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RegioAgrar

Düngeverordnung: Landwirte brauchen Zeit

Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
09.03.2018

Auf der Regio Agrar diskutierten Praktiker mit der LAND & Forst über die Auswirkungen der neuen Düngeverordnung auf ihre Betriebe. Hier einige der Knackpunkte.

Zu Gast in der LAND & Forst-Gesprächsrunde waren Landwirte, die von den Neuregelungen der Düngeverordnung sehr stark betroffen sind: Schweinehalter Stephan Klaus, Cappeln, Biogasanlagenbetreiber Peter Janßen, Wietmarschen, und Milchviehhalter Hartmut Seetzen, Varel. Sie diskutierten mit LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan und Weert Sweers von der Düngebehörde die Auswirkungen auf ihre Betriebe.

Diskussion: Auswirkungen der neuen Düngeverordnung

Peter Janßen, Mitinhaber einer Biogasanlage in Wietmarschen, Grafschaft Bentheim, muss durch die Neuregelungen für ca. 15.000 cbm Gärreste (von insgesamt ca. 35.000 cbm) neue Flächen suchen, weil bisherige Abnehmer ihre Flächen selbst benötigen und die Verträge mit Janßen gekündigt haben: „Das kostet uns richtig viel Geld,“ so Janßen.
Er ist allerdings optimistisch, dass es in zwei bis drei Jahren Lösungen technischer Art für Gülle, Mist und Gärreste geben wird. Diese Durststrecke müsse man nun durchhalten Janßen kritisierte, dass es von Seiten der Politik nicht schon früher eine Förderung von Aufbereitungsanlagen gegeben habe. „Politisch gewollt war nur eine Reduzierung des Tierbestandes,“ konstatierte er.

Stark N- und P-reduzierte Fütterung reicht noch nicht

Stephan Klaus, Schweinehalter mit geschlossenem System aus Cappeln, Landkreis Cloppenburg, hat schon vor der Neuregelung der Düngeverordnung Gülle abgegeben. Jetzt muss er allein durch die neuen Rechenwerte schon 3.000 cbm mehr Lagerraum vorhalten, 11.000 cbm anstatt vorher 7.000. Durch eine sehr stark N- und P-reduzierte Fütterung hat er seinen Nährstoff-Input abgesenkt, dennoch muss er mehr als vorher abgeben.
Ihm fehlt von Seiten der  Politik Unterstützung, organische Nährstoffe für die Aufnehmer attraktiver zu machen. Für aufnehmende Ackerbauern, die bislang keine Gülle zur Düngung eingesetzt habe, sollte s. E. die 170-kg-N-Grenze für die ersten Jahre ausgesetzt werden für einen Humusaufbau. Er kritisierte die komplizierten unterschiedlichen Düngeberechnungen der neuen Verordnung, ein Rechenweg für alles würde die Umsetzung erleichtern.

Keine Kreislaufwirtschaft im eigenen Betrieb

Hartmut Seetzen, Milchviehhalter aus Varel, Landkreis Wesermarsch, sah die heute nötigen deutlich höheren Lagerkapazitäten für viele Berufskollegen als kaum finanzierbar. Unbedingt noch einmal zu diskutieren sind für ihn die Düngebedarfswerte für Grünland: „Es kann nicht sein, dass wir bei 1,8 GV/ha keine Kreislaufwirtschaft im eigenen Betrieb machen können, so kann die Bodenfruchtbarkeit nicht gehalten werden.“

Die gleiche Problematik thematisierte auch Weert Sweers von der Düngebehörde. Weiteren Diskussionsbedarf sah er bei der Auslegung der „unvermeidbaren Verluste“. Sweers und die Praktiker auf dem Podium in Oldenburg waren sich einig, dass die Umsetzung der neuen Düngeverordnung in der Fläche noch Zeit braucht.

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