Login
Gastkommentar

Gleichstellung ist nicht nur eine Frauensache

Dr. Carola Reimann, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
am
08.03.2018

Am 8. März feiern wir den Weltfrauentag. Immer wieder wird gefragt, ob ein solches Datum noch zeitgemäß ist. Schließlich hätten Frauen doch heute alle Möglichkeiten. Auch manche Instrumente der Frauenpolitik werden in Frage gestellt. So betonen gerade junge Frauen, sie wollten ihre Ziele aus eigener Kraft erreichen. Eine „Quotenfrau“ möchten sie nicht sein, erklären sie mitunter etwas abschätzig.

Dr. Carola Reimann, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

Natürlich ist Kompetenz eine entscheidende Voraussetzung, um im Beruf voranzukommen oder eine politische Position zu übernehmen. Doch trotz bester Schulabschlüsse und guter Qualifikationen scheitern Frauen häufig an der sogenannten „gläsernen Decke“. Vor allem wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, schultern Frauen die Hauptlast. Gerade im ländlichen Raum müssen sie vielfach zurückstecken und die Arbeitszeit reduzieren.

Grund sind fehlende Betreuungsangebote. Alte Strukturen, nach denen Großeltern oder andere Familienmitglieder in der Nähe wohnen und die Kinder betreuen, sind auch auf dem Land seltener geworden. So bleibt als einzige Möglichkeit oft nur Teilzeitarbeit oder ein Mini-Job. Ein Teufelskreis, denn diese Arbeitsformen sind weder existenzsichernd noch karrierefördernd. Im Falle einer Trennung oder des Todes des Partners sind die betroffenen Frauen in großen finanziellen Nöten.

Altersarmut ist weiblich

Im Alter sind damit Probleme programmiert. Unser Rentensystem ist vor allem beitragsorientiert. Wer wenig einzahlt, bekommt nur eine kleine Rente. Die Brüche in der Erwerbsbiographie führen dazu, dass Frauen eine deutlich niedrigere Rente beziehen. Altersarmut ist weiblich.

Um sich für das Alter abzusichern, ist eine kontinuierliche Erwerbsarbeit und angemessene Bezahlung besonders wichtig – gerade auch in vermeintlichen Frauenberufen. Paare sollten deshalb zeitig für sich klären, wie sie die Verantwortung für die familiären Aufgaben fair aufteilen.

Politik gefordert

Flankierend dazu ist die Politik gefordert. Bewährt haben sich – gerade im ländlichen Raum – die Koordinierungsstellen Frauen und Wirtschaft. Diese Beratungsstellen stehen den Frauen engagiert und kompetent zur Seite. Und das nicht nur, wenn es um den Wiedereinstieg in das Berufsleben nach der Familienphase geht. Arbeitgeber sollten zudem mit familienfreundlichen Angeboten im Wettbewerb um gut ausgebildete Frauen „punkten“, beispielsweise durch Telearbeit.

Wichtig ist, dass alle gesellschaftlichen Gruppen gemeinsam daran arbeiten, der Altersarmut von Frauen entgegenzuwirken und sie zu verhindern. Gleichstellung geht nicht nur Frauen an. Sie geht uns alle an, nicht nur am Weltfrauentag!

Lesen Sie auch unsere Reportage über das Hamelner Frauenzentrum.

Verwandte Inhalte
Auch interessant