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Cuxhavener Erklärung: Milchvermarktung künftig bündeln

von , am
09.07.2015

Elmlohe - Auf einer Infoveranstaltung der Norddeutschen Milcherzeugergemeinschaft (Nord MEG) diskutierten Vertreter aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Politik und Verbänden Anfang der Woche neue Wege zur Milchvermarktung.

Diskutierten über Milchvermarktung: v.l. Oliver Schniewind (RA Kartellrecht), Markus Seemüller (Bayern MeG), Dr. Franz Fischler ehem. EU-Agrarkomissar), Urte Rötz(Geschäftsführerin Nord MeG), Thorsten Riggert (Bauernverband Nordostniedersachsen e.V.), Alfred Ritters (Vorsitzender Nord MeG), Patrick Liste (top agrar, Moderator Podiumsdiskussion) © Ahnfeldt-Timm
Vor dem Hintergrund der dramatischen Milchpreisentwicklung hatte die Norddeutsche Milcherzeugergemeinschaft zu einer Diskussion über die Milchvermarktung nach dem Ende des EU-Quotensystems eingeladen. Verabschiedet wurde schließlich die "Cuxhavener Erklärung": Der Aufruf, die Milchvermarktung zu bündeln, um Effizienzvorteile zu erlangen.
 
Der Vorsitzende der Norddeutschen Milcherzeugergemein­schaft w.V. (Nord MEG), Alfred Ritters, machte vor den 110 Gästen deutlich, wie wichtig es sei, nun zu handeln und dem erfolgreichen Vermark­tungsmodell der Bayern MeG zu folgen. Dort führe die Bünde­lung gegenüber den Molkereien zu Verhandlungen auf Augen­höhe. Man erreiche eine bessere Planbarkeit und höhere Preise. "Produktionstechnisches Wissen reicht heute allein in der Landwirtschaft nicht mehr aus", so Ritters. "Aktive Vermark­tung ist der Weg aus der Sackgasse. Hier kann unsere Nord MeG als Dachorganisation den Milchbauern und ihren Erzeugergemeinschaften eine wertvolle Hilfestellung geben."

Finanzielle Unterstützung vom Land

Das Land Niedersachsen hatte die Schwierigkeiten der Milch­erzeuger nach Quotenende erkannt und die neuen Wege in der Milchvermarktung finanziell unterstützt. Landwirtschaftsminis­ter Meyer zeigte sich auf der Veranstaltung in Elmlohe optimis­tisch, dass die Bündelung der vertragsgebundenen Milch nun zügig vorankommt.
Auch die EU hat die große Bedeutung der Stärkung auf Erzeu­gerseite vor Jahren erkannt. Die Weichen für einen kartell­rechtlich konformen Zusammenschluss von Produzenten wurden gestellt. Der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler er­mutigte die Milcherzeuger, die Herausforderungen des Marktes anzunehmen. Sie sollten in der Vermarktung aktiv werden und hierbei das EU-Milchpaket als Chance sehen. Preis und Menge der Milch vertraglich zu gestalten, sollte in Zukunft genauso selbst­verständlich sein, wie bei jedem anderen Produkt auch.

Nachfolgend der vollständige Wortlaut der "Cuxhavener Erklärung"

Die Milcherzeugung ist in Deutschland ein entscheidendes wirtschaftliches Fundament für viele landwirtschaftliche Betriebe einschließlich des vor- und nachgelagerten Bereichs. Die Zukunftsfähigkeit der deutschen Milcherzeugung hängt nach dem Ausstieg aus dem EU-Quotensystem zum 31.03.2015 weniger von agrarpolitischen Rahmenbedingungen und dafür stärker von den Märkten ab. Entscheidend sind die weltweiten Angebots- und Nachfragemengen für Milch und die Effizienz der Vermarktung. Um die Effizienz der Vermarktung weiter zu verbessern, ist die Bündelung der Milcherzeuger unverzichtbare Voraussetzung.
 
Die Teilnehmer der Veranstaltung sind sich vor diesem Hintergrund darin einig, nachfolgend genannte Punkte zu unterstützen:
  1. Jeder Milcherzeuger, der seine Milch an eine Molkerei verkauft und nicht Genosse einer verarbeitenden Genossenschaft ist, wird aufgerufen, sich in einer der bestehenden Milcherzeugergemeinschaften zu bündeln.
  2. Die Milcherzeugergemeinschaften werden aufgerufen, ihre Milch gebündelt und koordiniert zu vermarkten.
  3. Alle landwirtschaftlichen Organisationen werden aufgerufen, zum Wohle der Milcherzeuger Wege der Zusammenarbeit und der Weiterentwicklung in der Milchvermarktung zu beschreiten und die Bündelung der Milcherzeuger zu fördern. Die Cuxhavener Erklärung soll ermutigen, die eigene Verantwortung wahrzunehmen, um mit gemeinsamem Handeln die maximale Wertschöpfung am Markt zu erreichen.
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