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Aus den Regionen

Demo von Landwirten: 'Wir machen Euch satt'

von , am
19.01.2015

Berlin - Demo von Landwirten zum Auftakt der Grünen Woche: Unter dem Motto 'Wir machen Euch satt' machten sich auch niedersächsische Landwirte für eine realistische Darstellung ihrer Arbeit stark.

Unterstützung für die Flashmob-Aktion der jungen Landwirte kam auch aus Niedersachsen nach Berlin. © Ralf Stephan
Um zwei Uhr morgens hatten sich junge Landwirte aus der Veredlungsregion zwischen Südoldenburg und Münsterland auf den Weg gemacht, um in Berlin am 'Flashmob' unter dem Motto 'Wir machen Euch satt!' teilzunehmen. Mit dem englischen Begriff bezeichnet die Internetgemeinde spontane Zusammenkünfte auf öffentlichen Plätzen, die über soziale Netzwerke im Internet organisiert werden.

'Redet auch mit uns!'

Das Ziel dieses Treffens: Unmittelbar vor dem Beginn der nun schon zum fünften Mal stattfindenden 'Wir haben es satt!'-Demo gegen die moderne Landwirtschaft in der Berliner Innenstadt wollten sie vor dem Hauptbahnhof dafür stark machen, dass die Öffentlichkeit ein ausgewogenes Bild von der modernen Landwirtschaft erhält. 'Wie unsere Arbeit in den Medien und von Teilen der Politik wahrgenommen wird, geht uns gehörig gegen den Strich. Deshalb rufen wir dazu, endlich auch mit uns zu reden und nicht nur über uns', sagte Marcus Holtkötter aus Altenberge (Westfalen), einer der Organisatoren, die seit einigen Monaten die Internetseite 'BauernWiki. Frag‘ doch mal den Landwirt!' betreiben. Die Veranstalter gaben die Zahl der Teilnehmer mit zirka 900 an. Keine offiziellen Angaben zu Teilnehmerzahlen macht die Berliner Polizei. Die vor Ort Dienst tuenden Einsatzkräfte schätzten rund 600.
 
Mitorganisatorin Nadine Henke aus Bruchhausen-Vilsen war dennoch außerordentlich zufrieden mit dem Zuspruch: 'Dass trotz der Arbeit zuhause so viele gekommen sind, ist ein deutliches Signal!' Mehrere Fernsehteams waren vor Ort. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) nutzte die Bilder, um in seiner Hauptnachrichtensendung sachlich über die Tierwohlinitiative zu berichten. Auch der NDR Mecklenburg-Vorpommern informierte.

Protestzug mit Umwelt- und Naturschutzverbänden

In der medialen Berichterstattung dominierte jedoch die Demonstration mit dem Motto 'Wir haben es satt!', zu deren Veranstaltern unter anderem der BUND, Nabu, der Deutsche Tierschutzbund,  attac, die Bundesverbände der Berufsschäfer und Berufsimker sowie die AbL und der BDM gehören. Die Forderungen 'Stoppt Tierfabriken, Gentechnik und TTIP. Für die Agrarwende!' vertraten nach Angaben der Veranstalter 50.000 Teilnehmer. Der Berliner 'Tagesspiegel' und der Bayerische Rundfunk meldeten unter Berufung auf Polizeikreise 25.000. Den Protestzug vom Potsdamer Platz zum Kanzleramt begleiteten rund 90 Traktoren.

Grüne gegen Antibiotika

Auch die Politik reagierte auf die Demo. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte ein Umdenken vor allem in der Fleischproduktion. Pro Tier müsse es eine bestimmte Fläche geben, Antibiotika dürften generell nicht mehr zum Einsatz kommen, sagte sie laut der Nachrichtenagentur dpa. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi erklärte, Lebensmittel von hoher Qualität müssten dennoch für alle erschwinglich sein. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagte am Rande der Agrarministerkonferenz zur Welternährung, auf der Demonstration seien Themen angesprochen worden, bei denen man sich fragen müsse, ob etwas zu ändern sei. Mit dem Motto 'Wir haben es satt!' werde aber die Mehrheit der Landwirte in eine Ecke gestellt.
 
Er empfehle, 'aus den Ecken und aus der Selbstgewissheit herauszukommen und miteinander zu reden'. Die Leistungen der Landwirtschaft seien gefragt wie nie, hatte Schmidt zur Eröffnung der Grünen Woche erklärt und in Anspielung auf das Motto der Demo festgestellt: 'Die Welt ist noch nicht satt.' Auf die massive Kritik am geplanten Freihandelsabkommen TTIPP mit den USA reagierte der Minister in teils drastischen Worten. Bei der Lebensmittelsicherheit solle nicht so getan werden, als würde in den USA alles gegessen, 'was kreucht und fleucht'. Statt europäische und deutsche Standards aufzugeben biete sich vielmehr die Chance, sie sogar zu globalen Standards zu machen.

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