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Feldtag: Aktive Lebenshilfe für Zuckerrüben

von , am
29.05.2015

Tündern (Hameln) - Der 16 ha Rübenschlag von Karl-Friedrich Meyer war frisch gedrillt, als 80 mm Niederschlag die oberflächliche Bodenstruktur zerstörten. Der Landwirt entschied sich für den Einsatz einer Sternrollhacke.

Die Sternrollhacke konnte die Verkrustungen aufbrechen, wodurch der Feldgang verbessert wurde. © Raupert
Da muss man schon starke Nerven haben: Von den erwünschten 90.000 bis 100.000 Rübenpflanzen je Hektar waren nach 80 mm Niederschlag nur 15.000 bis 20.000 aufgelaufen. Eigentlich das Todesurteil für die Rüben mit der logischen Konsequenz, den Schlag umzubrechen. Landwirt Karl-Friedrich Meyer hat sich dennoch dagegen entschieden. Auch rund zwei Monate nach der Saat Ende März hat sich die Situation auf dem Versuchsfeld nicht wirklich entspannt. Aber durch den Einsatz einer Sternrollhacke, die die starke oberflächliche Verkrustung aufbrach, konnte der Feldaufgang immerhin noch auf rund 40.000 Pflanzen je Hektar angehoben werden. Ob die Entscheidung letztlich richtig war wird sich erst zur Ernte zeigen.

Interessantes Experiment

Auch die Berater der Züchterhäuser gaben sich auf dem Versuchsfeld in den ersten Aprilwochen die "Klinke in die Hand" und zählten aus, was nicht vorhanden war. Für KWS-Berater Hans-Wilhelm Roth war die Lage eindeutig und hoffnungslos, sodass er nur eine Chance sah: sofortiger Umbruch! Karl-Friedrich Meyer hat sich dennoch zusammen mit seinem Sohn Ludwig dazu durchgerungen, den rund 16 ha großen Schlag stehen zu lassen. Ein Punkt für Meyer war, dass man durch einen Umbruch auch erst einmal die zusätzlichen Kosten von bis zu 400 €/ha herausholen muss. Er ist selbst gespannt darauf, wie sich alles weiter entwickelt und hat das Ganze als Experiment eingestuft.  
 
Die Aussaat der Rüben fand auf dem Versuchsschlag am 25. März statt. Vorfrucht war Winterweizen. Der Boden wurde sowohl im Herbst als auch im Frühjahr mit einem Horsch Terrano Grubber tief bearbeitet. Am 25. März wurde gedrillt, nur wenige Tage danach fielen in einem Guss 80 mm Niederschlag, die die gute oberflächliche Bodenstruktur zerstörten. Der Acker platzte zu und es bildete sich durch die sehr trockenen Verhältnisse rasch ein schier unüberwindliches Hindernis für die zarten Rübenkeimlinge.

Neue Erfahrungen

Rund 6.000 ha sind in der Zeit im Norden aus diesem Grund auf den Kopf gestellt worden. Meyer machte hier eine Ausnahme: Statt neu zu drillen, beauftragte er Hans-Heinrich Hüper aus Empelde, die verkrustete Oberfläche des Schlages mit einer Sternrollhacke aufzubrechen. Zu dem Zeitpunkt waren nur rund 16.000 Pflanzen aufgelaufen, der Rest war bereits abgestorben oder mühte sich noch, die harte Erdkruste zu durchstoßen.
Mit knapp 10 km/h rollte Hüper dann mit dem Gerät über den Acker. Die spitzen Sterne bohrten sich alle 8 cm 1 bis 2 cm tief in den Boden und brachen die teilweise extreme Verkrustung auf. "Es war vielfach wie Beton, meine Schlepperreifen haben keinen Profilabdruck hinterlassen", beschrieb Hüper die Situation vier Wochen nach der Saat. Gelohnt hat sich der Einsatz schon, auch wenn die reihenunabhängig arbeitende Hacke manche Rübe mit vernichtete. Durch die Krustenbrechung schafften es dann doch noch einige Pflänzchen an die Oberfläche. 40.000 Pflanzen stehen, wenn auch sehr unregelmäßig, jetzt auf dem Acker. 

Was auf dem Zuckerrüben-Feldtag in Tündern außerdem angeboten wurde, lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe  22/2015 auf Seite 26 und 27.Möchten Sie die LAND & Forst für einen Monat gratis zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…
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