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Baum des Jahres

Ein Hoch auf die Fichte

Fichte, Baum des Jahres 206
Dieter Scholz, Bezirksförsterei Hils-Vogler-Ost, LWK Forstamt
am
21.12.2016

Bisher fiel die Wahl der Bäume des Jahres meist auf gefährdete oder zumindest seltene Arten. Das ist in 2017 anders. Die Fichte kommt bundesweit am häufigsten vor. Für ihre Wahl gibt es dennoch gute Gründe.

Für die einen ist die Fichte (Picea abies) „Brotbaum“ und Symbol einer gelungenen Wiederbewaldung, für die anderen Inbegriff einer fehlgeleiteten Forstwirtschaft, die Monokulturen hervorbrachte. Unbestritten aber ist: es lohnt sich, der Fichte viel Aufmerksamkeit zu schenken, denn sie ist nicht nur wirtschaftlich von großer Bedeutung, sondern gerät in Zeiten des sich ändernden Klimas auf die Seite der Verlierer. Stürme, lange Trockenheiten und Borkenkäfermassenvermehrungen setzen ihr zu. Immer weniger Anbaugebiete kommen deshalb infrage.

Risikostandorte

Die aus heutiger Sicht fehlerhaften, viel kritisierten Bestandesbegründungen der Vergangenheit werden nachvollziehbar, wenn man die historische Lage betrachtet: es herrschten große Holznot, Verpflichtungen zu Reparationshieben nach dem Krieg, ein Mangel an geeignetem Saatgut und große Flächen, die wiederbewaldet werden mussten. In dieser Situation war eine reine Fichtenwirtschaft das Mittel der Wahl. Sie versprach Bestände mit gutem Wuchsvermögen und einer hohen Stammholzausbeute (vollholzig), gepaart mit einem großen Vermarktungsspektrum als Massensortiment für vielfältige Verwendungszwecke.

Zugleich haben diese Eigenschaften dazu geführt, dass Fichten auch in Regionen gepflanzt wurden, die nicht ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet entsprachen: z.B. auf reine Kalk-standorte (erhöhtes Risiko für Rotfäule- und Kalkchlorosen), auf flachgründige Böden (Bildung von Tellerwurzeln, die Gefahr von Windwürfen steigt), in Küstennähe (erhöhten Anfälligkeit gegenüber Fichtenblattwespen und Wind) und auf zu trockene oder vernässte Standorte (anfällig gegenüber Fäule, Windwurf und Borkenkäfern).

Es gibt sie auch in höheren Lagen

Bis in die 1960er Jahre wurden für Sonderstandorte vereinzelt sogar nicht heimische Arten empfohlen: die Omorikafichte aus Serbien (= serbische Fichte) für flachgründige Kalkböden und die nordamerikanische Sitkafichte für nassere Böden – beide haben sich nicht bewährt (Ausnahme küstennaher Bereich).

Natürlich kommen Fichten in den höheren Lagen der Mittelgebirge und den Alpen vor. Auf feuchten, gut wasserversorgten Standorten erreicht sie gute Wuchsleistungen. Ihre Nährstoff- und Wärmeansprüche sind wenig ausgeprägt. Standortgerechte Bestände finden sich in den niedersächsischen Mittelgebirgen Solling und Harz. Eine bekannte, anerkannte Herkunft ist die „Westerhöfer Fichte“ aus dem Harzvorland.

Fichte oder Tanne?

Waldbesucher verwechseln Fichten häufig mit Tannen. Nicht von ungefähr wird die Gemeine Fichte neben Rotfichte auch Rottanne genannt. Zwei Merkmale machen die Unterscheidung leicht:

Die Nadeln sind bei Fichten spitz und stechen, bei Tannen dagegen eher flach, an der Spitze abgerundet und daher nicht stechend. Tannennadeln haben auf der Blattunterseite zudem weiße Wachslinien.

Die Zapfen der Fichten hängen nach unten und fallen als Ganzes ab, während die der Tannen aufrecht stehen und auf dem Baum zerfallen. Am Boden sind nur einzelne Schuppen zu finden.

In den Fichtenzapfen reifen im Herbst 4 bis 5 mm große Samen. Sie tragen bis zu 15 mm lange hellbraune Flügel, mit denen sie aus den sich öffnenden Zapfenschuppen herausfliegen. Für die Verbreitung sorgt der  Wind.

Zur vorausgehenden Fichtenblüte im Frühling tragen die Bäume neben den männlichen auch weibliche Blütenstände am gleichen Baum (einhäusig). Sie erscheinen zur Bestäubungszeit im April/Mai purpurrot. – In diesem Frühjahr konnte wieder eine eindrucksvolle Fichtenblüte wahrgenommen werden – in Form von gelben Pollenwolken, die sich als gelber Staub auf alles niederlegten

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