Kommentar Hochwasser: Nach der Flut ist vor der Flut

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LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan
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Extreme Wetterlagen sind bei uns noch immer eine Ausnahme. Dass sich das ändert, wird aber immer sichtbarer. LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan kommentiert.

Die Vereinten Nationen führen eine Rangliste, auf der Deutschland ganz weit hinten liegt. Es ist der Weltrisikoindex, mit dem man versucht, die Auswirkungen von Naturkatastrophen und Extremwetterlagen abzuschätzen. Wir liegen abgeschlagen auf Rang 147 von 171 Staaten. Und darüber sind wir ganz froh.

Wegen Hochwasser Arbeit eines ganzen Jahres zerstört

Das wird Landwirte wie Hendrik Wolper, der auf dem Titelbild dieser Ausgabe auf seinem Weizenfeld bei Einbeck bis zur Stiefelschaftoberkante im Hochwasser steht, kaum trösten. Wie er müssen sich viele Betriebsleiter im Land darauf einstellen, auf überschwemmten Schlägen die Arbeit eines ganzen Jahres abzuschreiben. Solche Wassermassen hatte niemand erwartet.

Der Deutsche Wetterdienst registrierte für den Monat Juli im Landesdurchschnitt 145 Liter Regen pro Quadratmeter - das Doppelte des Monatsolls. Im Kreis Hildesheim aber kam mit 179 Litern das Dreieinhalbfache des Üblichen herunter. Allein Tief „Alfred“, bei dem einem bald der Beiname „das Ekel“ einfiel, bescherte an nur drei Tagen über 150 Liter, im Harz sogar mehr als 300 Liter.

Auch Extremereignisse mit Hochwasser nehmen zu

Inzwischen spricht kaum jemand mehr von „Jahrhunderthochwasser“ oder „Jahrhundertregen“. Dahinter steckt die Sorge, dass keine hundert Jahre bis zur nächsten Regenflut vergehen werden. Hochwasser in den Jahren 2002 und 2013, die große Dürre 2003, dann 2007 der Orkan Kyrill und später ein völlig durchgedrehtes Jahr 2015 - die Extreme nehmen zweifellos zu.

In Niedersachsen erfasst Krisenstab Schäden

Das Land Niedersachsen hat nun einen Stab eingerichtet, in dem Vertreter von sieben Ministerien die Schäden erfassen, die in Haushalten und Betrieben sowie an kommunaler Infrastruktur entstanden sind. In den Dörfern ließ sich mancher Schaden schneller beheben als befürchtet. Vor allem dort, wo Landwirte mit Schiebeschild, Frontlader oder Güllepumpe zur Stelle waren, ging es flott voran.

„Noch nie war unsere Gülletechnik so begehrt bei der Bevölkerung“, kommentierte ein Landwirt das Bild, das eine mobile Pumpe beim Leeren eines Kellers zeigt und bei Facebook die Runde machte (wir zeigen es auf Seite 6). Ernste Lagen schweißen halt zusammen. Und können auch dem Letzten vor Augen führen, wie wichtig die Freiwillige Feuerwehr im Dorf ist.

Der nächste Schritt wird sein, sich auf das steigende Wetterrisiko einzustellen. Schnelle, einseitige Forderungen helfen angesichts der Tragweite jedoch keinem. Ratsam scheint es vielmehr, wie beim Aufräumen gemeinsam zu prüfen, wie sich Gefahren und materielle Schäden vorbeugend verringern lassen.