Gastkommentar Bauernregeln-Kampagne: Gegen die eigenen Bürger

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Das Bundesumweltministerium nennt es Humor, viele Landwirte fühlen sich tief verletzt. Bauer Willi geht es ganz genauso. „Warum jetzt noch Dialog?“, fragt er sich.

Bauer Willi auf dem Acker. © privat Bild vergrößern
Als „Bauer Willi“ ist der Landwirt und Buchautor Dr. Willi Kremer-Schillings im Internet bekannt. Anfang Januar war der Rheinländer beim Bremischen Landwirtschaftsverband zu Gast.

Als ich auf der Heimfahrt nach einem Vortrag von der Kampagne mit den Bauernregeln erfuhr, stieg zuerst Wut in mir auf. Doch dann folgten Resignation und Traurigkeit. Ich fühle mich verletzt, weil alle über einen Kamm geschoren werden.

Wozu sollen wir Landwirte uns dem Dialog öffnen, wenn uns Vertreter der eigenen Regierung so ins Kreuz treten? Von Nicht-Regierungsorganisationen kennt man das ja. Aber von einer Ministerin? Das ist dann doch eine andere Qualität.

Bundesumweltministerium kämpft gegen Bundeslandwirtschaftsministerium

Wenn staatliche Institutionen sich gegenseitig bekämpfen, kommen wir Bürger unter die Räder. Das Bundesumweltministerium (BMUB) kämpft gegen das Bundeslandwirtschaftsministerium. Es sieht eklatante Missstände in der Agrarwirtschaft und will sie grundlegend umbauen. Doch statt in der eigenen Regierung vorstellig zu werden, geht das BMUB öffentlich gegen die Berufsgruppe der Landwirte vor. Wirklicher Widerstand aus anderen Teilen der Regierung ist kaum hörbar.

Mit den angeblichen „Bauernregeln“ (die ich eher zynisch als humorvoll finde) fühlen sich sehr viele Landwirte persönlich gekränkt. Nach den ersten Reaktionen legt das Ministerium nach: Statt sich zu entschuldigen oder die Aussagen zumindest zu relativieren, fordert es die Landwirte auch noch zum Dialog auf. Der gefoulte Mitspieler hätte ja aus dem Weg gehen können...

Effizienzsteigerung ist unser Erfolg

Warum stehen wir Essensmacher so in der Kritik? Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten genau jene Effizienzsteigerung erbracht, welche die Politik mit der Liberalisierung der Agrarmärkte von der gesamten Agrarbranche gefordert hat. Unser Erfolg wird uns nun zum Vorwurf gemacht.

Der Mais für Biogasanlagen sollte vor einem Jahrzehnt die Bauern zu den „Scheichs von morgen“ machen. Heute kritisieren ihn genau jene, die vorher die Energiewende gefordert und beschlossen haben.

Dialog nicht abstrakt auf Plakaten

Die Signale der Veränderungsbereitschaft aus der Landwirtschaft sind unübersehbar. Verantwortungsvolle Politik muss sie aufgreifen und dann auch handeln, anstatt das Volk zu spalten. Einseitige Vorwürfe sind denkbar schlechte Voraussetzungen für einen Dialog. Von daher wäre es wünschenswert, wenn dieser Dialog nicht abstrakt auf Plakaten in den Städten geführt würde, sondern real, mit uns auf dem Land. Wir sind dazu bereit.

Und an meine Berufskollegen: Wut ist kein guter Ratgeber, Resignation ist keine Option! Wer aufgibt, hat schon verloren. Deshalb: Jetzt erst recht, Visier hoch, sich der (manchmal auch berechtigten) Kritik stellen und nicht verkriechen. Es gibt so viele Menschen, die unsere Arbeit schätzen, und bei denen es lohnt, ins Gespräch zu kommen. Um die sollten wir uns bemühen! Denn auch die Tage einer Ministerin Hendricks sind gezählt…

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