Kommentar Skandalbilder aus dem Schweinestall: Keine Stern-Stunde!

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen. Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

Sabine Hildebrandt im Porträt © Phillip von Ditfurth Bild vergrößern
von , am

Medialer Rundumschlag vom Nachrichtenmagazin Stern. Im Mittelpunkt: Niedersachsens Bauern, billiges Fleisch und Ferkeltötung. Ein Kommentar.

Fleisch um jeden Preis – so hieß die Titelstory des Nachrichtenmagazins Stern in der vergangenen Woche. Der Betrachter schaut direkt in zwei Schweineaugen, am Ohr baumelt ein Preisschild „1,99 €“. Elf Seiten recherchierte ein Autorenteam die Frage „Welchen Preis bezahlen wir wirklich für das billige Fleisch?“

Zu den Interviewpartnern gehörte auch Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers, Schweinemäster aus Kirchlinteln. Er beantwortet den Stern-Reportern außerdem sechs Fragen für einen Film, der anschließend auf der Stern-Homepage steht. Die Berichterstattung über Fleischproduktion, Preiskampf und Bauernseele kann unter journalistischen Gesichtspunkten als ausgewogen bezeichnet werden.

Deutsches Tierschutzbüro hat Sauenhaltungsbetrieb im Visier

Ganz anders sieht die Sache bei Stern TV aus, das einen Tag vor der Zeitschrift mit der Story „Schockbilder aus einem Betrieb offenbaren Ferkel-Qualen“ auf Sendung ging. Der Verein Deutsches Tierschutzbüro behauptet, dass Mitarbeiter in einem Zevener Sauenhaltungsbetrieb nicht gesetzeskonform arbeiten. Konkret sollen sie kranke Ferkel auf den Boden geschlagen haben.

Stern TV zeigt Bilder, die mit versteckten Kameras entstanden sind. Um den schnellen Schutz der gefilmten Tiere ging es den Aktivisten wohl nicht, sonst hätten sie nicht 100 Stunden Material gesammelt, um damit ins Fernsehen zu kommen.

Diskussion geht auf Facebook weiter

Aber davon abgesehen: Die sechsminütige Diskussion mit Jan Peifer (Tierschutzbüro) und der Berliner Tierschutzbeauftragten Diana Plange verfolgen rund zwei Millionen TV-Zuschauer. Sie wird parallel im Netzwerk Facebook heftig weiter geführt. Mehr als 150.000 Menschen rufen das Filmchen auf.

Das Geschäftsmodell „Schweinerei auf allen Kanälen“ hat offenbar bestens funktioniert. Denn nichts anderes wird hier Woche für Woche versucht – vermeintliche Skandale in Quoten und Klicks umzuwandeln, um Geld zu machen. Mal geht es um Hundebabys und mal um Partydrogen.

Strafen für Tierschutzaktivisten

Einmal mehr bleiben die Landwirte frustriert zurück. Da ist zum einen das Wissen, dass dort, wo Menschen arbeiten, Fehler passieren. Der Strom der schrecklichen Bilder wird also nicht so schnell versiegen. Zum anderen fragen sich die Bauern: Müssen wir die organisierte Kriminalität dulden?

Ein Gerichtsurteil aus Heilbronn lässt aufhorchen. Zwei Aktivisten aus der Tierrechtsszene wurden zu einer Bewährungsstrafe und Geldzahlungen verurteilt. Die Richterin stellte klar, dass Hausfriedensbruch nicht wegen vermeintlicher Tierschutzgedanken gebilligt werden könne. Eine Sternstunde für die Landwirtschaft!