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Wettbewerb

Ihre Agrarfamilie 2018: Stimmen Sie jetzt ab!

Agrarfamilie 2018
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Katja Schukies, LAND & Forst
am
04.09.2018

Unter den zwölf bundesweit ermittelten Finalisten sind auch zwei Höfe aus Niedersachsen. „Agrarfamilie 2018“ möchten die Familien Siems aus Hude und Derboven aus Warpe werden. Bis 24. September gilt: Jede Stimme zählt.

Zehn Wochen lang haben wir unsere Leser gefragt: Was schieben Sie mit Ihrer Familie an?

Als Antwort haben wir unglaublich vielfältige und tolle Familienprojekte aus ganz Deutschland erhalten. Daraus haben wir die zwölf Kandidaten für die Endrunde ausgesucht.Diese bewerben sich bei Ihnen um den Titel der „Agrarfamilie 2018“.  Stimmen Sie ab!

Zwei Niedersachsen unter den Finalisten

Aus Niedersachen sind zwei Finalisten dabei, die als Familie an einem Strang ziehen für den Hof und die Landwirtschaft:

  • Die Familie Siems aus Hude im Landkreis Oldenburg ist in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv und 
  • die Derbovens aus Warpe im Landkreis Nienburg bewerben sich mit ihrem Betriebskonzept.

Auf dem Hof Siems tobt das Leben

Agrarfamilie-Siems-Hude

Zu zeigen gibt es eine Menge auf dem Hof in Hude-Oberhausen, der seit 1489 in Familienbesitz ist, und dabei ziehen alle mit: Wilfried (64) und Elke (60) Siems, Sohn Frerk (32) und Schwiegertochter Julia (32) und deren Sohn Fiete (2,5). Zum Betrieb gehören 98 Hektar Land, eine Ferienwohnung, eine Pferdepension, zwei Reitplätze und Ponys zum Reiten für die Kindergruppen.
Im Stall sind 100 Milchkühe und deren Nachzucht zu versorgen. Kinder dürfen Kälber füttern, Ponys striegeln und bei einer Schatzsuche über den ganzen Hof einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Nachmittags, 16 Uhr: Mit wehenden Haaren kurvt Elke Siems auf dem alten Massey Ferguson um die Stallecke. Links und rechts von ihr – natürlich ordnungsgemäß festgeschnallt – sitzen zwei begeisterte Kinder. Treckerfahren mit dem Oldtimer ist einer der Höhepunkte, wenn auf dem Hof Kindergeburtstag gefeiert wird.

Agrarfamilie-Elke-Siems-Hude

Auf dem Vollerwerbsbetrieb der Familie Siems gehören die jungen Gäste längst zum Tagesablauf. „Angefangen hat das alles mal damit, dass der örtliche Kindergarten den Hof besichtigen wollte“, erinnert sich Elke Siems (60). Es folgten immer mehr Anfragen, der Bauernhof wurde zum Lernort für Schulklassen und Kindergartengruppen. „Und dann fragte mal jemand, ob wir nicht auch Kindergeburtstage anbieten könnten. Und das machen wir jetzt schon seit zehn Jahren“, erzählt die fröhliche Landwirtin.

Mittlerweile besuchen jährlich rund 50 Kindergärten, Schulklassen und Behindertengruppen den Betrieb. Auch Kinder aus einem nahegelegenen Schwererziehbaren-Heim und von der Schule Verwiesene haben schon auf dem Hof Struktur, Halt und ein neues Selbstvertrauen gefunden. Eine gute Zusammenarbeit besteht mit dem Reitverein, und Schülerinnen und Schüler aus der Nachbarschaft helfen mit, wenn besonders viel Aktion ist auf dem Hof. Nur am Sonntag, da nehmen die Siems keine Termine an: „Das ist unser Ruhetag und das bleibt auch so“, sagt Elke Siems.

Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft mit Erholungscharakter – darauf setzt der Hof Siems. Und es gibt auch schon eine neue Idee:  „Wir wollen demnächst ‚Kuscheln mit Kühen‘ anbieten“, erzählt Julia Siems. Ein Angebot für Gestresste oder einfach nur Interessierte, bei  enger Tuchfühlung mit den Schwarzbunten auf ganz neue Art zur Ruhe zu kommen. Die Voraussetzungen sind gut: Wer könnte mehr Gelassenheit und Entspannung vermitteln als die Siems’schen Kühe, die auch bei vorbeisausenden Kettcars und Trettreckern seelenruhig bleiben?

Alles aus einer Hand bei Derbovens

Milch- und Käseproduktion ist auf Hof Bünkemühle in Warpe (Landkreis Nienburg) ein echtes Familienprojekt. Alle drei Derboven-Töchter mischen erfolgreich mit. Das Konzept: Eine Kreislaufwirtschaft mit kurzen Wegen.

Agrarfamilie-Derboven-Warpe

Wenn auf dem Hof Bünkemühle die Familie zusammen kommt, ist die Runde und das versammelte Fachwissen groß: Betriebsleiterehepaar Annette und Conny Derboven, die älteste Tochter Anna-Lena und ihre Familie, Molkereimeisterin Cathrin Derboven, die jüngste Tochter Dorothee und Lebensgefährte Sönke Harries, dazu noch drei oder vier Auszubildende und Praktikanten. 

„Kreislaufwirtschaft nach dem Prinzip der kurzen Wege“, nennt Conny Derboven das Konzept. Dazu gehören der nachhaltige Pflanzenbau: überwiegend Rohfaserpflanzen (Mais, Gras, Luzerne, Klee) und die effiziente Pflanzenverwertung durch Milchproduktion mit Rinderzucht. Biogasproduktion aus Abfällen (Gülle, Futterreste), die Abwärme wird für Käserei und für Trocknung von Futter genutzt. Ein Teil der Milch wird zu Käse verarbeitet, der im eigenen Hofladen, in Regionalläden, auf Märkten und auch in Supermärkten vertrieben wird.

Molkereimeisterin Cathrin Derboven

Die drei Derboven-Schwestern waren schon als Kinder „kuh-verrückt“. Als Sechsjährige nahmen die Jungzüchterinnen mit ihren Tieren an Kuh-Schauen teil. Heute verantwortet jede einen eigenen Bereich auf dem Hof. Die Familie hat den Betrieb mit eigener Hofkäserei und Biogasanlage entsprechend breit aufgestellt. Schwerpunkt ist die Milchviehhaltung mit 500 Kühen und Nachzucht, bewirtschaftet werden rund 400 Hektar Fläche.

Auch Öffentlichkeitsarbeit wird auf dem Hof groß geschrieben: Über Panoramafenster kann man beim Melken und Käsen zuschauen, es gibt Führungen für Erwachsene, Schulklassen und Kindergartengruppen. Das Hofcafé ist auf Anfrage und am Sonntag-Nachmittag geöffnet. Durch Erklärungstafeln an den Ställen können sich Besucher selbst informieren, denn der Hof ist jederzeit zugänglich. Alle zwei Jahre zieht der Betrieb beim großen Hoffest gut 5.000 Besucher an.

Langfristiges Ziel ist es, den ökologischen Kreislauf noch weiter auszubauen durch Aufarbeitung der Gärrestnährstoffe in Pflanzenprotein. „Wir denken über eine Produktion von Wasserlinsen als Eiweißfuttermittelzusatz nach“, so der Plan von Familie Derboven. Davon versprechen sie sich weniger Importe, eine kon­trollierte Nährstoffrückführung in die Pflanzenernährung und die Deckung von Eiweißdefiziten aus Nährstoffüberschüssen.

Den Betrieb weiter fit zu machen für die Zukunft, dafür ziehen auf Hof  Bünkemühle alle drei Schwestern samt Familien an einem Strang.

 

Stimmen Sie hier ab: Agrarfamilie 2018!

Die Famileinprojekte im Überblick

 

Mit Material von Christiane Hüneke-Thielemann
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