarfsermittlung im Frühjahr zu berücksichtigen. Kommentar: genaue Definition für „verfügbaren Stickstoff“ fehlt. Falls damit z.B. die gesamte N-Mineraldüngermenge vor der Aussaat von Raps in Höhe von z.B. 40 kg N/ha gemeint ist, wäre dies fachlich nicht haltbar. Messung der Stickstoffmengen im Winterrapsaufwuchs im Frühjahr als Korrektiv für die anschließende N-Düngung wäre fachlich sinnvoller.
  • Im Fall eines höheren Düngebedarfs infolge nachträglich eintretender Umstände darf der ursprünglich ermittelte Düngebedarf um höchstens 10 % überschritten werden. Kommentar: Sehr starke Einschränkung der bedarfsgerechten Düngung. Statt dieser Generalisierung sollte wie bisher die zuständige Länderdienststelle entscheiden können.

Vier Maßnahmen in Roten Gebieten

In den in Niedersachsen noch auszuweisenden Roten Gebieten sollen folgende vier Maßnahmen bundesweit verbindlich gelten, die, wenn es so kommt, sich erheblich auf die Betriebe auswirken würden.

  • Der ermittelte Stickstoffdüngebedarf ist um 20 % zu verringern: Dieser Wert darf bei der Düngungsmaßnahme nicht überschritten werden. Kommentar: Sehr starke Einschränkung der bedarfsgerechten Düngung, 20 % unter dem Bedarf ist suboptimal und deshalb mit Ertrags- und Qualitätsverlusten verbunden. Aus der Sicht einer bedarfsgerechten Pflanzenernährung ist diese Vorgabe nicht vertretbar. Versuchsergebnisse zeigen, dass dadurch keine nennenswerte Minderung der auswaschungsgefährdeten Nitratmengen zu erzielen ist.
  • Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff dürfen zu Winterraps und Wintergerste sowie zu Zwischenfrüchten ohne Futternutzung nicht aufgebracht werden. Kommentar: Sehr starke Einschränkung der bedarfsgerechten Düngung. Statt dieser Generalisierung sollte wie bisher die zuständige Länderdienststelle entscheiden können, standort- und bewirtschaftungsbedingte Differenzierungen vorzunehmen. Ausreichende Zwischenfruchtbestände für den Erosionsschutz, die Nematodenreduktion sowie den Humusaufbau können auf nährstoffärmeren Standorten nicht mehr eta- bliert werden. Eine Verschärfung der Lagerraumproblematik ist zusätzlich die Folge.
  • Organische und organisch-mineralische Düngemittel, einschließlich Wirtschaftsdüngern, Nährstoffe dürfen nur so aufgebracht werden, dass die aufgebrachte Menge an Gesamtstickstoff je Schlag, je Bewirtschaftungseinheit 170 kg N/ha/Jahr nicht überschreitet. (bzw. die zusätzliche Möglichkeit für die Länder, für Ackerland auf 130 kg abzusenken). Kommentar: Reicht die Begrenzung der P-Zufuhr nicht aus? Auf Böden mit mehr als 20 mg CAL-P2O5/100g Boden darf Phosphor maximal in Höhe der P-Abfuhr zugeführt werden. Bei den in der Geflügel- und Schweinhaltung anfallenden organischen Düngern wird Phosphat begrenzend sein, sodass die 170 kg N/ha gar nicht erreicht werden. Am ehesten betroffen wären dann organische Dünger aus der Rinderhaltung. Nicht genutzte Nährstoffe aus den organischen Düngern müssten dann durch Mineraldünger ersetzt werden, insbesondere bei einer Absenkung auf 130 kg N/ha.
  • N-haltige Düngemittel dürfen zu Kulturen mit einer Aussaat oder Pflanzung nach dem 1. Februar nur ausgebracht werden, wenn im Herbst des Vorjahres eine Zwischenfrucht angebaut wurde, die nicht vor dem 15. Januar umgebrochen werden darf. Kommentar: Hier muss aus fachlichen Gründen für die Etablierung einer vernünftigen Zwischenfrucht ein spätmöglichster Aussaattermin, z.B. bis 15. September festgelegt werden, eventuell auch ein Ausschluss von Trockengebieten.

Zwei zusätzliche Anforderungen

Die Landesregierungen haben in ihren Rechtsverordnungen mindestens zwei zusätzliche Anforderungen vorzuschreiben. Diese Maßnahmen können aus dem Katalog in § 13 Absatz 2 DüV entnommen werden oder es können eigene, länderspezifische Maßnahmen gewählt werden.

Mehr zum Thema verschärfte Düngeverordnung, auch zum Stichwort Wasserschutz, lesen Sie in der LAND & Forst 16/18.

Warum Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast gegen eine verschärfte Düngeverordnung ist.

Verschärfte Düngeregeln: Womit Grünlandbetriebe rechnen müssen.

 

Karte zur Grundwasser-Nitratbelastung in Niedersachsen zum Download

LAND&Forst

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