Kommentar DLG: Da läuft was schief

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Größer, höher, weiter – damit ist für die Landwirtschaft bald Schluss. Die DLG ruft den Kurswechsel aus.

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Sabine Hildebrandt, LAND & Forst

Das Konzept „Landwirtschaft 2030 – zehn Thesen“ sorgte für mächtig Wirbel in der Agrarbranche. Was die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) im Januar präsentierte, hätte mancher aus dieser Ecke nicht erwartet. Schließlich hat gerade die DLG jahrzehntelang diese Produktionsweise vorangetrieben. Für die meisten der 27.000 DLG-Mitglieder gab es bislang nur einen Weg: größer, höher, weiter.

Zehn Thesen

Die „ehrliche Bestandsaufnahme“ in zehn Thesen wurde mit Experten, darunter auch der Umweltorganisation WWF, entwickelt. Was steht drin? Es läuft was schief auf Deutschlands Höfen. Teile der landwirtschaftlichen Produktion haben das Optimum überschritten. Darunter leiden die Stabilität der Anbausysteme und auch der Tier- und Umweltschutz. Die Gesellschaft habe das Vertrauen verloren. Deshalb müsse gehandelt werden.

Die Zukunfts-Agenda erzielt Wirkung

Endlich spielte die Landwirtschaft in fast allen deutschen Leitmedien wieder eine Rolle. DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer sprach von der Wagenburg, die verlassen werden muss, von nötiger Selbstkritik und dem Ende des „monolithischen Meinungsblocks“. Dagegen musste der Deutschen Bauernverband (DBV) wie ein pomadiger Altherren-Club wirken.

Dabei hatte auch er im Januar sein Positionspapier „Veränderung gestalten“ vorgestellt. Dass es zwischen beiden Verbänden deshalb mächtig geknirscht hat, ist kein Geheimnis. Bartmer betonte ausdrücklich, man sei kein „Nestbeschmutzer“. Er spricht von „Arbeits­teilung“ mit dem DBV. Die DLG könne Dinge offensiv ansprechen, wo der DBV vielleicht zu zaghaft sei.

Bedenke das Ende

Die offene Debatte ist dringend nötig und die Rollenaufteilung clever. Sie kann nur klappen, wenn sich jeder an das Drehbuch hält. Das tut die DLG aber nicht. Ihre Thesen sollen kein agrarpolitisches Statement sein. Dennoch mischt sie sich massiv ein – besonders, wenn es um die Direktzahlungen geht.

Das ist nicht neu. Bartmer tritt seit jeher gegen öffentliche „Stütze“ an, obwohl er auf seinem 1.000-Hektar-Gut in Sachsen-Anhalt ordentlich davon profitiert. Was das aber für die Bauern in der Heide bedeuten würde, die auf einer Sandbüchse wirtschaften und froh sind, dass ihnen Biogas eine Existenz ermöglicht hat, erfuhr er beim Bauerntag in Soltau. Die Hälfte der Betriebe müsste ohne Direktzahlungen aufgeben.

Dazu fällt einem das lateinische Sprichwort ein: „Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende.“ Das trifft für jeden Landwirt genauso zu wie für die DLG.

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