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Tierwohl

Agrarminister Meyer will Tierwohl-Label zur Pflicht machen

Schweinestall
dpa/red
am
02.01.2017

Bessere Bedingungen bei der Haltung von Tieren wünschen sich viele Verbraucher. Niedersachsens Agrarmnister Meyer will für Fleischprodukte eine verbindliche Tierwohl-Etikettierung einführen.
Verbraucherschützer sind begeistert - die Landwirte eher nicht.

Als neuer Vorsitzender der Länderagrarminister macht sich Niedersachsens Ressortchef Christian Meyer für eine verpflichtende Tierwohl-Etikettierung für Fleischprodukte stark. «Was der Bund bisher angekündigt hat, ist lediglich ein freiwilliges Label, die Kriterien sind noch unklar», sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

Er befürchte, dies könne in den Supermärkten untergehen oder kaum genutzt werden. «Für die Kunden macht nur eine für alle Marktteilnehmer verpflichtende und einfache Kennzeichnung Sinn.» Verbraucherschützer reagierten positiv auf den Vorschlag, Landwirte beurteilen das Vorhaben skeptisch.

Verschiedene Vorstellungen

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) will sein Konzept eines freiwilligen staatlichen Tierwohl-Labels Ende Januar auf der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin vorstellen. Damit soll das Fleisch von Tieren gekennzeichnet werden können, deren Haltungsbedingungen über dem gesetzlichen Standard liegen.

Meyer dagegen nannte als Vorbild für das von ihm favorisierte Modell die Pflichtkennzeichnung bei Eiern: Sie müssen seit 2005 als aus Öko-, Freiland-, Boden- oder Käfighaltung stammend ausgewiesen werden.

Etikettierung in vier Stufen

Auch für Fleisch solle eine Tierwohl-Etikettierung in vier Stufen gelten, sagte Meyer. Die Grundstufe wäre die Haltung nach gesetzlichen Standards, danach käme eine deutlich bessere Unterbringung der Tiere - etwa mit 30 Prozent mehr Platz im Stall.

Zwei weitere Kategorien sollen Fleisch von Tieren mit Außenauslauf sowie aus Ökohaltung kennzeichnen. «Das Ganze staatlich kontrolliert und einheitlich, so dass der Verbraucher sich darauf verlassen kann», sagte Meyer.

Klare Kennzeichnung nur bei Bioprodukten

Derzeit gibt es eine klar definierte Kennzeichnung nur für Bioprodukte, für die die EU-Ökoverordnung die Standards festlegt. Für den Biomarkt gibt es in Deutschland ein Netz aus 18 privaten Kontrollstellen. Zugelassen und überwacht werden sie von den Ländern, die für Lebensmittelsicherheit zuständig sind. Mindestens einmal im Jahr stehen Prüfungen bei Bauern, Verarbeitern und Importeuren an.

Nicht nur Beifall

Beifall für Meyers Vorschlag kommt von der Verbraucherzentrale. «Wir würden eine verpflichtende Kennzeichnung bevorzugen. Bei dem freiwilligen Modell würden nur diejenigen Hersteller ihre Fleischprodukte kennzeichnen, die alles gut machen», sagte Ernährungsreferentin Britta Schautz. Die Eierkennzeichnung habe zur Folge gehabt, dass die Eier aus Käfighaltung schnell verschwunden seien, weil die Verbraucher diesen Umgang mit Tieren nicht mehr wollten. «Auch beim Fleisch könnten die Produzenten so zu Veränderungen gezwungen werden.»

Das Landvolk Niedersachsen dagegen kritisierte die Initiative des Agrarministers als «sehr gefährlich». Eine Anlehnung an den Eiermarkt verbiete sich, weil Fleisch in einem völlig anderen Preis- und Verwertungssegment liege, sagte Sprecherin Gabi von der Brelie: «Der Marktanteil für Biofleisch und Fleisch anderer Label dümpelt seit Jahren bei Werten von um die ein Prozent.» In der Tierwohldebatte sähen sich die Landwirte täglich mit neuen Vorschlägen und Forderungen konfrontiert. Auch die Auswahl der von Meyer genannten Kriterien müsse als subjektiv eingestuft werden, sagte von der Brelie.

 

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