Grünlandnutzung Modellregion Gnarrenburger Moor: Umdenken bei der Moornutzung

Gnarrenburger Moor © Isabelle Böhme Bild vergrößern
Gnarrenburger Moor: Das Moorgrünland soll weiterhin für die Milchviehhaltung und andere Produktionsrichtungen wirtschaftlich nutzbar sein.
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Höhenverlust, Staunässe, Strukturverschechterung – und auch noch Treibhausgasemissionen. Im Gnarrenburger Moor kooperieren Landwirte, um diese Probleme auf ihren Grünlandflächen zu lösen.

Wer über mehrere Jahrzehnte auf Moorböden gewirtschaftet hat, der bemerkt häufig, dass die Geländehöhe im Laufe der Jahre deutlich absinkt. Die Entwässerung gestaltet sich teilweise schwierig, weil das Absenken der Vorflut mit dem Absinken der Geländeoberfläche nicht mithalten kann. Zusätzlich verschlechtert sich die Struktur der Torfböden, die Wasserleitfähigkeit nimmt ab und Staunässe kann zunehmen. In letzter Zeit rückte zudem ein weiteres Thema in den Fokus: die Emission von Treibhausgasen aus Mooren.

Kontrollierte Anhebung der Wasserstände

Ursache für alle diese Probleme ist die Zersetzung des Torfes. Entscheidend ist, dass die Entwässerung über Gräben und Dränrohre Luft in den Torfkörper bringt, wodurch die konservierenden Eigenschaften im Torfkörper stark reduziert werden. Düngung und Kalkung regen zusätzlich Mikroorganismen an, welche nun ideale Bedingungen zur Zersetzung der Torfe vorfinden. Dadurch geht Substanz im Boden verloren und der zuvor im Torf gespeicherte organische Kohlenstoff entweicht als klimawirksames CO2 in die Atmosphäre.

Mit einer Reduzierung der Stickstoffdüngung lässt sich die Zersetzung der Torfe nur geringfügig reduzieren. Die um ein Vielfaches effektivere Maßnahme ist eine kontrollierte Anhebung der Wasserstände im Moor. Wasser hat den Torfkörper einst entstehen lassen und kann ihn auch in Zukunft erhalten. Dabei sollte jedoch eine standortangepasste Bewirtschaftung weiterhin möglich sein, um die Landwirtschaft nicht vollständig von den Moorstandorten, deren offenes Landschaftsbild sie prägt, zu verdrängen.

Mutige Landwirte

Ein praxistauglicher Mittelweg soll nun gefunden werden, welcher den Torfkörper nicht zu stark austrocknen lässt, ihn jedoch auch nicht so stark vernässt, dass die Flächen nicht mehr befahrbar sind. Das Moorgrünland soll weiterhin für die Milchviehhaltung und andere Produktionsrichtungen wirtschaftlich nutzbar sein. Eine Gruppe von Landwirten aus dem Gnarrenburger Moor will Möglichkeiten erproben, von der derzeit noch üblichen tiefen Entwässerung der Grünlandflächen abzuweichen.

Auf Praxisflächen der Kooperationslandwirte werden Versuche angelegt, in denen der Wasserstand kontrolliert angehoben wird. Eines der neuen Verfahren ist die Unterflurbewässerung. Über ein System eng liegender waagerechter Dränrohre kann in Zeiten starker Trockenheit Wasser aus dem Graben unterirdisch in die Fläche geleitet werden und so den Torf in den unteren Schichten feucht halten. Der Torf über den Dränrohren hat zwar Anschluss an das Kapillarwasser, ist jedoch nicht wassergesättigt und daher weiterhin befahrbar

Neue Wege beschreiten

Durch die Versöhnung mit dem Wasser werden im Gnarrenburger Moor neue Wege beschritten. Damit alles gelingt, wird die Einrichtung der Versuchsanlagen mit Unterstützung der Landwirte intensiv vom LBEG geplant und betreut. Für die anschließende Bewirtschaftung bekommen die Landwirte Unterstützung durch die kostenlose Beratung der Landwirtschaftskammer. Darüber hinaus laufen bereits Versuche zur Auswirkung einer veränderten Düngung und zum Einsatz geeigneter Gräsermischungen.

24 Betriebe haben sich bereits auf ihrem Hof beraten lassen und sich in einem Arbeitskreis gemeinsam mit weiteren Landwirten, Landwirtschaftskammer und LBEG ausgetauscht. Gemeinsam soll in der Kooperation auch erarbeitet werden, wie eine Förderung von klimaschonenden Maßnahmen auf Niedersachsens 256.000 ha landwirtschaftlich genutzten Mooren aussehen könnte. Durch eine Veränderung ihrer Bewirtschaftung können die Landwirte einen wesentlichen Anteil zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beitragen.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 13/17 auf den Seiten 12 bis 15. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

 


Mit Material von Isabelle Böhme, LWK Niedersachsen
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