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Kommentar

Frustriert statt zuversichtlich

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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
22.08.2018

Über die Hälfte der Sauenhalter will aufhören, besagt eine Umfrage. Was lief falsch?

Eine Umfrage unter Sauenhaltern lässt aufhorchen. Die Inhaber von 645 Ferkelerzeugerbetrieben im ganzen Bundesgebiet haben sich gegenüber der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) zu ihren Zukunftsplänen geäußert. Für über die Hälfte lautet der Plan: Aufhören in den nächsten zehn Jahren. Das ist zutiefst frustrierend. Zu den Aussteigern werden viele Familienbetriebe in Niedersachsen gehören – Betriebe, die eigentlich Aushängeschilder der hiesigen Landwirtschaft sind.

 

Die Gründe sind vielfältig

Als Gründe fürs Aufgeben wurden unter anderem die vielen Auflagen in der Produktion genannt, aber ebenso die politischen Unsicherheiten für die Ferkelerzeugung. Paradebeispiel dafür ist das Verbot der betäubungslosen Kastration, das eigentlich in vier Monaten gelten soll. Für die wenigen (glücklichen) Ferkelerzeuger, die an Ebermäster liefern oder selbst Eber mästen, ist das kein Problem. Aber wo sind realistische Lösungen für die überwiegende Mehrheit der Sauenhalter? Fehlanzeige!

Christa Diekmann-Lenartz

In der Öffentlichkeit haben die Landwirte wieder einmal den Schwarzen Peter. Der Klimawandel bedroht die Landwirtschaft, und sie kriegen nicht einmal eine „Kleinigkeit“ wie das Kastrationsverbot gebacken, obwohl das Ausstiegsdatum doch so lange feststeht. So wird das Problem vielfach wahrgenommen. Wie so oft wird völlig übersehen, dass Landwirte nur das letzte Glied in einer Kette sind. Sie haben keinen Einfluss darauf, wie die Produktionskette Schweinefleisch mit dem Thema umgeht und wie sie es gegenüber dem Verbraucher kommuniziert.

Wirklichen Einfluss haben der Lebensmittelhandel und die Politik. Der Handel aber, und mit ihm die Schlachthöfe, sitzt das Problem Kastration einfach aus. Wie die Lebensmittelketten ihren Kunden auch künftig „Regionalität“ sichern wollen, ist dabei nicht erkennbar. In der Pflicht ist die Politik. Besser: Sie wäre in der Pflicht gewesen. Sie hat den gesetzlichen Rahmen geschaffen, der den Sauenhaltern die Lust am Weitermachen raubt. Sie hätte sich rechtzeitig auch damit befassen müssen, ob der politische Wille überhaupt umsetzbar ist. Dafür hätte die gesamte Produktionskette an einen Tisch gehört, um gemeinsam Wege zu finden. Wäre, hätte…

 

Aufschub mit schalem Beigeschmack

Wie es scheint, ist den meisten Sauenhaltern jetzt die Zeit davongelaufen. Dass es voraussichtlich einen Aufschub beim Kastrationsverbot gibt, wird wenig ändern. Denn der Aufschub hat einen schalen Beigeschmack: Die nötige Lösungssuche wird lediglich vertagt, die Unsicherheit bleibt. Das ist kein echter Beitrag, das drohende Wegbrechen der deutschen Ferkelerzeugung zu verhindern.

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