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Aus den Regionen

Duale Ausbildung für junge Landwirte in Russland

von , am
03.09.2015

Tjumen - Die duale Ausbildung gilt weltweit als deutsches Erfolgsmodell. Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil eröffnete jetzt in Sibirien ein duales Agrar-Ausbildungszentrum.

Der Ministerpräsident lobte das russische Ausbildungszentrum. © Staatskanzlei
Im westsibirischen Tjumen, einer Partnerregion Niedersachsens, werden künftig erstmals in Russland junge Landwirte nach deutschem Vorbild im dualen System mit Theorie und Praxis ausgebildet. Bei der Eröffnung des Ausbildungszentrums für 200 Schüler in der gleichnamigen Hauptstadt lobte der niedersächsische Regierungschef Stefan Weil die Kooperation, äußerte aber auch Kritik. "Das ist ein echtes Vorzeigeprojekt", sagte Weil. "Die duale Ausbildung, wie sie bei uns üblich ist, kannte man hier bislang nicht."

Russische Lehrer künftig auch in Deutschland

Die Deutsche Lehranstalt für Agrartechnik (Deula) im niedersächsischen Nienburg hatte das 2012 von der Region Tjumen angeregte Projekt unterstützt. Das Land Niedersachsen beteiligte sich in der Folge daran mit rund 52.000 Euro. Die Kosten für die Modernisierung der Ausbildung wurden laut Staatskanzlei komplett von der Region Tjumen übernommen. Russische Lehrer sollen künftig aber auch in Deutschland weitergebildet werden. "Das ist ein gutes Beispiel für eine gute Zusammenarbeit und unsere Partnerschaft mit Tjumen", sagte Weil.

Niedersachsens Landtechnikindustrie soll profitieren

Von der nun gestarteten Ausbildungskooperation erhofft sich Weil auch positive Effekte für die niedersächsische Wirtschaft. Denkbar seien als nächster Schritt etwa Kooperationen für Landmaschinenhersteller. "Die Technisierung der Landwirtschaft geht voran. Es wäre schön, wenn dabei auch mehr Content aus Niedersachsen zum Zuge käme."
 
Seit 1992 pflegt das Land die Kooperation mit der sibirischen Region, die wegen ihrer Öl und Gasvorkommen als relativ wohlhabend gilt. Generell sei das deutsch-russische Verhältnis infolge der ungelösten Ukraine-Krise aber nach wie vor sehr belastet, betonte Weil. "Es herrscht derzeit eine Art kalter Frieden, die Situation ist sehr schwierig." Nach der Ansicht von Weil müsse die Politik daher mit Hochdruck an einer Entspannung arbeiten. "Davon profitieren beide Seiten." Kremlchef Wladimir Putin hatte als Reaktion auf die westlichen Sanktionen ein Embargo für Lebensmittel aus der EU reagiert. Der Kreml will deshalb die eigene Produktion stärken, damit mehr Fleisch, Milch, Obst und Gemüse von russischen Herstellern in den Supermärkten angeboten wird.
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