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Bauern demonstrieren

Bundesweiter Zulauf für "Wir machen Euch satt!"

AgE
am
18.01.2016

„Wir machen euch satt!“: Unter diesem Motto gibt es in diesen Tagen wieder zahlreiche Demonstrationen von Landwirten, so auch in Niedersachsen. Bundesweit gab es rund 50 Aktionen.

Wachsenden Zulauf verzeichnet die Aktion „Wir machen euch satt!“. Marcus Holtkötter von der Initiative „Frag den Landwirt“ veranschlagt die Zahl der Aktionen, die in diesen Tagen in unterschiedlichen Teilen des Bundesgebiets durchgeführt wurden, auf rund 50. Auch an mehreren Orten in Niedersachsen waren Hunderte Landwirte auf den Straßen.An der zentralen Kundgebung, die zum zweiten Mal am Sonnabend vor dem Hauptbahnhof in Berlin stattfand, nahmen deutlich mehr als 1.000 überwiegend junge Bauern und Bäuerinnen aus ganz Deutschland teil. Holtkötter kündigte eine Fortführung sowohl dieser als auch der dezentralen Aktionen an.

Demonstrierende Landwirte zum Dialog bereit

Die niedersächsische Tierärztin und Landwirtin Nadine Henke kritisierte eine anhaltende Skandalisierung von großen Teilen der Landwirtschaft. Die Landwirte seien zum Dialog auch mit Kritikern bereit, erwarteten aber, dass der auf sachlicher Grundlage geführt werde. Der Bullenmäster Bernhard Barkmann aus dem Emsland nannte als Ziel von „Wir machen euch satt“, das Monopol der landwirtschaftskritischen „Wir haben es satt“-Demonstration zu brechen. Ihnen warf Barkmann fehlenden Bezug zur Realität auf den Höfen und eine Vernachlässigung von Fakten vor. Umso wichtiger sei, dass die Landwirte selbst aktiv werden und das Gespräch mit den Verbrauchern suchen.

Demonstration für Agrarwende

Forderungen nach einer „Agrarwende“ standen im Zentrum der Demonstration „Wir haben es satt“. An dieser Aktion haben am Sonnabend in Berlin-Mitte Schätzungen zufolge bis zu rund 20.000 Menschen teilgenommen haben. Berliner Tageszeitungen sprachen von 13.000 Teilnehmern. Beteiligt waren zudem mehr als 100 Traktoren. Die Kritik richtete sich vornehmlich gegen agrarindustrielle Strukturen, „Höfesterben“, Massentierhaltung, Verlust an Biodiversität, grüne Gentechnik sowie die geplanten Freihandelsabkommen der EU mit Kanada und den USA.

Verbot "agrarindustrieller Tierhaltungsanlagen" gefordert

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Prof. Hubert Weiger, forderte ein Verbot agrarindustrieller Tierhaltungsanlagen und rief Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt zu einer aktiveren Rolle auf. Auch der Präsident vom Deutschen Tierschutzbund, Thomas Schröder, appellierte an Schmidt, seine Rolle als Mediator aufzugeben und im Tierschutz gesetzgeberisch tätig zu werden.

Bundeslandwirtschaftsminister begrüßt Gesprächsbereitschaft

Der Minister selbst hatte zuvor erneut die Gesprächsbereitschaft von Kritikern und Verfechtern der gegenwärtigen Landwirtschaft begrüßt. Beide Seiten hätten ihre Kampfzonen verlassen, sagte der Schmidt am Rande des Agrarministergipfels. Er erteilte zugleich Forderungen nach einer flächendeckenden Extensivierung der Landwirtschaft eine Absage. Wer angesichts der weltweiten Herausforderungen die Intensität der Erzeugung generell senken wolle, betreibe Realitätsverweigerung.

Landwirte demonstrieren unter dem Motto „Wir machen euch satt!“

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