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Getreide: Höchstens durchschnittliche Ernte erwartet

von , am
09.07.2015

Hannover - Die Trockenheit dämpfte die Erwartungen an die Getreideernte 2015 in Niedersachsen deutlich. Das Landvolk rechnet bei ca. sechs Mio. Tonnen mit einer höchstens durchschnittlichen Ernte.

Spannend bleibt für die niedersächsischen Landwirte die Preisentwicklung nach der Getreideernte. © Werner Raupert
Mit etwa sechs Millionen Tonnen schätzt der Vorsitzende des Landvolkausschusses Pflanzenbau Jürgen Hirschfeld auf eine allenfalls durchschnittliche Getreideernte in Niedersachsen. Anlässlich der alljährlichen Getreiderundfahrt des Landvolks in Sulingen sagte er: "In der Hitze der vergangenen Tage sind unsere Erwartungen endgültig zusammengeschmolzen."  Die Qualitäten seien allerdings noch fraglich. Die Roggenernte hingegen werde unterdurchschnittlich ausfallen, da sich die Beregnung wegen der schlechten Preise nicht lohne und die Pflanzen regional verheerende Trockenschäden aufweisen, erklärte Hirschfeld. Einige Roggenbestände wurden bereits als Ganzpflanzensilage für Biogasanlagen geerntet.

Beregnung wichtig

Die Beregnung in Niedersachsen sei immens wichtig: "Das hat uns dieses Jahr wieder gezeigt", sagte Hirschfeld und forderte die Landwirte auf, langfristige Strategien zur Wasserversorgung zu entwickeln. "Ohne Beregnung könnten wir den Ackerbau nordöstlich von Hannover einstellen", ist auch Alfred Reisewitz, Getreidehändler der Agravis AG, überzeugt. Auch er erwartet eine nur durchschnittliche Ernte, jedoch beim Export eine angespannte Konkurrenzsituation. Frankreich werde vermutlich deutlich besser ernten als im Vorjahr. Wegen schlechter Qualitäten konnten die Franzosen Nordafrika im Vorjahr nicht wie gewohnt beliefern und Deutschland exportierte 2014 fast drei Millionen Tonnen Weizen nach Algerien und Marokko. In diesem Jahr dürften aus Deutschland wahrscheinlich unter 100.000 Tonnen kommen, und auch die Ukraine und Russland drängen auf den Markt.

Nur wenige Vorkontrakte

Spannend bleibt für die niedersächsischen Landwirte deshalb wieder einmal die Preisentwicklung. Nach einer längeren Phase fallender Kurse hat sich der Weizenpreis aktuell stabilisiert. "Die Anbauer haben in diesem Jahr vergleichsweise wenige Vorkontrakte geschlossen und auf bessere Preise gewartet", erklärt Konrad Weiterer, Präsident des Bundesverbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft. Wegen der steigenden Preisen sichern derzeit viele Landwirte einen Teil ihrer Ernte mit Vorkontrakten ab. Die Einkäufer des Handels und der Verarbeitungsunternehmen hingegen haben lange abgewartet und auf weiter fallende Preise gehofft. Befürchtete Ernteausfälle in den USA und die europaweite Hitzewelle haben diesen Trend jetzt umgekehrt.
 
Insgesamt werden in Niedersachsen in diesem Jahr auf mehr als 846.000 Hektar Getreide angebaut, ein Plus zum Vorjahr von 30.000 Hektar. "Wie auch immer die Ernte ausfällt, wir können die Versorgung sicher stellen und den Markt bedienen", erklärt Franz Engelke vom Verband Deutscher Mühlen.
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