Kommentar Lauter Bäume, doch kein Wald zu sehen

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Ein ganzer Vortrag war nötig, um die Themen nur aufzuzählen, an denen Waldbesitzerverbände arbeiten. Geht‘s noch, Politik?

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Ralf Stephan, Chefredakteur der LAND & Forst

Was haben wir Waldbesitzer falsch gemacht, dass jedermann versucht, uns richtigen Waldbau beizubringen? Der Stoßseufzer kommt vom Präsidenten des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen. Er mag übertreiben. Doch wenn, dann nur ein wenig. Denn kurz vor ihm hörte die Mitgliederversammlung des Landesverbandes den Bericht aus dem Bundesverband AGDW-Die Waldeigentümer.

Darin listete die Abgesandte aus Berlin einfach nur auf, an welchen politischen Baustellen sich die Interessenvertreter derzeit tummeln. Die Aufstellung begann mit den geplanten Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes und reichte über die Forderung der Länderumweltminister, einen „Wildnisfonds“ einzurichten über die Notstandssituation im Pflanzenschutz, den Ausbau des Stromnetzes bis zur Charta Holz, für die eine Neuauflage in Arbeit ist.

Zeit, sich auf wesentliche Aufgaben zu konzentrieren

Selbst hartgesottene Politikinteressierte hatten Mühe, ihre Aufmerksamkeit über die volle Distanz aufrecht zu erhalten. Was nicht am Vortrag, sondern an der schieren Überfülle von Forderungen, Streitpunkten und Änderungsplänen lag. Geht‘s noch, Politik?, möchte man da fragen. Ist es nicht langsam an der Zeit, sich auf die wesentlichsten Aufgaben zu konzentrieren?

Ein lobenswerter Vorsatz

In Niedersachsen wird in Kürze die Strategie „Wälder für Niedersachsen“ unterzeichnet. Sie beschreibt fünf Handlungsfelder. „Bewirtschaftung und Jagd“ heißt eines davon, „Schutz, Biodiversität und Klima“ ein anderes. Auch „Arbeit und Einkommen“ bilden einen Schwerpunkt.

Die Landespolitik will schrittweise vorgehen, um die Bewirtschafter nicht zu überfordern, versprach der zuständige Staatssekretär dem Waldbesitzerverband. Ein lobenswerter Vorsatz. Mit Blick auf die eingangs erwähnte Liste der jetzt schon aufgetanen Baustellen wünscht man nichts sehnlicher, als dass er recht behält.

Kluge Förderanreizen schaffen

Wesentliche Ziele, an denen sich Politik und Waldbesitzer entlanghangeln könnten, bestimmt das Klimaabkommen von Paris. Darin werden die Vertragsstaaten aufgefordert, die positive Klimawirkung von Wäldern zu erhalten und auszubauen. Die Bereitschaft der privaten Waldbesitzer dazu ist vorhanden. Denn die allermeisten sind davon überzeugt, dass nachhaltig genutzter Wald das Beste ist für das Klima.

Zudem ist Niedersachsen gut aufgestellt, was die Förderung des kleinen und mittleren Privatwaldes betrifft, schätzt der Verband ein. Bevor man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr findet, wäre es das Beste, daran mit weiteren klugen Förderanreizen einfach anzuknüpfen.