Geflügelgrippe Niedersachsen: Generelle Stallpflicht endet zum 30. April

Legehennen auf der Stange © Mühlhausen/landpixel Bild vergrößern
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Die generelle Stallpflicht in Niedersachsen wegen der Vogelgrippe läuft am 30. April aus. Der Gesamtschaden für die Geflügelwirtschaft beträgt 40 Mio. Euro.

Die generelle Stallpflicht wegen der Vogelgrippe läuft zum 30. April in allen niedersächsischen Landkreisen aus. In den vergangenen Wochen hatte es keine neuen Ausbrüche von Geflügelpest mehr gegeben. Sperr- und Beobachtungsgebiete gibt es derzeit noch in Teilen der Kreise Cloppenburg und Oldenburg.

Kreisweit gilt die Stallpflicht bis Ende dieses Monats noch in den Kreisen Cloppenburg, Vechta, Emsland, Grafschaft Bentheim, Ammerland und Oldenburg.

Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) handelte es sich deutschland- und europaweit um die heftigste und längste Geflügelpest-Epidemie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Landkreis Cloppenburg besonders betroffen

Der Vorsitzende des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes, Friedrich-Otto Ripke betonte: „Wir freuen uns, dass die Tiere wieder raus dürfen, aber im Detail sind wir mit der Vogelgrippe noch nicht ganz durch.“

So sei noch nicht klar, wann in den stark betroffenen Gemeinden Garrel und Bösel wieder Puten eingestallt werden dürfen. Die beiden Orte im Landkreis Cloppenburg waren besonders lange von Ausbrüchen der zwar hochansteckenden, für Menschen aber ungefährlichen Vogelgrippe vom Typ H5N8 betroffen.

Tierseuchenkasse zahlt 17 Mio. Entschädigung nach Vogelgrippe

Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Monaten 792.000 Tiere getötet, davon 629.000 Puten. Die Tierseuchenkasse hat laut Ripke etwas mehr als 17 Millionen Euro Entschädigungen gezahlt. „Wir werden mit der Tierseuchenkasse darüber reden müssen, wie wir die Rücklagen wieder auffüllen“, sagte Ripke.

Das Land gebe mehr als 7 Millionen, den Rest müsse die Geflügelwirtschaft aufbringen - 60 Prozent die Putenhalter, 40 Prozent die anderen Geflügelhalter. Wenn die Putenhalter das innerhalb eines Jahres zurückzahlen müssten, wäre das mit einer massiven Erhöhung des Tierseuchenkassenbeitrages verbunden. Er verhandele gerade, dass dieser Beitrag über einige Jahre gestreckt werde.

40 Mio. Euro Schaden für Geflügelwirtschaft

Die wirtschaftliche Lage der Putenhalter sei derzeit nicht gut. Eine Rückzahlung innerhalb eines Jahres würde die Betriebe in Existenznot bringen. Den Gesamtschaden für die Geflügelwirtschaft schätze er auf 40 Millionen Euro.

Neben den Aufwendungen für die Tierseuchenkasse nannte Ripke auch Verluste, weil wegen der langen Aufstallungszeit Eier aus Freilandbetrieben nicht als Freilandware vermarktet werden durften. Die Eier wurden als billigere Bodenhaltungseier gehandelt.

Der Einzelhandel habe sich erst mit Verzögerung darauf eingelassen, die betroffenen Eier zu höheren Preisen zu vermarkten. Wer sich gegen wirtschaftliche Schäden versichert hatte, dürfte zudem mit steigenden Versicherungsprämien rechnen.

Geflügelgrippeverordnung nachbessern

„Die Geflügelhalter haben sich vorbildlich verhalten“, nahm Ripke seine Verbandsmitglieder gegen Vorwürfe in Schutz, dass bei der Biosicherheit geschlampt worden sei. Dieser pauschale Vorwurf sei nicht richtig. Jeder Verdachtsfall sei sofort gemeldet worden.

Im Nachgang müsse nun auch bei der Geflügelpestverordnung nachgebessert werden. Er trete dafür ein, die Schutzmaßnahmen zur Biosicherheit detaillierter zu regeln, sagte Ripke. Betriebe und Behörden müssten dafür zusammenarbeiten.

Auch müsste das Friedrich-Loeffler-Institut noch zahlreiche Virenfunde aus Ställen genetisch untersuchen. Von 30 Ställen seien bislang nur 10 ausgewertet. Das sei wichtig, um den Verbreitungsweg des Virus nachvollziehen zu können.


Mit Material von dpa