Kommentar Klima – Kernthema für die Bauern

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Amerika gewinnt nicht mit Kohle. Und das Klima nicht mit altmodischen Bildern von der Landwirtschaft, sagt LAND & Forst Chefredakteur Ralf Stephan.

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Es gibt keinen Bauern, der nicht unter den Folgen des Klimawandels leidet. Dieser Feststellung, so Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) vorige Woche in Berlin, hätten auch in den USA weder Politiker noch Verbandsvertreter widersprochen.
Dennoch entschied Präsident Trump nun den Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen. Während Kohlewirtschaft und Automobilindustrie feiern, ist das Entsetzen bei den Farmern groß. Die National Farmers Union (NFU) beklagt, dass ihre Mitglieder schon heute den Klimawandel spüren. Ohne Gegenmaßnahmen werde sich die Lage verschlechtern, befürchtet sie. Außerdem sieht der Bauernverband Einkommenschancen wieder schwinden, die sich gerade erst durch die von der Obama-Regierung angeschobenen Klimaschutzmaßnahmen aufgetan hatten.

Eine ehrliche Bilanz ziehen

Selbst wer den Klimawandel nicht für menschengemacht hält, kann sich dem überlebenswichtigen Zwang nicht verschließen, mit Ressourcen sparsam umzugehen und Boden, Wasser wie auch das Klima schonend zu behandeln. Die Landwirtschaft steht dabei immer wieder im Fokus. Ihr Ausstoß von Kohlendioxid und Methan sowie die Stickstoffeinträge sind dabei stets Kritikpunkte.

Nicht immer wird ehrlich argumentiert. So produziert die Landwirtschaft im Unterschied zu anderen Branchen nicht nur klimarelevantes Kohlendioxid, sondern bindet es zugleich in ihren Produkten. Weltweit ist sie zwar für sieben Prozent der CO2-Emission verantwortlich, das sind etwa 2,7 Mio. t pro Jahr. Landwirtschaftliche Biomasse speichert aber zugleich 16,6 Mio. t. In eine ehrliche Bilanz gehört diese Rechnung hinein.

Leistung schont Ressourcen

Ebenso wie die Frage nach der Effizienz. Oft werden die heimischen Milchbauern für ihre hohen Leistungswerte gescholten. Betrachtet man den CO2-Ausstoß je Liter Milch, ist das abwegig. Er beträgt hierzulande 1,2 kg. In afrikanischen Ländern, wo Kühe sehr wenig Milch geben, erreicht der CO₂-Fußabdruck sieben Kilogramm je Liter Milch. Wer etwas für den Klimaschutz tun will, sollte demnach ein Interesse an hohen Leistungen haben.

Ein Riesenthema, gerade in Niedersachsen, ist der Stickstoffeinsatz. Mit der neuen Düngeverordnung beginnt - so muss man es nennen – ein neuer Umgang mit den Nährstoffen. Seit dem vorigen Freitag ist sie in Kraft. Die Landwirte brauchen nun sofort konkrete Beratungsempfehlungen. Es wäre für das Klima nicht förderlich, wenn wichtige Informationen für die Praxis erst in Beamtenstuben schmoren statt auf den Höfen schnell Wirkung auszulösen.