Schlachthof Zeven Paukenschlag: Vion schließt Schlachthof Zeven

Vion Werk in Zeven © Oliver Krato/Vion Bild vergrößern
Vion schließt seinen Schlachthof in Zeven
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Fleischproduzent Vion schließt seinen Schlachthof in Zeven (Rotenburg/Wümme). Dort sind über 300 Menschen beschäftigt. Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten erfuhren heute Mittag von der Umstrukturierung.

Laut einer Pressemitteilung soll der Schlacht- und Zerlegebetrieb in Zeven zum „nächstmöglichen Zeitpunkt – spätestens aber zum 28. April“ geschlossen werden. Der endgültige Beschluss wird auf der außerordentlichen Aktionärsversammlung am 19. April gefasst.  In Niedersachsen gibt es dann nur noch den Standort Emstek (Cloppenburg). Schweine aus dem Tierschutzlabel-Programm werden im brandenburgischen Perleberg verarbeitet.

Betrieb in Zeven nicht wirtschaftlich

Dr. Heinz Schweer © Oliver Krato/Vion Bild vergrößern
Dr. Heinz Schweer, Aufsichtsratsvorsitzender der Vion Zeven AG und Direktor Landwirtschaft der Vion Food Group

Warum musste der Standort schließen? Dr. Heinz Schweer, Aufsichtsratsvorsitzender der Vion Zeven AG und Direktor Landwirtschaft der Vion Food Group, erklärte den Schritt damit, dass der Betrieb in Zeven seit mehr als vier Jahren nicht mehr wirtschaftlich sei. Die Verluste beliefen sich auf einen hohen siebenstelligen Betrag.

Die Hoffnung, eine Zulassung für den Export von Schweinefleisch nach China zu erhalten, habe sich leider nicht erfüllt. „Damit hätten wir fünf Euro mehr pro Schwein erlösen können, was wiederum eine Perspektive für Zeven gewesen wäre“, sagte Schweer. Den Zuschlag für China bekam allerdings Mitwerber Vogler Fleisch, der inzwischen insolvent ist.

Schließung ein krasser Schritt

Die Ankündigung Vions löste Bestürzung aus. „Das ist eine mittlere Katastrophe“, kommentierte Hans-Heinrich Ehlen. Der ehemalige Landwirtschaftsminister sitzt als Vertreter der Landwirte in den Gremien. Für die Region Zeven sei es sowohl wegen der fehlenden Gewerbesteuer als auch wegen der großen Zahl der betroffenen Mitarbeiter ein „krasses Schnitt“.

Er bedauerte, dass es trotz großer Anstrengungen nicht gelungen sei, den Standort zu sichern. „In Zeiten von Tierwohl ist es nicht gut, dass unsere Bauern längere Transportwege in Kauf nehmen müssen“, sagte Ehlen.

Mehr Schlachtungen in Emstek

Bisher habe Zeven immer von der guten Lage im Elbe-Weser-Dreieck profitiert. Sogar Landwirte aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern waren Kunden. Zuletzt wurden bis zu 19.000 Schweine pro Woche geschlachtet und verarbeitet. Die sollen nun nach Emstek wandern, wo offenbar in der aktuellen Produktion noch „Luft nach oben“ besteht. Zusätzlich soll ein Antrag auf eine Erweiterung von 70.000 auf 80.000 Stück gestellt werden. Dort gebe es außerdem alle nötigen Zertifizierungen für den Export.

2015 hat Vion eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von 4,6 Milliarden Euro erzielt. Seit 2013 gab es Schlagzeilen über wirtschaftliche Probleme des Schlachtkonzerns. Bei den Top-10 der deutschen Schlachthöfe belegte Vion 2015 den zweiten Platz, mit einem Marktanteil von knapp 15 %.