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Beim Fleischkauf über Haltungsform informieren

von , am
13.04.2015

Hannover - Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer fordert, die Verbraucher beim Fleischkauf besser zu informieren: Die Haltungsform soll künftig auf der Verpackung stehen.

Meyer: Die Kennzeichung der Fleischverpackung mit der Herkunft des Fleisches sorgen für mehr Tierschutz im Schweinestall. © Christian Alex/Pixelio
Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat erneut eine staatliche Fleischkennzeichnung gefordert, ähnlich wie sie für Eier bereits eingesetzt wird. Seit dem 1. April 2015 müssen EU-weit Schnitzel und Steaks mit dem Herkunftsland gekennzeichnet werden. Gut wäre es, wenn die Verbraucher auch über die konkrete Haltungsform der Schweine informiert würden, sagte Meyer. Das zweistufige, freiwillige Tierschutzlabel sei zwar ein sinnvoller Schritt, da es echte Tierschutzleistungen von Landwirten kennzeichne und honoriere. Aussagen über die Haltungsform auf der Fleischverpackung würden für noch mehr Tierschutz im Scheinestall sorgen. Damit teilt Meyer die Auffassung des Deutschen Tierschutzbundes und des Sachverständigenrates für Agrarfragen.

Tierschutzlabel-Kriterien übernehmen

Meyer betonte, dass die Kriterien des Tierschutzlabels "sehr übernahmefähig" für die Arbeitsgruppe der Agrarminister der Länder seien, die zurzeit eine konkrete Tierschutzkennzeichnung erarbeite. Vergleichbar mit den Eiern könne dabei die „"Drei" für den gesetzlichen Mindeststandard stehen, die "Zwei" etwa für 30 % mehr Platz im Stall, zusätzliches Beschäftigungsmaterial und den Verzicht auf das Schwänzeabschneiden. Mit einer "Eins" würde die Haltung auf Stroh und mit Auslauf im Rahmen der konventionellen Freilandhaltung markiert, und die "Null“" stünde für den gesetzlich definierten Biostandard.
 
Meyer zeigte sich überzeugt, dass damit dem Informationsbedarf der Verbraucher entsprochen werden könne. Gleichzeitig betonte er, "mehr Tierschutz kostet Geld". Daher setze Niedersachsen auf eine attraktive Mischung aus Beratung, Freiwilligkeit und Honorierung.

EU soll mitziehen

Die Opposition im Landtag in Hannover warnte mit Blick auf Meyers Forderungen vor einem niedersächsischen Alleingang. Nach den Worten des Agrarsprechers der CDU-Fraktion, Helmut Dammann-Tamke , kann eine Kennzeichnung von Fleisch grundsätzlich sinnvoll sein. Voraussetzung sei aber, dass Niedersachsen mit diesen Überlegungen nicht allein dastehe. Um die Einfuhr ungekennzeichneter Billigimporte aus dem Ausland zu vermeiden, könne eine Kennzeichnung wie bei Hühnereiern nur im EU-Rahmen erfolgen. Die Fleischerzeuger und das Niedersächsische Landvolk müssten bei solchen Überlegungen von Anfang an einbezogen werden.
 
Gegenüber den Verbrauchern solle Meyer nicht verschweigen, dass zusätzliche Auflagen und Leistungen in der Schweinehaltung auch mehr Geld kosteten, forderte Dammann-Tamke. Ähnliches gelte für den Handel: Hier müsse es verbindliche Absprachen geben, damit die Landwirte am Ende nicht auf ihren Kosten sitzen blieben.

Wahlfreiheit für Verbraucher

Derweil forderte der agrarpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Hermann Grupe, Transparenz und Wahlfreiheit für die Konsumenten: "Tierwohl-Labels wie das des Deutschen Tierschutzbundes ermöglichen den Verbrauchern, sich durch ihr Kaufverhalten bewusst für bestimmte Tierhaltungsformen zu entscheiden - und auch die Kosten dafür zu tragen", erklärte der Liberale. Bislang fänden die Produkte aus den vom Deutschen Tierschutzbund zertifizierten Betrieben allerdings jedoch kaum Anklang bei den Konsumenten, stellte Grupe fest.
 
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