Bauerntag in Soltau Die Suche nach dem ehrbaren Landwirt

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Kaum etwas hat in der Branche so viel Staub aufgewirbelt, wie die zehn Zukunftsthesen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). 580 Bauern verfolgten beim Bauerntag des Landvolks Lüneburger Heide in Soltau gespannt die Erklärung von DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer.

DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer © Sabine Hildebrandt Bild vergrößern
580 Bauern verfolgten in Soltau gespannt die Erklärung von DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer.

Die Alte Reithalle in Soltau (Heidekreis) war beim Bauerntag des Landvolks Lüneburger Heide proppenvoll. Die Verantwortlichen hatten offenbar ein gutes Händchen bei der Wahl ihres Hauptredners. Carl-Albrecht Bartmer, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), referierte über „Landwirtschaft 2030 – zehn Thesen“.

Damit hatte die DLG pünktlich zur Internationalen Grünen Woche in Berlin den Systemwechsel ausgerufen und sich die mediale Aufmerksamkeit gesichert. In den Thesen geht es um Nachhaltigkeit, Produktionsweisen, Berufsethos und um Geld aus Brüssel.

 

Fehler einräumen

Es geht ihm aber auch um Verstöße der Landwirte. „Wir haben den Optimierungsprozess zu weit getrieben, wir haben Fehler gemacht“, räumte Bartmer im Pressegespräch vor dem Bauerntag ein.

Als Ackerbauer beobachte er die wachsende Monotonie der Fruchtfolgen, die es Unkräutern leicht mache Resistenzen zu bilden. Außerdem könne es nicht sein, dass große Anteile von Legehennen Knochenbrüche aufweisen, wenn sie geschlachtet werden. Sauen mehr Ferkel bekommen als sie versorgen können und Kühe nach zwei Laktationen zum Schlachter gehen, weil sie Klauenprobleme haben.

Zur Selbstkritik fähig sein

„Wir haben Grenzen überschritten. Nur wer zur Selbstkritik fähig ist, ist zukunftsfähig.“ Die Selbstkritik soll laut Bartmer die Chancen eröffnen, einen ehrlichen Dialog mit der Gesellschaft einzugehen. Man benötige ein „innovationsfreudiges Umfeld“, um Landwirtschaft in Zukunft zu betreiben. Der Dialog setze voraus, dass es ehrbare Landwirte gibt.

Was er damit meint, beschrieb Bartmer so: „Es geht um Tugenden, die den langfristigen Erfolg sichern ohne der Gesellschaft entgegenzustehen.“ Gleichzeitig müsse es aber auch den ehrbaren Nicht-Landwirt geben, der ohne populistische Grundhaltung zum Dialog bereit sei.

 

Landwirte behalten eine Schlüsselrolle

Der DLG-Präsident ließ keinen Zweifel daran, dass den deutschen Bauern auch künftig bei der Sicherung der Welternährung eine Schlüsselrolle zukommt. „Wir haben hier einen Gunststandort. Die Herausforderung wird sein, mehr zu produzieren und dabei Klima, Wasser und Boden zu schonen.“

Er rief dazu auf, das System Landwirtschaft selbst zu revolutionieren, bevor der Staat das regele. „Was dabei herauskommt, wenn wir Probleme nicht gemeinsam lösen, zeigt sich jetzt bei der Düngeverordnung. Das starre Ordnungsrecht hilft keinem weiter.“

 

Gravierende strukturelle Veränderungen

DLG-Präsident Bartmer betonte ausdrücklich, dass das Thesenpapier kein agrarpolitisches Statement sei. Dennoch äußert er sich klar zu den Direktzahlungen. „Langfristig haben diese keinen Bestand“, sagte Bartmer. Was das für die Landwirte vor Ort bedeutet, machte Jochen Oestmann, Vorsitzender des Landvolks Lüneburger Heide, deutlich: „Rund 50 Prozent der Betriebsergebnisse stammen aus den Direktzahlungen. Das wären gravierende strukturelle Veränderungen“.

Sein Vorstandskollege Rainer Cassebaum räumte ein: „Das scheint mir realistisch. Wir werden uns wohl an den Gedanken gewöhnen müssen.“