Forstwirtschaft Durchforsten: Welcher Baum muss fallen

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen. Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

Waldarbeiter fällt einen Baum mit Motorsäge. © Mühlhausen/landpixel Bild vergrößern
von , am

Was gilt beim Durchforsten alter Bestände, wenn gleich starke Exemplare sich bedrängen? Wichtige Stammmerkmale sind in der LAND & Forst 15/17 zusammengefasst.

Chinesenbärte an einem Buchenstamm © Nikolas Suarsana Bild vergrößern
Buche mit feinen "Chinesenbärten": Das sind Stauchungen der Wachstumszone über den Astsiegeln, die leicht aufreißen.

Wer beim Durchforsten vor zwei gleich starken Baumexemplaren steht, kann anhand bestimmter Stammmerkmale denjenigen mit der geringeren Holzqualität erkennen. Solche äußeren Stammmerkmale können indirekte oder unmittelbare Auswirkungen auf die Beschaffenheit des darunterliegenden Holzes haben.

Solche Stammmerkmale sollten genau unter die Lupe genommen werden, um gute Entscheidungen beim Durchforsten zu treffen. Gleichzeitig wird der Stamm auf diese Weise grob vorsortiert – eine Praxis, die auch bei der Auslese von Wertholzbäumen für Versteigerungen eine Rolle spielt.

Beim Durchforsten auf Rindenmerkmale achten

Folgende Rindenmerkmale sind wichtig für die Holzqualität, nachfolgend am Beispiel von Buchen erläutert:

  • Versteckte Äste: Abgesehen von deutlich sichtbaren, lebendigen oder schon toten Ästen oder Aststummeln verraten bestimmte Male auf der Rinde oder Borke, ob sich auch eingewachsene Äste vor unserem Auge verbergen. Das gilt für alle Baumarten. Bei Buchen werden diese Rindenmerkmale als Rundnarben oder umgangssprachlich als „Chinesenbärte“ bezeichnet. Sie sind länglich, nach unten gebogen und befinden sich über dem rundlich geformten Astsiegel.
  • Schleimfluss: Ein weiteres Phänomen, das sich ebenso bei anderen Baumarten beobachten lässt, sind braun-schwarze Spuren einer Flüssigkeit auf der Stammoberfläche, die aus dem Bauminneren auszutreten scheint. Es handelt sich um unspezifische Wundreaktionen, die nach jeder Verletzung des Kambiums ausgelöst werden können. Neben Buchen reagieren auch Eichen, Roteichen, Birken, Linden und Ahorn auf diese Weise.

  • T-Flecken oder T-Krebse: Verletzungen des Kambiums werden z. B. durch Rückearbeiten oder rindenbrütende Borkenkäfer verursacht. Durch die Verdunstung des Wassers an der Rindenoberfläche verdickt das Wundverschlussmittel des Baumes. Es bildet gleichzeitig einen Nährboden für Bakterien und manche holzzerstörende Pilze, die eine charakteristische dunkle Färbung im Inneren hinterlassen und zu einer Holzentwertung führen können. Gesund überwallte Schleimflussflecken sind wie andere Verletzungen des Kambiums als schwarze Flecken im Holz dauerhaft vorhanden und schränken dessen Verwendung ein.

  • Dreh- und Wimmerwuchs: Die am Stammmantel zu erkennenden Wuchsmerkmale Drehwuchs (die Holzfasern sind spiralförmig um die Stammachse gewachsen) und Wimmerwuch (von außen als Bänderung sichtbar mit darunterliegendem welligem Holzfaser- und Jahrringverlauf) haben negative Auswirkungen auf die mechanischen Belastungsgrenzen des Holzes. Je nach Ausprägung ist mit einer Wertminderung bei der Sortierung zu rechnen.

  • Steinbuche: Es handelt sich um eine Buche, die im Gegensatz zu ihren Artgenossen eine rissige Borke statt einer glatten Rinde ausbildet. Auslöser dafür ist die übermäßige Bildung von Korkzellen. Diese Wuchsform kann bei bestimmten Holzkäufern zu einer Wertminderung führen. Hersteller von Holzeisstielen lehnen diese Stämme ab, weil die Holzfasern von „Steinbuchen“ deutlich zäher und fester seien. Das soll sich auch beim Spalten für Brennholz bemerkbar machen. Bei der Möbelindustrie und in Furnierwerken spielt diese Holzeigenschaft aber offenbar keine Rolle.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 15/17 auf den Seite 62 und  63. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

Auch interessant: