Kommentar Wolf: Chefsache und nationale Aufgabe

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Der Wolf macht auf dem Land mehr Ärger, als Umweltministern lieb ist. Fast alle nehmen das ernst. Ein Kommentar von LAND & Forst Chefredakteur Ralf Stephan.

Bad Saarow ist das Sylt von Ostbrandenburg. Nur liegt es zwischen Wald und Weideland. Die Umweltminister von Bund und Ländern hielten ihre Frühjahrskonferenz also an einem sehr passenden Ort ab.

Daran allein lag es aber sicher nicht, dass in die Diskussion über den Wolf endlich Bewegung kam. Der Druck in den Ländern mit Wolfsvorkommen wurde in den letzten Monaten einfach so groß, dass Aussitzen allein nicht mehr funktioniert.

Niedersachsen ist Afrika näher

Vor allem den ostdeutschen Ländern ist es zu verdanken, dass davon auch das Bundesumweltministerium mehr zu spüren bekommt als bisher. Niedersachsen scheinen dagegen Afrikas Probleme näher zu sein als die Gefahren für die heimische Weidetierhaltung: „Die Deutschen könnten nicht von anderen Ländern erwarten, dass sie Elefanten schützen, und selbst geschützte Tiere zum Abschuss freigeben“, begründet Minister Stefan Wenzel (Grüne), warum er es den Ostdeutschen überlässt, Problemlösungen anzustoßen.

Wolfsmanagement unter die Lupe nehmen

Die waren sehr unzufrieden mit dem Bericht, den das Bundesumweltministerium ihnen zum Erhaltungszustand des Wolfes hierzulande vorgelegt hatte. Die Zuarbeit aus dem Hause von Bundesministerin Barbara Hendricks (SPD) lasse noch viele Fragen offen, kritisierte Till Backhaus (SPD) aus Mecklenburg-Vorpommern.

Deshalb wird sich nun eine Arbeitsgruppe noch einmal mit dem selben Thema befassen und auch gleich noch das Wolfsmanagement unter die Lupe nehmen.

Wolfsmanagement als nationale Aufgabe

Für die Weidetierhalter ist das noch lange kein Grund, ihre Mahnfeuer am Freitag abzusagen. Denn bis zur nächsten Umweltministerkonferenz im Herbst wird sich auf Bundesebene nichts Entscheidendes tun. Trotzdem geht vom idyllischen Bad Saarow ein Signal aus: Von nun an ist der Umgang mit dem Wolf nicht mehr allein Ländersache, sondern eine nationale Aufgabe.

Schmidt fordert Obergrenze für Wölfe inklusive fester Abschussquote

Ohne Druck aus den Ländern, auch das wurde klar, wird sich die Bundesumweltministerin aber keinen Zentimeter bewegen. Während ihr Kollege Bundeslandwirtschaftsminister offen eine Obergrenze für Wölfe inklusive fester Abschussquote fordert, verschanzt sich Hendricks hinter dem EU-Recht und schließt eine Bejagung aus – wohl wissend, dass andere EU-Mitgliedstaaten ihre Wolfspopulation begrenzen.

Die Nachbarn in Meck-Pomm machen sich darüber keine Illusionen. Minister Backhaus erklärte die Mitarbeit in der neuen Arbeitsgruppe darum gleich zur Chefsache. Bis die Probleme mit dem Wolf in Niedersachsen ähnlich ernst genommen werden, müssen wohl noch etliche Mahnfeuer brennen.