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Antibiotika-Daten: Geflügelwirtschaft contra Meyer

von , am
27.04.2015

Die erste Auswertung des Antibotika-Monitorings sorgt für Diskussionen: Die Niedersächsische Geflügelwirtschaft kritisiert Agrarminister Meyer wegen Fehlinterpretation von Antibiotika-Daten.

NGW: Aussage Meyers ist statistische Selbstverständlichkeit. © Mühlhausen/landpixel
Die ersten Ergebnisse des Antibotika-Monitorings wurden vergangenen Donnerstag veröffentlicht: Agrarminister Christian Meyer hatte in einem Interview mit der Nordwest-Zeitung hervorgehoben, dass 6.000 oder 28 % der insgesamt im System erfassten 21.000 niedersächsischen Mastbetriebe wegen zu hoher Antibiotikagaben nun einen Maßnahmenplan vorlegen müssten. Ein solcher Plan muss darlegen, wie die Betriebe von dem hohen Medikamentenverbrauch herunterkommen wollen.
Die Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW) hat Christian Meyer jetzt Unsachlichkeit bei der Interpretation der ersten Ergebnisse vorgeworfen. Nach Angaben des NGW-Vorsitzenden Friedrich-Otto Ripke ist das jedoch keine Überraschung, sondern in dem für das Antibiotikamonitoring maßgeblichen Arzneimittelgesetz genau so festgelegt.

NGW: Sachliche Diskussion erwünscht

Neben dem Median sei nämlich immer auch das empirische Maß des 75-%-Quantils auszuweisen. Es würden also immer 25 % der Betriebe mehr Antibiotika einsetzen als im Bundesdurchschnitt, und in jedem zukünftigen Auswertungshalbjahr müsste deshalb ein Viertel der Betriebe einen Maßnahmenplan vorlegen. Die Aussage Meyers, dass 25 % aller Mastbetriebe zu viele Antibiotika einsetzten, sei in diesem System eine statistische Selbstverständlichkeit und eigne sich nicht, um die Landwirte an den Pranger zu stellen, betonte Ripke. Er stellte klar, dass die NGW das Ziel der Reduktion des Antibiotikaeinsatzes nachhaltig unterstützte und sich von den Ergebnissen des staatlichen Monitorings eine Versachlichung der Diskussion erhoffe. Allerdings sei von staatlicher Seite, im Gegensatz zum wirtschaftseigenen Kontrollsystem, erst kürzlich mit der betrieblichen Erfassung von Antibiotikagaben begonnen worden, weshalb es noch erhebliche Anlaufschwierigkeiten gebe.

Erste Auswertung nur Testlauf

Laut NGW muss allen Beteiligten bei der Interpretation von Ergebnissen klar sein, dass die erste Auswertung im Rahmen des staatlichen Antibiotikamonitorings Ende März nur als Testlauf zu verstehen ist. Das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) habe selbst darauf hingewiesen, dass Doppel- und Dreifachmeldungen durch Tierhalter und Bündler vorlägen, Tierbestände nicht vollständig gemeldet oder in Einzelfällen gar keine Meldungen erfolgt seien. Fundiertere Aussagen könne erst die nächste Auswertung liefern, erläuterte Ripke.

Niedersachsen hält die meisten Nutztiere

Ripke zufolge läuft auch die Kritik Meyers, dass über 50 % der gehandelten Antibiotikamengen nach Niedersachsen gingen, ins Leere. Dies sei nämlich nicht darauf zurückzuführen, dass die dortigen Tierhalter mehr Arzneimittel verabreichten als andere, sondern zeige lediglich, dass in Niedersachsen die meisten Nutztiere gehalten würden und der Anteil eingesetzter Medikamente dort entsprechend höher sei als in tierärmeren Regionen.

Niedersachsens Tierärzte verschreiben für gesamtdeutsche Anwendungen

Hinzu kommt laut Ripke, dass in bestimmten Postleitzahlenbereichen mit vermeintlich sehr hohen Antibiotikaverbräuchen die großen, überregional praktizierenden Tierarztpraxen ansässig sind, die die bezogenen Medikamente für Anwendungen in ganz Deutschland verschreiben. Dies müsse bei der Bewertung von Einsatzmengen in den Kreisen berücksichtigt werden. Es sei jetzt auch nicht die Zeit und der Anlass, niedersächsische Veredlungsbetriebe vorzeitig in Misskredit zu bringen oder vorzeitig zu verurteilen, stellte der NGW-Vorsitzende mit Bezug auf Meyer klar. Stattdessen sei es im Sinne der von allen Seiten gewünschten Antibiotikareduktion vernünftig, den Tierhaltern und ihren Tierärzten jetzt die Chance zu geben, ihre Minimierungspläne zu erstellen und weiter umzusetzen. Sinnvoll und konsequent wäre es aus Sicht von Ripke auch, angesichts der Resistenzproblematik ein ähnliches Meldesystem wie im Veterinärbereich unverzüglich im Humanbereich rechtlich zu etablieren.
 
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